Weilimdorf Stadt lässt illegales Zeltlager räumen

Von Marta Popowska 

2016 campierten zahlreiche Roma im Stuttgarter Schlossgarten.  Gegen sie war die Stadt konsequent vorgegangen. Foto: Archiv Lichtgut/Kovalenko
2016 campierten zahlreiche Roma im Stuttgarter Schlossgarten. Gegen sie war die Stadt konsequent vorgegangen. Foto: Archiv Lichtgut/Kovalenko

36 Erwachsene und Kinder campieren unerlaubt im Wald nahe der Solitudeallee in Weilimdorf. Nach Hinweisen von Bürgern, hat die Stadt Stuttgart das Lager nun räumen lassen.

Weilimdorf - Zehn Zelte, in denen laut Polizeiangaben 26 Erwachsene und zehn Kinder hausten, mussten am Dienstag, 26. Juni, aus einem Waldstück in Weilimdorf nahe der Solitudeallee weichen. Unterstützt von der Polizei, räumten Mitarbeiter des Ordnungsamtes das illegal errichtete Lager. Da in dem Zeltlager auch Kinder lebten, war auch das Jugendamt im Einsatz.

Auf die wilden Campierer im Wald wurde die Stadt dank einiger Bürger aufmerksam. „Zeugen wunderten sich, warum immer so viele Leute rein und raus gingen“, sagt Johannes Freiherr von Gillhaußen. Wie lange das illegale Zeltlager im Wald bereits bestanden hat, kann der Stuttgarter Polizeisprecher nicht sagen. Gegen die Wildcamper würde die Stadt vorgehen. Die Polizei würde lediglich zu einer Räumung unterstützend hinzugerufen. So auch in Weilimdorf.

Übernachten in Parkanlagen und Wäldern ist verboten

Vor Ort habe man festgestellt, dass es sich um rumänische Staatsangehörige gehandelt habe. „Viele campieren im Wald, weil sie keine anderen Möglichkeiten haben“, erklärt von Gillhaußen. Bleiben dürfen sie dennoch nicht.

„Grundsätzlich gilt, dass Nächtigen in Parkanlagen, Wäldern et cetera verboten ist“, sagt Martin Thronberens, Pressesprecher bei der Stadt Stuttgart. Eine gesetzliche Frist, wie schnell ein Lager geräumt werden müsse, gäbe es nicht, doch schreite man „auf Grundlage der sogenannten Ordnungsstörung“ schnell ein. „Dies gilt umso mehr, wenn viele Personen in dem Lager leben, da es sonst in kurzer Zeit zu einer großen Vermüllung der Umgebung kommen kann“, erklärt Thronberens.

Jugendamt sieht keine Gefährdung des Kindeswohls

Vielen Stuttgartern dürften die Gruppen im Schlossgarten der vergangenen zwei Jahre im Gedächtnis sein. Bei ihnen handelte es sich meist, wie im Fall von Weilimdorf, um Roma aus Rumänien. Um die Camper aus dem Schlossgarten zu vertreiben, gingen Stadt und Polizei konsequent vor. Mit Erfolg. Eine Verlagerung der Camps auf die Außenbezirke Stuttgarts hat laut Martin Thronberens allerdings nicht stattgefunden: „Eine Zunahme von Camper in den Außenbezirken ist uns nicht bekannt. Wenn solche Fälle bekannt werden - wie jetzt in Weilimdorf – wird dagegen vorgegangen.“ Was sich allerdings in die Außenbezirke verlagert habe, seien Aktivitäten wie Betteln. Statistisch belastbare Zahlen, wie viele Roma in Stuttgart auf der Straße lebten, gäbe es nicht. „Unser Eindruck ist aber, dass die Zahl nicht steigt“, teilt das Amt für öffentliche Ordnung auf Nachfrage mit.

Da im Weilimdorfer Lager auch Kinder lebten, war bei der Räumung auch eine Mitarbeiterin des Jugendamtes vor Ort. „Dass Kinder da dabei sind, ist zunächst einmal kein Problem, sofern es ihnen augenscheinlich gut geht“, sagt Heinrich Korn, der stellvertretende Leiter des Jugendamtes. Seine Mitarbeiterin habe keine Gefährdung des Kindeswohls festgestellt. Ein Eingriff des Jugendamtes in die Rechte der Eltern berge hohe Hürden. Man könne Eltern nicht verbieten, mit ihren Kindern in Zelten zu leben. „Im Herbst gehen die Menschen meist zurück in ihre Heimatländer“, sagt Heinrich Korn. Ein Dach über dem Kopf bedeute zudem nicht zwangsläufig eine gute Umgebung für Kinder.

Redaktion Weilimdorf

Ansprechpartnerin
Leonie Schüler
weilimdorf@stz.zgs.de

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