Alexander Heinrich setzt auf gereifte Qualität im Glas. Foto: Julia Schramm /Lichtgut

Viele Weine werden leider viel zu jung getrunken. Alexander Heinrich aus Obersulm trägt dem Rechnung und bietet aktuell einen Spätburgunder aus dem Jahr 2018 an.

Beim Aufräumen habe ich dieser Tage ein bemerkenswertes Kleinod in meinem Weinkeller gefunden. Einen 1991er Müller-Thurgau vom Weingut Strebel & Popp aus Ipsheim. Halbtrocken. In einer verstaubten Literflasche mit einem Etikett, an dem der Zahn der Zeit mächtig genagt hat. Offen gestanden habe ich keine Ahnung, wie dieses aus Franken stammende Getränk je in meinen Keller gelangen konnte. Der Plan, welchen weiteren Weg die Brühe nehmen würde, war indes vorgezeichnet. Bevor die Flüssigkeit in den Abfluss rinnen sollte, wollte ich sie aber doch einmal probieren. Und was soll ich sagen? Der Wein war goldgelb und in blendender Form. Ein in Würde gereifter Müller-Thurgau wie ich noch nie einen probiert habe, weil ich überhaupt noch nie einen gereiften Müller-Thurgau probiert habe, da Müller-Thurgau allgemein als nicht reifefähig und reifewürdig gilt. Welch Irrtum!

 

Ungewöhnlich: Ein hochpreisiger Wein mit Schraubverschluss

Aus meiner Sicht ist dieser mittlerweile 34 Jahre alte Zufallsfund ein weiterer Beweis dafür, dass wir unsere Weine häufig viel zu jung trinken. Wie oft wollen Kunden schon im Frühjahr die ersten neuen Weine – und die meisten Betriebe sehen sich natürlich gezwungen, diese Nachfrage zu stillen.

Da geht es auch Alexander Heinrich nicht anders als seinen Kollegen. Gleichzeitig wartet er aber ganz aktuell mit einem Spätburgunder aus dem Jahr 2018 auf, der in der Champions League spielt. Pinot Noir Monopol heißt das Kind mit vollständigem Namen. Stolze 54,90 Euro ruft der Obersulmer für diesen Wein auf, der – unglaublich in dieser Preiskategorie – unter einem Schraubverschluss ruht. Das Ergebnis ist gigantisch: ein richtig großer Spätburgunder im Neuseeländer Stil. Er riecht nach Tabak, im Mund gesellt sich eine tiefe rote, aber nie aufdringliche Frucht dazu. Dass der Wein wahnsinnig dicht und im positiven Sinn rund und ausgewogen ist, sieht übrigens auch der Gault & Millau so, der dem Monopol fünf Sterne gibt und bekennt, dass der Wein „wirklich alles hat, was ein großer Spätburgunder braucht und einen sofort in seinen Bann zieht“.

Dem ist nur hinzuzufügen, dass sich tatsächlich jetzt, nach sieben Jahren, das erste Zeitfenster öffnet, um ihn zu genießen. Man kann ihn aber auch noch zehn, fünfzehn Jahre liegen lassen. Er wird sich verändern, mutmaßlich nicht zu seinem Nachteil.

2018er Pinot Noir Monopol, 54,90 Euro, Weingut Alexander Heinrich, Obersulm, Telefon 07134/17469, www.weingut-heinrich.com