Die dreijährige Kaleigh hatte laut ihrer Mutter Johanna Stephens ihren ersten Albtraum, weil ihre Lieblingserzieherin gehen muss. Denn ein neues Konzept für den Kindergarten Paulinenpflege verursacht Zwist zwischen der Stadt und den Erzieherinnen. Foto: factum/Granville

Eine Erzieherin im Kindergarten Paulinenpflege, die zwangsversetzt werden sollte, hat bei der Stadt gekündigt. Eine andere soll künftig wohl als Springerin arbeiten. Besonders die Kinder leiden unter den Zerwürfnissen.

Weil im Schönbuch -

Die drei Jahre alte Kaleigh ist am Mittwochmorgen aufgewacht und hat bitterlich geweint. „Sie hatte zum ersten Mal einen Albtraum“, sagt die Mutter Johanna Stephens. Klar, dass ihr der bevorstehende Verlust ihrer Lieblingserzieherin aufs Gemüt schlägt. Die pädagogische Fachkraft im Kindergarten Paulinenpflege in Weil im Schönbuch wird abgezogen und soll künftig wohl als Springerin eingesetzt werden. Ihre Kollegin, die ebenfalls Kaleighs Gruppe betreut und auch gehen muss, hat die Zwangsversetzung nicht akzeptiert und bei der Stadt gekündigt. Für den Bürgermeister Wolfgang Lahl sind die „personellen Maßnahmen“ vertraulich zu behandeln, er könne deshalb nichts Näheres dazu sagen.

Einige Kinder weinen, die Fröhlichkeit ist weg

Diese personellen Maßnahmen ziehen inzwischen aber schon weite Kreise. Die Querelen seien sogar in Berlin ein Thema, wo sich Freunde und Bekannte über Facebook informierten, berichtet Stephens. „Endlich berichtet jemand über die Missstände“, sagt eine Weilemerin, die ihren Namen nicht preisgibt, weil sie Angst hat, dass sie und ihr Kind Probleme bekommen könnten. „Wir fühlen uns hilflos und wissen nicht, wie man das ändern kann“, sagt eine andere Mutter verzweifelt. „Je näher der Freitag rückt, desto gedrückter wird die Stimmung“, berichtet die Elternbeirätin Beate Ott. Dann heißt es Abschied nehmen von den beliebten Erzieherinnen. „Es wird nicht mehr unbekümmert gespielt, die Fröhlichkeit ist weg“, sagt Ott, „einige Kinder weinen, sie verstehen das Ganze nicht.“

Den Erwachsenen geht es ähnlich. Lahl habe die Personalentscheidung nach eigener Aussage getroffen, „um Impulse für die konzeptionellen Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit zu schaffen“, sagen Elternbeiräte. Es geht um ein neues, offenes pädagogisches Konzept. Doch keiner der Erziehungsberechtigten wisse, worum es dabei im Konkreten gehe, stellt Ott fest. Mehr Freiräume für die Kinder? Weniger Vorgaben? Wie soll die Förderung aussehen? Genaues habe man nicht erfahren, darüber diskutiert werden sollte in der jüngsten Elternbeiratssitzung nicht. Die Eltern seien mit der bisherigen Betreuung zufrieden, die große Mehrheit wolle kein neues Konzept, sagt Ott.

Erzieherinnen vertraten die Interessen der Kinder und Eltern

„Das Konzept steht im Bildungsplan des Landes, wir wollen es sukzessive umsetzen“, erklärt Lahl dazu. Es gehe darum, „an den Schwächen der Kinder zu arbeiten und ihre Stärken zu stärken“, sagt er – viel mehr aber auch nicht. Die beiden Erzieherinnen in Kaleighs Gruppe wollten ebenfalls Näheres wissen, vertraten die Interessen der Eltern und Kinder – „und alle müssen nun die Konsequenzen tragen“, resümiert Ott.

Mit der Neukonzeption werde kein Personal eingespart, wendet sich Lahl gegen die Vermutung der Eltern. Das offene Konzept wolle er mit ihnen noch besprechen. Im Gemeinderat sei beschlossen worden, in sämtlichen Kindergärten eine Leiterin einzusetzen. „Weil sich unsere pädagogische Leitung im Rathaus nicht um alles kümmern kann“, betont Lahl. Im übrigen stimme es nicht, dass es auch in anderen Kindergärten Zerwürfnisse gebe.

Kaleigh war am Mittwoch nicht im Kindergarten

Kindergarten-Eltern etwa im Teilort Breitenstein sehen das anders. Sie sind nicht bereit, mit Lahl zusammenzuarbeiten und bilden deshalb keinen Beirat. Auch sie werfen ihm einen autoritären Führungsstil vor. Binnen eines Jahres hat es dort laut dem Hauptamtsleiter Martin Feitscher ebenfalls zwei personelle Veränderungen gegeben. Wohnortwechsel und ein anderes Angebot hätten den Ausschlag gegeben, so Feitscher.

Kaleigh war am Mittwoch nicht im Kindergarten. Sie ist mit ihrer Mutter nach München gefahren – und kommt dort auf andere Gedanken.

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