Weilheim ist eine Kleinstadt wie aus dem Bilderbuch. Die Fachwerkkulisse und die nahe Alb haben die Krimiautorin Cindy Jäger auf eine ungewöhnliche Idee gebracht.
Ausgerechnet beim Café Scholderbeck will sich Cindy Jäger treffen, dem Arbeitsplatz ihrer Hauptfigur Katrin Schimmelpfennig mit der dubiosen Vergangenheit. Doch der Ort stellt sich als gute Wahl heraus, denn so kann die Autorin Jäger ganz authentisch über die Voraussetzungen berichten, die es zum Krimischreiben braucht: Eine zündende Idee, ein stimmiges Setting und einen langen Atem.
Wobei Letzteres nicht fürs Schreiben gegolten hat, erklärt Jäger gleich, „Butterbrezeln und Betrüger“, ihren neuen bei Emons erschienen Soft-Krimi, habe sie in nur drei Monaten runtergeschrieben, weil sie mit der Figur der Betrügerin Schimmelpfennig schon lange schwanger gegangen sei: „Ich hatte einen Plot in der Schublade und als sich der hiesige Landfrauenverein aufgelöst hat, konnte ich die Geschichte dort ansiedeln“.
Die Kleinstadt Weilheim bietet die Kulisse für Jägers Soft-Krimi
Jäger wollte natürlich keine realen Personen düpieren, aber gerne das kleinstädtische Milieu zum Hintergrund ihrer Geschichte nutzen. So liegt die Leiche in ihrem zweiten Weilheim-Krimi ausgerechnet im Backhäusle der Landfrauen. Das wirbelt auch das Leben von Katrin Schimmelpfennig durcheinander, die als kürzlich Reingeschmeckte Anschluss bei den Landfrauen gesucht hat. Nach dem Umzug aus Berlin ins beschauliche Weilheim und der Abkehr von ihrem Leben als Betrügerin, die reiche Männer um ihr Geld erleichterte, will Schimmelpfennig in der Provinz endlich in ein solides Leben durchstarten.
Die Autorin Cindy Jäger, die in Leipzig Deutsch und Englisch auf Lehramt studiert hat, lebt seit 2014 in der Kleinstadt Weilheim. Wie groß war für die Frau aus Sachsen-Anhalt eigentlich der Kulturschock, als sie der Liebe wegen nach Baden-Württemberg kam?
Geschockt von der Idylle der Fachwerkhäuser und der Schwäbischen Alb
Anfangs sei sie schon geschockt gewesen von der Idylle und dem bildhübschen Weilheim mit seinen Fachwerkhäusern, bekennt die 45-Jährige und nippt an ihrem Cappuccino. „Hier ist es irgendwie grüner als anderswo mit einer ganzen Palette an Grüntönen und den ausgeprägten Jahreszeiten“, ergänzt sie. Während ihre Heimat nahe dem mitteldeutschen Chemiedreieck Leuna-Buna-Bitterfeld vor allem topografisch mit dem Auf und Ab der Schwäbischen Alb einfach nicht mithalten könne.
Aber das Großstadtleben vermisse sie kein bisschen, selbst Leipzig sei ihr inzwischen zu hektisch, und zum Ausgleich plant die Autorin immer mal wieder einen Citytrip ein, wie regelmäßige Stippvisiten mit einer Freundin in die reizvolle Londoner Theaterszene.
Für Mercedes Benz in Ungarn gearbeitet
Und ihre anglophilen Neigungen lebt Jäger, die eine Schwäche für die Regency-Phase Anfang des 19. Jahrhunderts pflegt und gerne in Vintage-Krimis der Autorinnen P. D. James und C.S. Harris abtaucht, auch bei Konzerten des britischen Elektropop-Duos Pet Shop Boys aus.
Während das Englische für sie kein Problem bedeutet, traf Jäger in Weilheim auf eine Sprachbarriere, die sie bereits kannte. Zum ersten Mal erlebte sie das in Ungarn, wo Cindy Jäger vier Jahre lang im Dienste von Mercedes Benz an der deutschen Schule in Kecskemét unterrichtete: „Ich musste mich erst an den Dialekt gewöhnen, die Schüler haben dort stark geschwäbelt“, erinnert sich Jäger, die sich 2014 dafür entschied, den trubeligen Lehrerberuf mit dem der Autorin zu tauschen.
Qualitätstesterin beim Kosmos-Verlag Stuttgart
Und weil sie des Schwäbischen bis heute nur teilweise mächtig ist, hat sie sich für authentische Dialoge in ihrem Weilheim-Krimi eigens eine im Dialekt bewanderte Beraterin gesucht, mit der sie inzwischen auch befreundet ist und gemeinsam die Schwäbische Alb erkundet.
Da auch Cindy Jäger nicht allein vom Schreiben leben kann, pendelt sie mehrmals pro Woche nach Stuttgart, wo sie beim Kosmos-Verlag als Qualitätstesterin arbeitet und dabei Spiele und Experimentierkästen von der Idee bis zur Fertigstellung im Blick hat.
Nach sehr rechercheaufwendigen Familiengeheimnisromanen und den Weilheimkrimis „Leichenfund im Baugrubengrund“ und „Butterbrezeln und Betrüger“ arbeitet die Wahl-Weilheimerin bereits an neuen Geschichten, die sie Kapitel für Kapitel von Hand schreibt, bevor sie im Laptop landen.
„Ich liebe meinen Notizblock“ bekennt Jäger und zeigt ihre Unterlagen, die sie mit Haftnotizblättern ordnet und ergänzend den Verlauf einer Story in Tabellenform strukturiert und vorantreibt. Einer der nächsten Stoffe spielt an spannenden Orten wie Prag, Venedig und Paris, die sie für ihre Recherchen als nächste Reiseziele anpeilt. Und ein weiterer Weilheim-Krimi mit Schauplätzen wie dem Café Scholderbeck und dem Restaurant Alte Post spukt ihr auch schon durch den Kopf. „Es darf halt nur niemand vergiftet werden“ sei ihr bedeutet worden.
Mörderische Schwestern
Termine
Mit ihrem neuen Weilheim-Krimi ist Cindy Jäger am 27. Februar 2026 bei einer Lesung in Dettingen im Vereinsraum der Landfrauen im Bahnhof zu Gast. Beginn ist um 19.30 Uhr. Und bei der Ladies Crime Night in Nürtingen, die der Verein Mörderische Schwestern organisiert, liest Jäger am 5. März.
Netzwerk
Cindy Jäger engagiert sich im Verein Mörderische Schwestern, der sich für die Förderung und Anerkennung der von Frauen verfassten deutschsprachigen Krimiliteratur stark macht. Die Regionalgruppe Baden-Württemberg zählt momentan 84 Mitglieder.