Der Zaun auf dem Privatgrundstück, das sich in einem Landschaftsschutzgebiet befindet, verhindert Naturschützern zufolge, dass Wildtiere an die Wasserquelle gelangen. Foto: privat

Eine Grundstücksbesitzerin errichtet einen Zaun in einem Landschaftsschutzgebiet. Natur- und Tierschützer kritisieren, dass der Zaun Wildtieren den Zugang zum Schnatzgraben versperrt.

Weilimdorf - Auf den ersten Blick scheint der Fall klar: Eine Grundstücksbesitzerin umzäunt ihr Anwesen, das im Landschaftsschutzgebiet (LSG) Glemswald in Bergheim liegt, ohne dafür eine Baugenehmigung zu haben. Ende 2015 meldet die Umweltschutzorganisation BUND den demnach illegal errichteten Zaun der Stadt. Doch der Zaun steht nach wie vor unberührt und versperrt Wildtieren laut Umweltschützern den Zugang zu einer Wasserquelle am Schnatzgrabenbach. Der Stadt Stuttgart zufolge bemühe man sich zu einer Lösung zu kommen. Dennoch hat die Tierrechtsorganisation Peta Anzeige erstattet, sowohl gegen die Zaunaufstellerin als auch gegen die Stadt Stuttgart.

Naturschützer enttäuscht darüber, dass es nicht vorangeht

„Der Anwalt der Frau begründet den Zaun mit der massiven Gefährdung durch Wildschweine“, sagt der BUND-Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer. Wer am Waldrand wohne, müsse damit rechnen, dass Wildtiere vorbeikommen, wundert er sich. Mit dem gut 1,60 Meter hohen Stabgitterzaun hält die Besitzerin diese nun von ihrem Grundstück fern. „Der knapp 300 Meter lange Zaun verhindert, dass Tiere den Talbereich passieren können“, erklärt Pfeifer. Doch die Wildtiere steuern den Bereich im Oberen Schnatzgraben an, weil hier der Schnatzgraben verläuft, welcher ihnen als Wasserquelle in diesem Gebiet dient. Pfeifer hat beobachtet, wie die Tiere am Zaun entlang gehen und nach einer Möglichkeit suchen, ans Wasser zu gelangen. „Wildtiere gehen bestimmte Wege, auf denen sie sich sicher fühlen“, erklärt der Umweltschützer. Durch seine Engmaschigkeit stellt der Zaun laut Pfeifer auch ein Problem für Erdkröten dar. „Das ist traditionelles Laichgewässer, doch die Kröten können nicht laichen, weil sie nicht durch die Streben kommen“, sagt er weiter. Den Missstand hat Pfeifer bereits im November 2015 gemeldet. Im selben Monat antwortete die Untere Naturschutzbehörde: „Aus Sicht des Naturschutzrechts ist von Anlagen auszugehen, die im LSG ,Glemswald‘ ungenehmigt errichtet wurden und nicht genehmigungsfähig erschienen.“ Danach sei lange nichts mehr passiert. „Ich hatte bislang bestimmt 15 Behördenkontakte. Ich bin enttäuscht, dass sich solche Vergehen so hinziehen in einer Stadt unter einem grünen Bürgermeister“, sagt Gerhard Pfeifer.

Die Stadt teilt mit, dass das Baurechtsamt „schon seit geraumer Zeit“ dabei sei, gegen den Zaun vorzugehen, da neben baurechtlichen Belangen auch Naturschutz- und Wasserrecht tangiert seien. „Wir sind intensiv an der Sache dran“, bestätigt Kirsten Rickes, Leiterin des Baurechtsamtes. Sie sei optimistisch, dass man zeitnah zu einer Lösung komme. „Wir sind immer sehr bemüht, mit den Betroffenen Gespräche zu führen, weil Rechtsstreitigkeiten länger dauern“, erklärt sie. Man müsse immer abwägen, wie man am schnellsten zu einem Ergebnis komme. „In einem Rechtsstaat kann sich jeder gegen eine Entscheidung wehren“, betont die Chefin des Baurechtsamtes.

Tierrechtsorganisation erstattet Anzeige

Der Anwalt der Grundstücksbesitzerin Alexander Kukk sagt: „Es gab Gespräche und wir haben einen Vorschlag gemacht, der nun bei den entsprechenden Ämtern zur Prfüfung liegt.“ Im Detail möchte er sich nicht dazu äußern. Doch gehe er davon aus, dass eine Entscheidung bald fallen könnte.

Der Fall hat auch die Tierschutzorganisation Peta auf den Plan gerufen. „Der BUND kam nicht weiter, also haben wir uns eingeschaltet“, sagt Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung bei Peta Deutschland. In diesem Fall handle es sich nicht nur um eine Ordnungswidrigkeit, sondern um einen Straftatbestand, ist er überzeugt. „Es ist auch Tierquälerei, wenn Tiere nicht zum Wasser können“, sagt er zudem. Deshalb habe man sowohl gegen die Zaunbesitzerin als auch gegen das Baurechtsamt Stuttgart Nord Anzeige erstattet, in der Hoffnung die Sache so zu beschleunigen.

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