In Weil im Schönbuch wurde mit einem Luftgewehr auf eine Taube geschossen. Leider kein Einzelfall im Kreis Böblingen, sagen Tierschützer.
Die Taube ist wieder wohlauf. „In drei Wochen kann sie vielleicht wieder ausgewildert werden“, sagt Anna Faix, Tierschützerin aus Gärtringen, engagiert im Verein „Straßentaube und Stadtleben“. In der vergangenen Woche wurde das Tier Opfer eines Schützen in der Lindenstraße Weil im Schönbuchs, mitten im Ortskern der Gemeinde also.
„Finder meldeten bei uns eine Taube, flugunfähig am Boden“, sagt Faix. Sie brachte das Tier gleich zu einem Tierarzt. Eine Röntgenaufnahme zeigte, dass sich in seiner Brust ein „Diabolo“, also die Kugel eines Luftgewehrs, befand. Diese Kugeln sind bleihaltig und können bei den Tieren zu einer Schwermetallvergiftung führen.
Der Verein erstattet oft Anzeige
Es ist der erste Fall eines solchen Angriffs auf eine Taube in Weil im Schönbuch, von dem Anna Faix erfahren hat. Der erste Angriff auf eine Taube überhaupt aber war es nicht. „Leider“, sagt Faix, „lernt man im Taubenschutz, solche Brustverletzungen sehr schnell zu erkennen.“
Der Verein „Straßentaube und Stadtleben“ erstattete allein im vergangenen Jahr mehrfach und bei mehreren Polizeistationen im Landkreis wegen ähnlicher Vorkommnisse Anzeige gegen Unbekannt. „Vermutlich“, so Anna Faix, „handelte es sich dabei zumeist um unterschiedliche Personen. Wir haben in Böblingen aber auch die Erfahrung gemacht, dass Leute, die so etwas einmal tun, es gerne auch öfter tun.“
Die Täter ausfindig zu machen, das gelingt kaum jemals. Der Verein bemüht sich deshalb um Abschreckung, verteilt Flugblätter. Die Schwierigkeit: Tauben sind bei Menschen nicht gut angesehen. Wer sich an ihnen abreagiert, wird mithin toleriert; auch versuchen Menschen, die Tiere mit Gewalt von ihrem Grund zu vertreiben. Anna Faix: „Tauben sind ausschließlich tagaktive Tiere. Um sie zu erwischen, muss man am hellen Tag mit einem Luftgewehr in einem Wohngebiet unterwegs sein. Das ist auch eine Gefahr für Kinder, Haustiere und Anwohner. Es ist erschreckend, wie viele Menschen ein Luftgewehr besitzen.“
Hass auf Tauben
Neben Luftgewehren kommen ihrer Erfahrung nach auch Steine und Steinschleudern zum Einsatz. Nicht selten werden eingefangenen Tauben die Flügel abgeschnitten, sodass sie nicht mehr flugfähig sind. Von einem Versuch, die Tauben zu vertreiben, kann dabei nicht mehr die Rede sein. „In der Gesellschaft gibt es einen sehr traurigen Hass auf diese Tiere. Die Menschen fühlen sich von ihnen gestört.“
Anna Faix engagiert sich seit fünf Jahren im Taubenschutz, war zuvor in anderen Bereichen des Tierschutzes tätig. „Aber die Tauben sind besonders hilfsbedürftig und unbeliebt. Es kommt oft vor, dass ein Tier, das bereits am Boden ist, noch mit Steinen beworfen wird.“ Bei den Tätern, dies vermutet die Tierschützerin, handelt es sich zumeist um Erwachsene. „Kinder kommen alleine nicht auf solche Ideen.“
Tauben lassen sich mit Gewalt kaum vertreiben
Die Taube, die von vielen als Plage empfunden wird, ist dabei ein ehemaliges Haustier des Menschen, vielleicht das älteste Haustier überhaupt. Ehe der Mensch begonnen habe, Hühner zu züchten, berichtet Anna Faix, habe er Tauben gezüchtet, ihre Eier sowie ihr Fleisch gegessen und den Kot als Dünger verwendet. Das Huhn habe sich aber als effizienteres Nutztier erwiesen und die Taube spätestens in der Nachkriegszeit vollständig abgelöst. Die Tauben seien verwildert. Hinzu kämen Zuchttauben, die in Deutschland als Brieftauben eingesetzt würden und sich auch in Städten sammelten.
Tauben gelten als äußerst standorttreu und lassen sich mit Gewalt kaum vertreiben. Sie breiten sich, wie Anna Faix sagt, in den Städten vor allem deshalb aus, weil sie auf Futtersuche seien. Bekämen die Tiere, die als ehemalige Haustiere Körnerfutter erhalten sollten, genügend zu essen, ließen sie sich an Standorte binden und vom Stadtleben fernhalten. Einigermaßen erfolgreich geschehe dies in Herrenberg, wo der Verein „Straßentaube und Stadtleben“ in Zusammenarbeit mit der Kommune mehrere öffentliche Futterstellen installiert habe.