Die Störchin Trick gehört zu den sogenannten Zugverweigern: sie überwintert in ihrer Heimat. Foto: Annette Frühauf

Die meisten Zugvögel, so auch die Störche, sind längst im Süden, um den Winter in wärmeren und daher nahrungsreicheren Gefilden zu verbringen – nicht so die Störchin Trick aus Weil der Stadt.

Dank des Senders kann jeder mitverfolgen, wo sich die Störchin Trick aufhält. Eine Vielfliegerin ist der Weiler Storch nicht gerade, das verraten die Aktivitäten auf der App Animal Tracker. Noch nicht einmal 100 Kilometer werden unter ihrem Standort und Namen angezeigt. Die blauen Linien, Tricks Flugrouten, überlagern sich dafür dutzendfach. „Ihr längster Ausflug ging nach Hochdorf“, erzählt Sabine Holmgeirsson vom Nabu (Naturschutzbund) Weil der Stadt. Die „Storchenmutter“ der Keplerstadt dachte bei diesem „Abflug“ im Frühherbst, dass sich die Störchin nun tatsächlich auf den Weg in den Süden gemacht hätte. Doch tags darauf tauchte Trick schon wieder auf.

 

Trick ist keine ergiebige Datenquelle

Tricks Daten zeigen keine nennenswerten Strecken und geben keine Auskunft, wie die Zug-Route von Störchen aus der Region verlaufen würde. Für Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell ist die Störchin daher keine ergiebige Datenquelle. Der Wissenschaftler hat Trick und ihre beiden Geschwister, die allerdings nicht mehr leben, im Juni mit Sendern versehen. Dank solcher ausgestatteten Störche werden Daten über ihre Zugwege und deren Gefahrenquellen bekannt, sodass diese beseitigt werden können.

Rund 70 Prozent der Störche überleben das erste Jahr nicht. Trick dagegen scheint es an der Würm zu gefallen. „Sie wird den Winter hierbleiben und höchstens bei Nahrungsmangel in wärmere Gegenden ziehen, vielleicht an den Rhein oder den Bodensee“, mutmaßt Sabine Holmgeirsson. Momentan scheint die Störchin auf den Wiesen entlang der Würm genug zu finden. „Durch den Regen gibt es auch wieder Regenwürmer“, erklärt die Naturschützerin.

Füttern sollte man die Störche nicht

Seit einigen Wochen hat es sich die junge Störchin auf einem neuen Horst gemütlich gemacht, der am Giebel einer Scheune befestigt ist. Ein Landwirt hat ihn angebracht. „Dort ist es ruhig, die Wiesen sind in direkter Nähe, sagt Holmgeirsson. „Vielleicht findet sie auch rund um die Scheune Körner oder ähnliches. Füttern sollte man sie allerdings auf keinen Fall.“ Das sei falsch verstandene Tierliebe und schade mehr, als dass es nütze. Dass Störche immer öfter in ihrer Heimat überwintern, zeigt die aktuelle Pressemitteilung vom Nabu Deutschland. Bei Futterknappheit oder extremen Klimabedingungen können sich die sogenannten Zugverweigerer selbst helfen, indem sie kurzfristig wegziehen. Sollte es Trick hier nicht mehr gut gehen, wird sie vermutlich auch kurzfristig aufbrechen.

Als Zugverweigerin entgeht sie den zahlreichen Gefahren, die den Vögeln auf ihrem langen Weg drohen. Noch bis Ende Januar können die Zugvögel, die hierbleiben, an den Nabu gemeldet werden. Ende Februar kehren dann bereits die ersten Störche in ihre Heimat zurück, um ihre Nester wieder zu bewohnen. Trick sitzt dann womöglich noch immer in ihrem Nest und muss es sich erst gar nicht zurückerobern. Bis dahin flattert sie täglich nur ein paar Meter tiefer – zum Fressen auf die Wiese.