Monika Majer sammelt Steine für ein Kunstprojekt. Foto:  

Die Künstlerin Monika Majer weiß, wie man den Stein ins Rollen bringt. Sie gießt aus Beton mannshohe Figuren – und verwendet als verbindendes Rohmaterial Steine aus aller Welt.

Weilheim - Monika Majer weiß, wie man den Stein ins Rollen bringt. Nicht nur einen Stein, sondern viele Steine. Aus den vielen Einzelteilen formt die Künstlerin das Große und Ganze – mann- oder fraugroße Skulpturen, aus Beton gegossen. „Im Werkstoff Beton werden viele, viele Steine durch Zement miteinander verbunden“, sagt die Bildhauerin und Steinmetzin, die nicht nur den Stein ins Rollen gebracht hat, sondern die Steine in ihrem Atelier in Weilheim-Hepsisau auch in die rechte Form bringt.

Monika Majer hat kleine Säckchen in Umlauf gebracht, in denen Menschen aller Generationen und aller Herkunft Steine sammeln können. „1000 x 1000 um die Welt“ hat sie das Skulpturenprojekt genannt, das in dem Namen nicht nur die angepeilte Menge an Steinen und Säckchen, sondern auch den globalen Anspruch transportiert. „Meine Vision ist es, dass die Skulpturen, die aus den von verschiedenen Menschen an verschiedenen Orten gesammelten Steinen entstandenen sind, als Symbole für Verbundenheit und Zusammenhalt an ihren Entstehungsorten aufgestellt werden“, sagt sie.

Teil des Kunst- und Aktionspfads am Randecker Maar

Der Standort für die erste Skulptur steht schon fest: Das Kunstwerk wird Teil des Kunst-und Aktionspfades, den die Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte derzeit am Randecker Maar bei Bissingen-Ochsenwang anlegt. Der Skulpturenweg rund um den ehemaligen Vulkansee im Naturschutzgebiet am Rande der Schwäbischen Alb ist den Sommer über begehbar und wird am Samstag, 29. Juni, eröffnet.

„Der Kunstpfad der Ziegelhütte ist nicht nur lokal, sondern auch von seinem sozialen Anspruch her der ideale Startpunkt für das Projekt“, sagt Monika Majer. Hier wie da gehe es darum, dass Menschen etwas gemeinsam, Hand in Hand, auf die Beine stellten.

Rund 600 der handlichen Säckchen, prall gefüllt mit Steinen bis zu einer Größe von drei Zentimenter, benötigt Monika Majer, um ihre Idee zu verwirklichen. Sie ist nicht nur von Berufs wegen, als Steinmetzin, von Steinen fasziniert. „Steine mögen leblos sein, aber sie tragen durch ihre Entstehungsgeschichte und ihre lange Entstehungsprozess viele Informationen in sich, die für uns nicht nachvollziehbar sind“, sagt sie. Steine wandern in Gletschern und Bachbetten und sie schweben sogar durchs Weltall. „Steine kennen keine Grenzen“, sagt Monika Majer.

Weg- und Kulturbegleiter des Menschen

Zudem seien sie als Weg- und Kulturbegleiter des Menschen von Beginn an präsent – sei es als Werkzeug, als erste ­feste Behausung, als Einfriedung oder als Träger eingeritzter Informationen. Kinder spielen seit Menschengedenken mit Steinen und bücken sich noch als Erwachsene zu manchem interessanten Stein herunter.

„Als Tauf- und Grabstein steht der Stein auch in der Religion als Gleichnis für Anfang und Ende“, sagt die Künstlerin, die sich selbst als „tastend verbindende Netzwerkerin“ versteht. Die ersten Beutel sind bei der Steinsammlerin schon eingegangen. „Darunter sind auch Steine aus der Bretagne und aus der Schweiz“, sagt sie. Ob die Steinfreunde aus dem bekanntlich steinreichen Nachbarland oder aus Frankreich auch ihr Angebot annehmen, den Lohn für ihren Sammeleifer vor Ort zu ernten, ist noch nicht sicher. Auf jeden Fall geht an sie, wie auch an jeden anderen Teilnehmer, die Einladung der Künstlerin, Anfang Juni dabei zu sein, wenn in ihrem Atelier in Hepsisau die erste Figur aus Beton gegossen wird.

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