In der Ausstellung in der Bildungsakademie der Handelskammer sind unter anderem mit Klettband befestigte Elemente von Karlheinz Stoklas zu sehen. Foto: Susanne Müller-Baji

Der Stuttgarter Künstlerbund stellt in der Bildungs-akademie der Handwerkskammer aus.

Weilimdorf - Zur Eröffnung machte die Bildungsakademie es lange spannend: Farbig und nur spärlich beleuchtet, harrten die Exponate auf drei Etagen dem Ende des Ansprachen, bevor sie theatralisch ins rechte Licht gesetzt wurden. Es ist bereits das dritte Mal, dass Mitglieder des Stuttgarter Künstlerbundes ihre Werke in der Weilimdorfer Bildungsakademie präsentieren: „Bunte Vielfalt“ und „Wahre Stärke“ hatte zuvor das Motto gelautet – und nun eben „Fließender Wandel“. Das klingt ein wenig nach Pralinenmischung, soll aber eine Brücke zwischen Kunst und Handwerk schlagen.

Spannend ist es allemal, was die Künstler nun daraus gemacht haben. Denn es ist in den traditionellen künstlerischen Techniken nur über einen Trick möglich, Wandel darzustellen: In den meisten Fällen ist ein Gemälde eine Momentaufnahme, festgehaltene und dabei erstarrte Zeit. Karlheinz Stocklas behilft sich, indem er mit Klettband befestigte Elemente schuf, die vom Betrachter verändert werden können: Mal lassen sich Buchstaben neu anordnen, mal Fältelungen dehnen oder stauchen. Vergnüglich war es, die Reaktion der Vernissage-Gäste zu beobachten: Bild anschauen, Erklärung lesen, Umgebung sondieren und dann beherzt die beweglichen Teile anstupsen: Nur wenige trauten sich, richtig in die Vollen zu gehen.

Andere Künstler verlegen sich auf Symbolisches: Silvia Stüven zeigt die schrittweise Veränderung einer Treppenansicht, bis mittels digitaler Bildbearbeitungsprogramme eine Hommage an den Maler Piet Mondrian entstanden ist. Sabine Zetzmann-Croé dagegen setzt auf Kontraste: Bei ihr trägt ein Mann zum europäisch-konservativen Anzug und Krawatte die Stammesbemalung seiner afrikanischen Heimat. Und bei Carola von Gera steckt der Wandel im Spiel mit den perspektivischen Fluchten, durch die ihre Architekturgemälde an die Grafiken von Maurits Cornelis Escher denken lassen.

33 Mitglieder des Künstlerbundes stellen aus

Schließlich gibt es noch die Werke, die mit Wahrnehmung und Erwartungshaltung spielen, den Wandel also im Kopf entstehen lassen: Ute Kunze etwa hat enge Gänge gemalt, in denen sich das Vernissagepublikum drängelt – man blickt sich unwillkürlich in der Bildungsakademie um. Bei Kristin Maria Hachenberg sind strenge Bänder ein bevorzugtes Gestaltungselement – bei näherer Betrachtung können sie sich als zarte Spitze entpuppen.

Wie lange es den Stuttgarter Künstlerbund schon gibt, weiß niemand ganz genau: 1898 oder 1899 soll er gegründet worden sein, von Lehrern und Studenten der Kunstschule, die später zur Kunstakademie wurde. Fest steht, dass der Verein bei der Erbauung des Kunstgebäudes am Schlossplatz federführend war, das vor ziemlich genau 100 Jahren fertiggestellt wurde und bis heute die Vereinsräume beherbergt. Der Künstlerbund zählt 121 Mitglieder, von denen nun 33 in der Bildungsakademie ausstellen.

Das Thema Wandel belegte Bernd Stockburger, Geschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, bei seiner kurzweiligen Begrüßungspräsentation am Beispiel von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Mal projizierte er sie mit strohigem Haar und der Forderung „Kein Mindestlohn für das Friseurhandwerk“ auf die Leinwand, mal perfekt coiffiert und strahlend. Stockburger lobte die schon bewährte Zusammenarbeit mit dem Künstlerbund Stuttgart und fasst bereits die nächste Ausstellung ins Auge: Im Herbst soll es wieder soweit sein – wie immer, aber ganz anders.

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