Neue Formen der Präsentation locken auch junge Weinliebhaber an. Foto: Michael Steinert

Bei der Präsentation in der Phönixhalle im Römerkastell haben Weinliebhaber aller Generationen die besten Tropfen der Winzergruppe Junges Schwaben getestet. Mehr als 60 verschiedenen Sorten wurden vorgestellt.

Bad Cannstatt - Der Plan von Katharina Wilhelm und Hubert Gorniok klingt einfach: Alles probieren und möglichst wenig trinken. Angesichts von mehr als 60 verschiedenen Sorten Wein und Sekt ist es dennoch eine Herausforderung. Obwohl die beiden Schorndorfer zum ersten Mal eine Weinpräsentation besuchen, verhalten sie sich wie Profis: Stets nur einen kleinen Schluck nehmen und zwischendurch die Restebecken benutzen.

Diese stehen dezent verteilt zwischen Stehtischen und Ständen, an denen die fünf Weingüter Zipf, Kistenmacher und Hengerer, Wachtstetter, Bernhard Ellwanger und Beurer am Sonntag in der Phönixhalle in Bad Cannstatt ihre Weine präsentieren, ausschenken und die Tester mit Informationen zu Geschmack, An- und Ausbau und klimatischen Bedingungen versorgen. Zusammen bilden die fünf Württemberger Wengerter seit 2002 die Gruppe Junges Schwaben. Auch wenn die ersten inzwischen das Schwabenalter erreicht haben – „wir sind im Kopf jung und innovativ“, sagt Rainer Wachtstetter. Dass das so bleibt, daran arbeiten sie gemeinsam: „Wir machen Auslandsexkursionen und verdeckte Weinproben.“ Ziel ist heute wie damals, den Menschen zu zeigen, was Württemberg in Sachen Wein zu bieten hat. Als Gruppe könnten sie mehr bewegen als allein.

Regionale Spezialitäten kreieren und bekannt machen

„Dieses freche Auftreten bewirkt etwas und spricht junge Weintrinker an“, ist Sommelier Frank Kämmer überzeugt. Auch wenn Württemberg international betrachtet der kleine Zeh der Weinwelt sei, verdiene der Wein Aufmerksamkeit: „Es gilt, regionale Spezialitäten zu schaffen.“ Damit könnten Winzer dann auch international Aufsehen erregen, wie es die Gruppe Junges Schwaben beweise.

Den Trollinger Evas reicht es zunächst einmal, das „deutsche Ausland“ für den vielleicht bekanntesten Württemberger Wein zu begeistern, der zugleich wohl das verstaubteste Image aller Sorten genießt. „Es ist ein frischer, fruchtiger Wein, den man immer trinken kann“, sagt Christine Golter, die sich seit 2007 mit fünf weiteren Winzerinnen und drei Weinfachfrauen für das Image des Trollingers einsetzt. „Es kommt auf die Präsentation an“, sagt Golter: So serviert sie den Trollinger am liebsten leicht gekühlt und mit viel Gefühl – schließlich trinke man nicht nur einen Wein, sondern auch eine Marke. „Zusammen können wir mehr bewegen und bekommen mehr mediale Aufmerksamkeit“, nennt Golter einen der Vorteile der Zusammenarbeit, die in der Gründung einer Genossenschaft mündete.

Jungen Menschen den Zugang zum Wein erleichtern

Auch Weingärtner Christoph Ruck aus Mühlhausen schätzt die Zusammenarbeit mit Kollegen: „Ich profitiere organisatorisch, finanziell und zeitlich von der Winzergruppe Quintessenz.“ Fünf Weingüter arbeiten unter diesem Label zusammen und präsentieren ihre Weine nicht nur auf dem jährlichen Sommerfest, sondern auch an ungewöhnlichen Orten und Off-Locations. Die Menschen zwischen der Viertelesschlotzer-Ecke und den elitären Weinkreisen würden immer mehr, ihnen und auch einem jüngeren Publikum möchte Ruck den Zugang zum Wein erleichtern.

Im Römerkastell ist dies am Sonntag geglückt. Senioren und junge Familien mit Kinderwagen haben gemeinsam Weine verkostet und Neues entdeckt. Nur eines fehlt noch: „Ich suche noch einen Weißwein, der mir schmeckt“, sagt Rotwein-Liebhaberin Katharina Wilhelm.

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