Kritisch haben die Schüler das Werk von Dirk Traeger (Mitte) gelesen. Foto: factum/Weise

Die Fünft- und Sechstklässler aus Weil im Schönbuch haben das Skript eines Kinderbuchs kritisch gelesen und Verbesserungen angeregt.

Weil im Scönbuch - Mit Lena hat alles angefangen. Die Elfjährige knüpfte für eine Buchpräsentation, die sie für den Unterricht vorbereitete, vor einem Jahr den Kontakt zum Jugendbuchautor Dirk Traeger – und machte so sich und ihre 20 Klassenkameraden der Werkrealschule Weil im Schönbuch zu Mitautoren eines Jugendbuches.

Dirk Traeger folgte zunächst der Einladung von Lena und kam für eine Lesung in die Schule zu den Fünft- und Sechstklässlern. Er war so angetan vom Interesse der Kinder, dass er sie am Ende bat, sein neuestes Werk vor der Veröffentlichung zu redigieren. Die Kinder waren begeistert und der Autor schickte ihnen sein Skript.

Alle 21 Co-Autoren erhalten ein signiertes Exemplar

Die 21 Jungen und Mädchen erwiesen sich als sehr kritische Leser und präsentierten dem Autor eine lange Liste mit vielen Verbesserungsvorschlägen. „Die ersten Seiten sind ziemlich langweilig. Die müssen Sie noch spannender machen“, befand ein Schüler. Auch die Unterzeile der Überschrift „Drachenfreunde in Gefahr“ stammt von den Weiler Schülern sowie die Idee, die beigefügte Karte mit den Schauplätzen des Romans, der auf der Schwäbischen Alb spielt, als Ausklappkarte zu gestalten. Fast alle Vorschläge der jungen Redigierer hat Traeger in sein Buch eingearbeitet. Nun ist es fertig. „Breanainn – Drachenfreunde in Gefahr“ heißt es. Gestern überreichte Traeger jedem seiner Mitautoren ein handsigniertes Exemplar. Kostbar ist diese Buch für die Schüler aber vor allem wegen der Namensliste am Schluss des Buches, auf der alle seine 21 Co-Autoren genannt werden.

Der Autor, der 1985 am Sindelfinger Unterrieden-Gymnasium sein Abitur machte, hat gute Erfahrungen damit gemacht, die Leser seiner Zielgruppe an seinen Büchern mitschreiben zu lassen. Für die kürzlich abgeschlossene Abenteurerroman-Reihe Silva Norica, die wie auch „Breanainn“ auf zwei Ebenen– einer realen und einer fiktiven – spielt, hatte Traeger bereits auf die Unterstützung der Sechstklässler des Unterrieden-Gymnasiums gebaut. Nun, bei der neuen Reihe um die Drachenfreunde setzt der Autor, der mit seiner Familie in Gärtringen lebt, auf die Ideen der Weiler Werkrealschüler.

Die Kinder lasen das Buch nicht im Unterricht, sondern in ihrer Freizeit. Und sie notierten sich akribisch alle Ungereimtheiten und Passagen, die sie gerne umschreiben würden. In einem Gespräch konfrontierten sie dann den Autor mit ihren Vorschlägen, die Traeger begierig aufgriff.

Der zweite Band ist in Arbeit

Mittlerweile ist auch die Rohfassung für den Fortsetzungsband fertig. Auch diese hat der Autor den Weiler Schülern wieder zum Lesen gegeben. „Ich bin vom Gespräch mit den Kindern mit einer zweiseitig eng beschriebenen Liste weggegangen. Und es sind viele sehr gute Vorschläge darunter“, lobt Traeger und verspricht: „Die Fortsetzung wird noch besser als der erste Band.“

Über das Verfassen von Fachbüchern ist der Ingenieur für Nachrichtentechnik zum Schreiben von Kinderbüchern gekommen. Vor fünf Jahren gründete er zusammen mit seiner Frau in Gärtringen einen Verlag und veröffentlichte sein erstes Kinderbuch. Mittlerweile hat er sechs Werke für unterschiedliche Altersgruppen geschrieben. Zudem veröffentlicht er auch Bücher anderer Kinderbuchautoren. Die Ideen gehen dem Vater von zwei Söhnen und einer Tochter im Teenageralter offenbar nicht aus. Dafür sorgen schon die Werkgespräche mit seinen jugendlichen Mitautoren.

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