Im Nebenraum des ehemaligen Besens ist die neue Vinothek entstanden. Foto: Sandra Lesacher

Generationswechsel in Großbottwar (Kreis Ludwigsburg): Der 27-jährige Danny Bruker übernimmt das Weingut. Mit internationaler Erfahrung hat er eine klare Vision für seine Weine.

Ruhig war es geworden um das Weingut Bruker in Großbottwar. Der Besen und das Restaurant geschlossen, die Weinberge verpachtet. Jetzt kehrt wieder Leben ein in die Gebäude an der Kleinaspacher Straße. Danny Bruker hat im Februar das Weingut von seinem Vater Markus übernommen.

 

Der 27-Jährige steht in seinem neuen Flaschenlager. Es ist der Raum, in dem früher die Besenwirtschaft und später das Restaurant Magdalen’s untergebracht waren. Gastronomie ist für ihn keine Option. „Da muss man das Feuer dafür haben“, sagt er. So nebenbei gehe das nicht. „Ich mach’ mein Weingut. Darauf habe ich mich die vergangenen zehn Jahre vorbereitet.“

Zur Winzerlehre ins Remstal

Das Weinlager ist eines der Herzstücke des neuen Weinguts. Foto: Sandra Lesacher

Danny Bruker ist im Weingut aufgewachsen. Hineingezwungen haben ihn seine Eltern nie. Erst nach dem Abitur hat er sich zur Winzerlehre entschieden. Die hat er im Weingut Ellwanger im Remstal gemacht, dem gleichen Betrieb, in dem auch sein Vater einst seine Ausbildung absolviert hatte.

Im Rahmen seiner Lehre und danach hat Danny Bruker einiges von der Welt gesehen. Er war in Südafrika, Neuseeland und Kanada. Letzteres ist übrigens der größte Eisweinproduzent der Welt. Bei Temperaturen von minus 20 bis minus 30 Grad im Winter werden die Reben dort teilweise eingegraben, damit überhaupt Wein wachsen kann. „Das ist alles super spannend“, sagt der Großbottwarer.

Zurück aus Kanada studierte er International Wine Business in Krems in Österreich und arbeitete auf verschiedenen Weingütern in der Gegend. Seine letzte Station war eine große Weinhandlung in Wien, wo er sich nochmals in der internationalen Weinwelt weiterbilden konnte.

Für Danny Bruker war das die optimale Vorbereitung auf das, was kommen sollte: Die Übernahme des elterlichen Weinguts. Den landwirtschaftlichen Betrieb in Großbottwar hatte Uropa Otto Bruker vor fast 100 Jahren gegründet, Dannys Großvater Herbert Bruker stieg dann in den Qualitätsweinbau ein, eröffnete Besenwirtschaft und Hotel. 2005 übernahm Markus Bruker den Betrieb.

Und nun führt Sohn Danny Bruker die Regie im Weingut. Er ist gerade am Umbauen. Das Hotel wird anderweitig weitergeführt, Danny Bruker will sich rein aufs Weingut konzentrieren. Deshalb das Weinlager im ehemaligen Besen, die Vinothek im Nebenraum. Die Traubenanlieferung wird über die ehemalige Küche laufen, der Tankkeller kommt in die frühere Vinothek.

„Man muss ein zweites Glas wollen.“

Danny Bruker, Chef des Weinguts Bruker

Seine Ausbildung und die „Wanderjahre“ haben Danny Bruker geprägt: „Ich konnte sehen und lernen, was ich aus meinen Weinen rausbekommen möchte“, sagt der 27-Jährige. Die Stilistik ist ihm wichtig und – egal wie hochwertig ein Wein ist: „Es muss immer ein Trinkfluss da sein, es darf nicht zu anstrengend werden, man muss ein zweites Glas wollen.“

Danny Bruker will elegante Weine mit Finesse, Charakter und Mineralität herstellen. Er will sie spontan vergären lassen, auf Aromahefen verzichten, seine Roten prinzipiell unfiltiert abfüllen, das Produkt Wein in den Vordergrund stellen. „Mein Vater hatte eine ähnliche Philosophie, das wird sich jetzt nicht um 180 Grad drehen“, sagt der Junior.

Und doch hat er seinen eigenen Kopf und vor allem viele Ideen: Der Sauvignon Blanc soll ins Granitfass kommen, das Sortiment insgesamt etwas ausgedünnt werden. Die Flaggschiffe des Vaters, „Gretchen“, „Mephisto“ und „Black Berry“, wird es weiterhin geben. Insgesamt möchte er sich aber auf zehn, elf Produkte beschränken. Jede Sorte soll ihre Typizität zeigen, jeder Wein eine andere Facette haben.

Auf zweierlei verschieden ausgebaute Rieslinge will Danny Bruker verzichten, ebenso auf einen Rosé. Letzteres, weil er selbst nie so richtig mit Rosé warm geworden ist. „Und nur, um ihn zu machen, mache ich das nicht.“ Dafür schwebt ihm ein reinsortiger, leichter Trollinger zum kalt genießen vor.

Erster eigener Jahrgang 2026

Aktuell arbeitet er noch mit dem, was im Keller liegt. Der 2026er wird sein erster, komplett eigener Jahrgang sein. Auf seinen 4,5 Hektar rund um Großbottwar schafft er alleine, ebenso im Weingut und im Keller. Nur zur Lese wird er von Saisonkräften unterstützt.

Wie sein Vater will er auf Bio setzen, da die Reben zwischenzeitlich anderweitig verpachtet waren, läuft derzeit die Zertifizierung. Vieles mehr will noch umgebaut und organisiert sein, unter anderem sind Events wie eine Pop-Up-Weinbar geplant. „Schauen wir mal, ob ich dieses Jahr noch alles schaffe. Die Vision ist da“, sagt Danny Bruker. Die Vinothek hat bereits geöffnet: immer freitags von 13 bis 19 Uhr.