Aller guten Dinge sind drei – Sandra Schöne und Claus Jahn mit ihren Büchern. Foto: Rudel

Sandra Schöne und Claus Jahn haben ein Bildbändchen zur heiteren Seite von Eduard Mörike verfasst. Der Dichter weilte ein Vierteljahr in Weilheim, wo ihn zwar eine schicksalhafte Nachricht ereilte, dennoch blieb noch Luft fürs Heitere.

Weilheim - Wenn unterm knappen Kürzel „Er ist’s“ dieser Tage in vielen Zitaten der Frühling sein blaues Band wieder durch die Lüfte flattern lässt, dann gelten solche Worte aus der Feder des Dichters, Lyrikers, Novellenverfassers und Märchenschreibers Eduard Mörike (1804-1875) als prägnante Beispiele bildhafter und trefflicher Leichtigkeit. Tatsächlich aber, so weiß es die Chronik, tat sich der angehende Pfarrer phasenweise ziemlich schwer mit sich und seinem seelsorgerischen Berufsziel. Mörike haderte mit der „Vikariatsknechtschaft“, die ihn auch in mehrere Kommunen des heutigen Kreises Esslingen führte, darunter die Limburgstadt Weilheim. Bleibt da noch Luft fürs Heitere?

Sandra Schöne, engagiert beim Stadtmarketing und im Beirat von „Kino, Kunst und Kultur in Weilheim“, Kirchengemeinderätin und vielseitige Hobbysängerin sowie der Naberner Fotograf, Naturheilpraktiker und Autor Claus Jahn haben sich zum diesjährigen Künstlermarkt im März – in Wort und Bild und auf eigene Rechnung – den heiteren Mörike aufs Panier geschrieben. Nach zwei Veröffentlichungen über die unterschiedlichsten Türen im Städtle („Kul-Tür-Büchlein“) und mannigfachen, teils malerischen Wegen innerhalb und außerhalb des Stadtgebiets – jeweils ergänzt um Sprüche und Lebensweisheiten aus Sandra Schönes unerschöpflichem Fundus – hat das Autorenduo mit dem Mörike-Band das dritte Buch vorgelegt.

Die Katastrophe seines Lebens

Im Vorwort des in Anlehnung an des Dichters Wortschöpfungen vom blauen Band und der blauen (Alb-) Mauer ganz in Blau gehaltenen Büchles geht der frühere Prälat und Mörike-Kenner Paul Dieterich auf dessen zwiespältiges Naturell zwischen hypochondrischen Angstschüben, seinen Grübeleien und Verdrießlichkeiten, aber auch den Anflügen von Heiterem und Erheiterendem ein. Dieterich hebt insbesondere den geschärften Blick Mörikes für die oft übersehenen kleinen Dinge im Leben hervor, auch habe er „das Komische, ja Groteske“ im Alltag registriert.

Wie sehr es auch die Landschaften und die Stimmungen in der Natur waren, die Mörikes Sprachschöpfungen förderten, hat Fotograf Claus Jahn beispielhaft eingefangen. Seine Motive „zwischen Teck und Limburg“ zeigen landschaftsprägende Glanzlichter im bombastischen bis bedrohlichen Wolkenspiel, aber auch zerbrechlich wirkende Details. Texte und Bilder werfen sich sozusagen die Bälle zu und bringen die Fantasie auf Trab. Da flattert sinnbildlich der Zitronenfalter ins Verderben, weil er zu früh den Abflug wagte und mangels Blütenpracht verhungern muss. Als nachgerade nimmersatt entpuppt sich die Liebe, und auch die Bauern kriegen ihr Fett weg: Erst wollen sie eine „scharfe Predigt“ hören – und ist es „Sonnabend wohl nach elfe spat, im Garten stehlen sie mir den Salat“.

Weilheim war für den Diakonatamtsverweser Mörike – salopp gesagt – kein erbauliches Pflaster. Hier war er ein knappes Vierteljahr, und hier ereilte ihn die Nachricht von der Auflösung der Verlobung durch Luise Rau. Der „Katastrophe meines Lebens“ schickte der Dichter ein Abschiedsgedicht hinterher: „Lebe wohl! – Ach tausendmal hab ich mir es vorgesprochen, und in nimmersatter Qual mir das Herz damit gebrochen.“

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