Der 31-Jährige auf der Mauer zwischen seinem Pfarrhaus und dem Rathaus. Foto: Eibner/Sascha Walther

Der 31-Jährige ist neuer Pfarrer der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde in Weil im Schönbuch. Neben einem vollen Kalender und privaten Hochzeitsplänen hat er mit dem neuen Gemeindehaus einiges vor.

Weil im Schönbuch - Eine Woche erst ist Steffen Tim Hoinkis offiziell Pfarrer der Martinskirche in Weil, doch sein Terminkalender ist schon gut gefüllt: Gottesdienste, Taufgespräche und der Unterricht einer zweiten und einer zehnten Schulklasse gehören unter anderem dazu. Zudem ist der 31-Jährige erst Mitte August in das frisch renovierte Pfarrhaus gezogen. „Es war viel zu tun“, sagt Hoinkis und ergänzt: „Ich freue mich hier zu sein.“

 

Der 31-Jährige, der auf den Fildern aufgewachsen ist, hatte sich letztes Jahr auf die freie Stelle als Pfarrer der evangelischen Gesamtkirchengemeinde, bestehend aus den beiden Kirchengemeinden Weil im Schönbuch und Breitenstein-Neuweiler beworben und wurde im Frühjahr gewählt. Zuvor stand das Pfarrhaus rund zwei Jahre lang leer, der ehemalige Weiler Pfarrer Kurt Vogelgsang hatte es 2019 nach 13 Jahren Amtszeit räumen müssen, weil die Sanierung nicht mehr aufgeschoben werden konnte. „Die Leute sind froh, dass nun wieder Licht im Pfarrhaus ist“, freut sich Hoinkis.

Außergewöhnliche Orte für Tauffeste suchen

Seiner ersten Predigt am vorletzten Sonntag haben nicht nur die Gottesdienstbesucher aus Weil im Schönbuch gelauscht – auch Familie, Freunde und Wegbegleiter waren dabei: „Das war sehr schön und im Anschluss standen wir noch draußen unter den Bäumen“, erzählt Hoinkis. Der 31-Jährige, der verlobt ist und „zeitnah“ heiraten wird, hat viele Pläne für seine Gemeinde: „Ich möchte die Taufe wieder mehr ins Bewusstsein rufen, junge Familien besuchen und mit ihnen ins Gespräch kommen“, erzählt er. Dazu plane er, auch „außergewöhnliche Orte“ für Tauffeste zu suchen. Ganz allgemein, so Hoinkis, wolle er die Menschen fragen: Was braucht ihr von eurer Kirche? Und: Was erwartet ihr von eurem Pfarrer?

„Für mich ist der Glaube etwas, das Halt gibt“, sagt der 31-Jährige. Für den gebürtigen Ostfilderner gehören zur Gemeinde „unterschiedliche Menschen, Frömmigkeiten und Arten von Gottesdiensten“ selbstverständlich dazu. In den Gottesdiensten, solle jeder sich beheimatet fühlen – ob eher im klassischeren oder auch im „9/30 Gottesdienst“, bei dem Ehrenamtliche sich einbringen können und Hoinkis selbst weniger im Mittelpunkt steht. „Ich bin ein vermittelnder Mensch und in beiden Arten zuhause. Kirche darf nie nur eine Richtung bedienen“, beantwortet der 31-Jährige die Frage, welche Gottesdienstform ihm lieber sei. Auch wenn einmal „Reibung“ entstehe, dann gehöre dies dazu: „Das ist positiv, dann entstehen neue Blickwinkel“, ist Hoinkis überzeugt.

Viele Pläne für das neue Gemeindehaus

Die Mauer zwischen seinem Pfarrhaus und dem Rathaus, so Hoinkis, symbolisiere seine Überzeugung, dass Glaube Teil der Gemeinde sei „und nicht abgeschottet vom Gemeindealltag“. Und, dass er als Privatperson auch Teil der bürgerlichen Gemeinde ist.

Ein großes Projekt für Steffen Tim Hoinkis wird der Bau des neuen Gemeindehauses auf dem Gelände der „Alten Wagnerei“ sein: „Bald geht es los“, freut sich der Weiler Pfarrer und ergänzt: „Für die Gemeinde ist das sehr spannend, wenn im Ortskern etwas Neues entsteht.“ Sein großer Traum für das zukünftige Haus sei ein Bänkle, auf dem Bürger sich für eine „Pfarrerbegegnungszeit“ zu ihm setzen und gemeinsam eine Tasse Kaffee trinken können: „Die Hemmschwelle zu mir ins Pfarrhaus zu kommen und zu klingeln ist höher“, glaubt Hoinkis.

Ohnehin müsse das Haus „mit Leben gefüllt“ werden – ob kulturelle Veranstaltungen, Mutter-Kind-Gruppen oder thematische Reihen – Steffen Tim Hoinkis hat schon viele Ideen. Bis das neue Gemeindehaus gebaut ist, sei das alte noch in Benutzung, ebenso wie das Renz-Haus, welches auch künftig genutzt werden soll. „Wir brauchen den Platz im neuen Gemeindehaus für das reiche Angebot“, erläutert Hoinkis. Was ihm bei seiner Arbeit besonders viel Spaß mache: „Jeder Tag ist anders“, erzählt der 31-Jährige. „Es kann sein, dass ich gerade noch in der Schule Unterricht gegeben habe und dann direkt zu einem Taufgespräch fahre. Kirche ist an allen Orten.“ In der Schule sei Hoinkis ohnehin sehr gerne: „Die Zweitklässler fragen teilweise ganz rundheraus und naiv: ‚Hat es Jesus wirklich gegeben?’, die Zehntklässler dagegen diskutieren meist provokanter.“ Auch im Rahmen der Geburtstagsbesuche bei den über 75-jährigen Gemeindemitgliedern lerne der 31-Jährige die Gemeinde kennen und erfahre die unterschiedlichsten Lebensgeschichten: „Das ist toll, denn mit welchem anderen Beruf könnte ich denn als Fremder in Ihr Haus?“, schmunzelt er. Es sei ein großer Vertrauensvorschuss, den das Amt des Pfarrers ihm gebe.

„Ich würde sofort einen evangelischen Kindergarten bauen“

Und auch einen evangelischen Kindergarten würde er „sofort bauen“, sagt Hoinkis begeistert. Ob er damit in die Fußstapfen des „Baupfarrers“ Vogelgsang treten wolle? „Ich trete in niemandes Fußstapfen, sondern möchte meinen eigenen Weg gehen. Bauen werde ich trotzdem“, sagt er und lacht.