Die Schüler aus Tansania und Merklingen verstehen sich sichtlich gut miteinander – auch ohne große Worte. Foto: privat

Die Merklinger Würmtalschule pflegt engen Kontakt mit einer Schule in Tansania. Nach einem Besuch in Ostafrika steht nun ein Gegenbesuch in Merklingen an. Dafür sucht die Projektgruppe noch Spendierfreudige.

Weil der Stadt - Für gewöhnlich begrüßt der Jung-Tansanier mit „Mambo vipi?“ sein Gegenüber, bevor dieser, wenn er genauso lässig daher kommen möchte, mit „Poa!“ antwortet, was aus dem Swahili übersetzt in etwa „Alles cool!“ bedeutet. Auch wenn die drei Wochen zu kurz waren, um den Wortschatz ausreichend zu befüllen, so dauerte es zumindest nicht lange, bis den Mädchen und Jungen der Merklinger Würmtalschule bei ihrem Besuch in dem ostafrikanischen Land schnell klar wurde, dass diese sprachlichen „Must-Haves“ unabdingbar sind, um in hippen tansanischen Kreisen zu bestehen.

Die Werkrealschule pflegt seit drei Jahren eine enge Partnerschaft mit der „Forest Zone School“ im tansanischen Mangula. Die Kooperation ist Teil eines Gesamtprojektes, dessen Ziel es ist, eine Schule aufzubauen und damit den ärmsten Kindern im Ort eine Schulbildung zu ermöglichen – auf deutscher Seite sind es vor allem Anne Mäckelburg und Petra Bernhardt, die sich vielseitig einbringen. Was sich die Würmtalschule durch ihre Beteiligung erhofft, fasst die Lehrerin und Mitinitiatorin Regine Vogl zusammen: „Es geht um interkulturellen Austausch, um die Auseinandersetzung mit fremden Lebenswelten sowie um ein globales Engagement.“ Auch der neue Schulleiter Stefan Kunze steht voll hinter dem Projekt.

Der bisherige Höhepunkt war eine Schülerreise nach Tansania im Mai vor einem Jahr. Neun Mädchen und Jungen der damals achten Klasse ließen sich auf das Abenteuer in Mangula ein, das im Süden des Landes an den Udzungwa Mountains, einem der letzten Bergregenwälder Ostafrikas, liegt. „Doch bevor wir dort ankamen, ging es zunächst von der Hauptstadt Daressalam auf eine zwölfstündige Busfahrt über ungeteerte und schlaglöchrige Straßen“, erinnert sich Annkathrin Klaschka, die wie auch ihre Mitschülerinnen Maren Gepperth, Damaris Deeg und Anna-Lena Leukert so einiges ertragen musste. Ein Kulturschock war es dennoch nicht. Denn vor der Abreise absolvierten die Teilnehmer ein Vorbereitungstraining.

Obwohl es um die englischen Sprachfertigkeiten der Gastgeber alles andere als gut bestellt war, so konnte man sich wenn auch unter Einsatz von Händen und Füßen verständigen. „Es war phänomenal, wie die Gruppe ohne sprachliche Basis zusammengewachsen ist“, berichtet Lehrerin Vogl, die nicht nur mit Sachspenden an der Schule aufschlug, sie hatte auch ein prall gefülltes Programm in petto.

Die Truppe aus Merklingen stellte Workshops auf die Beine und veranstaltete ein Fußballturnier – hierzu ließ der TSV Merklingen einen Satz Trikots springen. Es wurde gemeinsam gekocht, gebastelt und auch bei der Renovierung der Schule brachten sich die Besucher ein. Nicht zu vergessen ist auch der Bau eines abschließbaren Bücherschranks, der den dreisten Langfinger-Affen einen Strich durch die Rechnung machte. Das ist übrigens keine spezielle Rasse. „Die Affen kamen vom benachbarten Nationalpark und rissen sich Hefte und Stifte unter den Nagel“, berichtet Maren.

Schulutensilien sind für die meisten tansanischen Schüler ohnehin Luxus. „Nur die wenigsten haben Hefte“, erzählt Damaris, „und diejenigen, die ein Heft haben, radieren am Ende der Stunde wieder alles weg.“ Nicht verwunderlich war es folglich, dass man den Kindern mit Kleinigkeiten eine Riesenfreude machen konnte. „Wir hatten für sie Übungsblätter mitgebracht und sie konnten es kaum fassen, dass sie diese behalten durften“, erinnert sich Anna-Lena. Doch obwohl die Menschen wenig hatten, geizten sie nicht mit Gastfreundschaft. „Uns war das peinlich, dass wir ständig beschenkt wurden, weil wir ihre ärmlichen Verhältnisse kannten“, so Pädagogin Vogl.

Nun steht ein Gegenbesuch der afrikanischen Schüler im Oktober an, sie sollen während ihres Aufenthalts bei Gastfamilien unterkommen. Auch wenn die Kosten größtenteils durch das Entwicklungspolitische Schulaustauschprogramm der Bundesregierung (ENSA) getragen werden – die Würmtalschule ist übrigens bundesweit die einzige Werkrealschule, die den Zuschlag bekam – ist finanzielle Hilfe nötig. Neben regelmäßigen Spendenaktionen spülte kürzlich ein erfolgreiches Abschneiden bei einem Fairtrade-Schulwettbewerb des Landkreises einige Euro in die Kasse. Die Würmtalschule wurde für ihr Tansania-Projekt, das sich auch über eine Reihe von lokalen Aktionen wie etwa eine Kooperation mit dem Eine-Welt-Laden erstreckte, als beste „Fair-Trade-Schule“ ausgezeichnet.

Weitere Fördermittel brachte die Bewerbung bei der Kinderhilfsorganisation „Children“ ein. Mit dem Geld werden Solarlampen gekauft, um die Stromversorgung in Mangula zu gewährleisten. Dabei zählte die nachhaltige Anschaffung der Würmtalschule zu den bundesweit zehn besten Projekten. Das vorbildliche Engagement sprach sich sogar bis zum Landtag herum. Erst neulich gastierte Bernd Murschel in Merklingen, um sich ein Bild von der Kooperation zu machen. Mit leeren Händen kam der Grünen-Abgeordnete, der sich über die vielseitigen Anstrengungen „weit über den sozialen Aspekt hinaus“ begeistert zeigte, freilich nicht.

Für die Neuntklässlerinnen war die Reise ein großes Abenteuer. Nicht zuletzt öffnete sich ihnen ein völlig anderer Blickwinkel. „Wenn man Merklingen und Mangula vergleicht, merkt man, wie gut wir es haben“, konstatiert Maren. Und Annkathrin ergänzt: „Ich habe gesehen, dass man auch mit wenig glücklich sein kann.“

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