Seit 2023 forscht der Weilemer Angel Nikolov an der Harvard Universität in Boston. Foto: privat

Angel Nikolov aus Weil im Schönbuch forscht an der Harvard-Universität in Boston und hat sich damit einen Traum erfüllt.

Als Angel Nikolov aus Weil im Schönbuch das erste Mal über den Campus der Harvard Universität in Boston läuft, fühlt es sich an wie ein Traum: die roten Backsteingebäude, die Wege, die sich zwischen den Rasenflächen über den Campus schlängeln, das große, gusseiserne Eingangstor, durch das schon so viele bekannte Persönlichkeiten geschritten sind, um an der prestigeträchtigen Universität in den USA zu studieren. Was Angel Nikolov lange Zeit schier unerreichbar schien, ist nun Realität: Er forscht zu Tuberkulose in einem der Labore auf dem Campus und hat sogar schon mit Emmanuelle Charpentier, Preisträgerin des Nobelpreises für Chemie, zusammengearbeitet.

 

Doch wie schafft man den Sprung vom Schönbuchgymnasium in Holzgerlingen nach Harvard? „Mir haben schon in der Schule die Fächer Biologie und Chemie viel Spaß gemacht“, erzählt der 34-Jährige. Er ist der erste in seiner Familie, der eine Karriere in den Naturwissenschaften angestrebt und einen Doktortitel gemacht hat. Seinen Bachelorstudiengang absolvierte er im Fach Biochemie, doch das ist erst der Startschuss seiner akademische Karriere. Er schließt zwei Masterstudiengänge an, einen davon in Kalifornien am Scripps Research Institute.

Während er im Jahr 2014 im Labor von Erica Ollmann Saphire arbeitet, bricht in den westafrikanischen Staaten Liberia, Sierra Leone und Guinea die Ebola-Epidemie aus, die weltweit Beunruhigung auslöst. In seinem Labor erforscht das Team, was es mit der Krankheit Ebola auf sich hat und wie sich der menschliche Körper wehren kann.

Angel Nikolov zieht es zunächst nach Kalifornien

Der Wunsch, einen Teil seiner akademischen Ausbildung in den USA zu absolvieren, entsteht bei Angel Nikolov nach einem dreimonatigen Aufenthalt in San Diego nach dem Abitur. „Ich war beeindruckt von den USA und dem Stellenwert, den die Universitäten dort haben“, erzählt er. Bei aller akademischen Ernsthaftigkeit reizt ihn am Standort San Diego aber vor allem eines: das gute Wetter. Verständlich – in unmittelbarer Nähe zum Meer lässt es sich im sonnigen Kalifornien gut leben.

An der Harvard Universität forscht Angel Nikolov, betreut aber auch Studenten. Foto: privat

Danach studiert er an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich für einen weiteren Master bei der Professorin Annette Oxenius im Fachgebiet Immunologie. Im Anschluss zieht er nach Berlin, um seine Doktorarbeit an der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene zu schreiben. Dort arbeitet er zusammen mit Emanuelle Charpentier, die im Jahr 2020 den Nobelpreis für Chemie erhält – also in der Zeit, in der Angel Nikolov dort arbeitete.

Eine Sache ist Nikolov besonders wichtig: „In meiner akademischen Laufbahn wurde ich immer von Frauen inspiriert und gefördert“, sagt er. Anfang des vergangenen Jahrhunderts war das noch kaum vorstellbar, denkt man nur an die Umwege, die beispielsweise Lise Meitner – eine der bekanntesten Naturwissenschaftlerinnen des 20. Jahrhunderts – gehen musste, nur um Vorlesungen zu besuchen und in Laboren zu arbeiten: Durch Hintertüren schlich sie sich durch die Gebäude, da Frauen der Zugang verwehrt wurde. Heute sieht die Welt zum Glück anders aus.

An der Harvard Universität forscht er zu Tuberkulose

Im Jahr 2023 folgt dann der große Sprung nach Harvard: Dort stieß er auf ein Labor, das ihn reizte, und schrieb einfach eine E-Mail – eine gängige Praxis in der Branche, sagt er. Mit Erfolg: Nikolov wird zum Gespräch eingeladen und arbeitet seither als Postdoktorand im Labor der Immunologin Sarah Fortune. Dort forscht er zur Tuberkulose – der tödlichsten Infektionskrankheit der Welt. Er beschäftigt sich vor allem mit der Rolle von Antikörpern bei einer Tuberkulose-Infektion.

Es sei ein Campus voller Wissenschaftler, ein Traum für jemanden wie ihn, sagt Angel Nikolov: „Es könnte eigentlich nicht besser sein.“ Angeben mit seinen Erfolgen will der 34-Jährige nicht, vielmehr möchte er anderen Menschen Mut machen. Vor allem denjenigen, die aus „normalen“ Familien stammen, in denen Träume, wie an der Harvard-Universität zu studieren, häufig unerreichbar scheinen.

Er selbst hat es mit Bafög-Unterstützung, Stipendien und Austauschprogrammen geschafft, über die Runden zu kommen. Trotzdem sei es teilweise schwierig. „In Boston zu leben ist unglaublich teuer“, erzählt er. Mit seinem Universitätsgehalt und dem Einkommen seiner Ehefrau, die ebenfalls einen Job in den USA gefunden hat, bleibt am Ende des Monats trotzdem nicht viel übrig. Doch sein Fazit bleibt: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Wenn er seine Forschung an der amerikanischen Elite-Universität abgeschlossen hat, wird Angel Nikolov vermutlich weiterziehen: Im Blick hat er momentan Kopenhagen – die Stadt ist wohl eine gute Adresse für Wissenschaftler – und liegt etwas näher an Weil im Schönbuch.

Forschung an der Harvard Universität

Harvard
Die Harvard Universität ist die älteste Universität in den Vereinigten Staaten. Sie wurde 1636 gegründet.

Tuberkulose
An der Harvard Medical School forscht der Weilemer Angel Nikolov zu der Infektionskrankheit Tuberkulose. Jedes Jahr sterben fast zwei Millionen Menschen an dem Bakterium, rund zehn Millionen neue Infektionen werden registriert.