Exklusiv und gut: Felix Velte betreibt ein Mini-Weingut in Ingersheim. Unser Kolumnist ist vor allem von dem Lemberger begeistert, der fast schon altmodisch erscheint. Im allerbesten Sinne.
Gibt es eigentlich Forschungsarbeiten über die Entstehung von Klischees? Also warum Autonarren grundsätzlich in Hinterhöfen schrauben, erfolgreiche Frauen für durchtrainierte Versager schwärmen, Assistenzärzte dafür treudoof gucken und leer ausgehen? Vermutlich ist an vielen Klischees ein Funken Wahrheit, weil es irgendwann Menschen gegeben hat, die dem vorgezeichneten Bild entsprochen haben. Im Fall eines Garagen- oder Kellerwinzers wäre man dann ziemlich genau bei Felix Velte.
Der Mann empfängt seine Gäste in der ehemaligen Waschküche seines Großelternhauses in Großingersheim im Kreis Ludwigsburg. Eine selbst gezimmerte Theke teilt den weiß gestrichenen Raum im Souterrain, der sich wohltuend abhebt von den Verkostungspalästen, wie sie leider üblich geworden sind in der Weinbranche.
Es gibt nur ein paar hundert Flaschen pro Sorte und Ausbaustufe
Fakt ist: Wer bei Felix Velte landet, muss einen Tipp bekommen haben, sonst verirrt man sich nicht hierher. Nicht nur sein Verkaufsraum ist winzig, auch sein Außenbetrieb ist überschaubar; weniger als ein Hektar bewirtschaftet der Wengerter, der hauptberuflich bei Fried Baumgärtner in Hohenhaslach arbeitet und dort auch seine Weine ausbauen darf. Die Exklusivität stellt er ganz einfach her: Weil seine wenigen Weinberge (die meisten davon in terrassierten Steillagen) schlicht nicht mehr hergeben, hat Velte nur ein paar Hundert Flaschen pro Sorte und Ausbaustufe. Sein Topwein ist sogar auf ein einziges Fass limitiert. Schrannawengert heißt dieser Lemberger, weil die Terrassen in den Steillagen auf gut Schwäbisch Schranna heißen. Velte reduziert den Ertrag auf zwei Trauben pro Trieb, ehe er ihnen nach der Lese eine Maischegärung in der offenen Bütte spendiert. Danach lagert der Wein zwei Jahre in einem gebrauchten Barrique und schließlich noch ein Jahr auf der Flasche. Das Ergebnis ist ein ziemlich heller, fast schon altmodischer Lemberger, der die Aromen von Brombeere, Kräuter und Pfeffer vereint und mit 12,5 Volumenprozent Alkohol auskommt. Wer einen klassisch-schwäbischen Lemberger sucht, der nach alter Väter Sitte gemacht ist, liegt hier goldrichtig.
Service
Schrannawengert Lemberger 2019, 18 Euro, Weingut Velte, Ingersheim, Telefon 01 57 / 80 30 90 37. www.wein-velte.de
Das Urteil der Weinrunde
Michael Weier
Dieser Wein ist im positiven Sinne altmodisch. Schön schlank, sehr klar, sehr sauber gemacht mit einer sehr eleganten Frucht.
Kathrin Haasis
Dieser Lemberger bringt alles mit, was ich bei der Sorte suche: eine saubere Frucht, schöne Gerbstoffe und ein leichter Duft nach Waldboden.
Harald Beck
Höre ich „traditioneller Lemberger“ bin ich erst mal skeptisch. Dieser hat mit schöner Frucht und schlanker Struktur nichts mit der Ex-Plörre zu tun.