Der Eine-Welt-Laden in Weil der Stadt setzt sich seit 1990 für fairen Handel ein. Zum 35. Geburtstag hat der Verein jetzt Bilanz gezogen.
Wer im Weil der Städter Eine-Welt-Laden einkauft, bekommt zu jedem Produkt eine Geschichte zu hören: Die Sonnengläser kommen aus Südafrika, die Firma ermöglicht jungen Menschen eine Ausbildung. Der filigrane Silberschmuck stammt aus Mexiko, das Unternehmen wurde von zwei Frauen gegründet, die ihre Kunsthandwerker so gut bezahlen, dass sie ihre Familie versorgen können. Über jedes Kunsthandwerksstück, über jedes Lebensmittel in den Regal des Eine-Welt-Ladens gibt es etwas zu erzählen – mindestens darüber, wo genau es herkommt.
Transparenz, das merkt man schnell, steht hier an oberster Stelle, jedes Produkt ist fair gehandelt. „Fairer Handel schafft Arbeitsplätze, auch für Menschen, die vorher keine Zukunftsperspektive hatten“, erklärt Waltraut Soja, stellvertretende Vorsitzende des Vereins, der hinter dem Laden steht. „Und fairer Handel heißt auch, behutsam mit der Erde umzugehen.“
Nach der Wende sollte die Welt eine bessere werden
In diesem Jahr feiert der Eine-Welt-Laden seinen 35. Geburtstag. Entstanden ist die Initiative also 1990, als gerade die Mauer gefallen war. „Man hatte damals das Gefühl: Jetzt ist Frieden, jetzt kümmern wir uns um andere wichtige Sachen“, erinnert sich Hildegard Hornung aus dem Kernteam des Ladens an diese Zeit zurück. „Es hieß immer, die Weltläden muss es so lange geben, bis sie sich überflüssig gemacht haben“, sagt sie. Heute, 35 Jahre später, ist klar: Überflüssig sind sie längst noch nicht.
Dabei hat sich in den Augen der Aktiven schon einiges getan. Zumindest eine grobe Vorstellung davon, was fairer Handel bedeutet, hätten inzwischen viele Menschen. Aber: „Wir würden uns wünschen, dass die Leute noch mehr nachfragen“, sagt Hildegard Hornung. Waltraut Soja ergänzt: „Der Konsument hat die Macht, auch wenn wir das manchmal vergessen.“ Faire Produkte sind nicht immer automatisch die teuerste Option, teilweise sind sie schon in gut sortieren Supermärkten erhältlich. „Aber da gibt es keine Information“, sagt Hornung. „Und es fließt auch nichts in soziale Projekte.“
Erlöse gehen direkt an die Projektpartner
Fünf Projektpartner aus Guatemala, Peru, Lesotho und Indien, die sich für bessere Lebensbedingungen von Frauen und Kindern einsetzen, hat der Weltladen-Verein. In den 35 Jahren seit der Eröffnung des Geschäfts in der Weiler Altstadt sind so nach Angaben des Vereins über eine Million Euro an die Projekte geflossen. „Das geht nur, weil wir alles ehrenamtlich machen“, sagt Waltraut Soja.
60 Aktive schmeißen den Verkauf, 221 Mitglieder hat der Verein insgesamt. Ein Kernteam organisiert das laufende Geschäft, im Verein gibt es außerdem Arbeitskreise für den Einkauf und die Projektpartner. Teamwork ist wichtig, sonst würde nichts laufen. „Wir versuchen auch, so wenig wie möglich Geld für Dinge auszugeben, die wir selbst machen können“ so Soja. Wenn die Vereinsmitglieder die Projektpartner oder Lieferanten im globalen Süden besuchen, dann auf eigene Kosten.
„Wer hier arbeitet, ist überzeugt von dem, was wir tun“, sagt die stellvertretende Vorsitzende. „Dann kann man das auch rüberbringen.“ Denn der Kaffeeproduzent aus Peru oder der Kunsthandwerker aus Kolumbien seien eben doch weit weg – bis man von ihnen erzählt. Der Verein will deshalb Augen öffnen: Für Lebensrealitäten anderswo.
Zum Jubiläum steht Lokalprominenz hinter der Kasse im Eine-Welt-Laden. 22. März: Bürgermeister Christian Walter, 12. April: Pfarrer Anton Gruber, 17. Mai: Erster Beigeordneter Jürgen Katz, 7. Juni: Pfarrerin Eva Ulmer.