Das Menuhin Festival Piano Quartet in Aktion. Foto: factum/Granville

Mit einem besonderen Programm hat das Menuhin Festival Piano Quartet das Publikum begeistert.

Weil der Stadt - Es ist ein Abend der großen Emotionen am Samstag im Klösterle. Das Menuhin Festival Quartet hat für sein Konzert in den renovierten Mauern des ehemaligen Kapuzinerklosters nämlich Komponisten aus der Epoche der Spätromantik gewählt. Und, was besonders schön ist: Es sind Komponisten, die man nicht regelmäßig auf den Konzertprogrammen findet.

Frank Bridge etwa, den Lehrer von Benjamin Britten, kann das Publikum mit der Fantasie Fis-Moll für Klavierquartett kennenlernen. Ein Werk, das durch seine Freiheit und Dramatik gleichermaßen Eindruck hinterließ. Auch Gabriel Fauré gehört zu den Komponisten, die eher selten gespielt werden – zumal in der kammermusikalischen Besetzung mit Violine, Bratsche, Cello und Klavier. Von ihm war das Klavierquartett Nr. 2 G-Moll zu hören – mit den herrlichen Klangfarbenspielen, die Stücke französischer Komponisten dieser Zeit auszeichnen. Der Dritte im Bunde war Antonin Dvorák, dessen Klavierquartett Es-Dur (op. 87) mit seinen folkloristischen Elementen einen Hörgenuss abermals ganz anderer Art bescherte.

Mit dem Menuhin Festival Piano Quartet bewies der Initiativkreis „Klassik im Klösterle“ wieder ein gutes Händchen bei der Auswahl der Künstler für die Meisterkonzerte. Schon für sich allein sind alle vier Mitglieder herausragende Musiker: Pianist Friedemann Rieger hat Professuren an den Musikhochschulen Stuttgart und Zürich/Winterthur, Violinistin Nora Chastain hat ebenfalls eine Professur an der Musikhochschule Zürich/Winterthur, Bratischistin Silvia Simionescu unterrichtet an der Musik Akademie Basen und Cellist Troels Svane ist Professor an Musikhochschulen in Lübeck und Berlin.

Sie als Quartett zu hören war ein besonderes Erlebnis. Seit 1989 spielen sie zusammen – was ein unerhört harmonisches und homogenes Klangbild zur Folge hat. Das zeigte sich schon beim offiziellen Programm. Die Zugaben, darunter ein Satz aus dem Beethoven-Quartett (Opus 16), bezauberten jedoch durch ihre filigrane, federnde und transparente Eleganz, die Werke aus er Epoche der Klassik so schlicht, leicht und natürlich klingen lässt – und die so schwer zu erreichen ist. Auch das Intermezzo aus Opus zwei des 13-jährigen Felix Mendelssohn-Bartholdy war, um das etwas altmodische Wort einmal im besten Sinne zu verwenden, einfach entzückend.

In ihrer Komplexität waren die vorangegangenen Werke auf andere Weise ein Hochgenuss und in ihrer Emotionalität zutiefst berührend. Dass Frank Bridge selbst Bratsche gespielt hat, war seiner Fantasie deutlich anzumerken. Großes Gewicht hatte hier Silvia Simionescu, die mit großer Hingabe und Emphase immer wieder das musikalische Wort hatte. Schillernde Chromatik hat Bridge in dieser Komposition auf kunstvolle Weise verwoben; schroffes Aufbegehren wechselte dabei mit perlenden Klavierpassagen und glitzernden Arpeggien, aufgewühlte Abschnitte in dunklem Moll wendeten sich ins Helle nach Dur.

Würde man das Meer als Bild für dieses Werk wählen, ebbte der faszinierende Sturm zum Schluss ab, die Wogen glätteten sich und das Wasser zog sich wieder an den Horizont zurück.

Mit kraftvollem Flirren begann Faurés Klavierquartett. Farbenreich spannend wählten die Musiker die musikalischen Motive aus. Im zweiten Satz legten die Streicher ruhige Linien über die Parforce-Jagd, welche Riegers Finger auf den Tasten entfesselten. Das Moment des musikalischen Dialogs rückte hier in den Vordergrund – ein geradezu zärtlicher Austausch zwischen der Violine und Bratsche mit dem Klavier. Die anfangs dunklen Ostinati des Klavier wandelten sich dabei nach und nach in freundliche Dur-Stimmung. Flammend und voller Spannung dann der abschließende vierte Satz.

Mit herabstürzenden Tonkaskaden des Klaviers begann das Klavierquartett von Antonin Dvorak. Daraus entwickelte sich heiteres Flirren; melodiös legten sich die Streicher über fein perlende Pianoläufe. Bei aller Virtuosität wirkte Rieger dabei stets vollkommen unangestrengt. Zarte Pizzicati und warme Melancholie brachte der zweite Satz, schwelgerische Walzermomente der dritte. Voller Verve und Temperament pulsierte der vierte Satz mit folkloristische Rhythmen und Harmonien. Ein fulminanter Abschluss, dem begeisterter Applaus des Publikums im fast voll besetzten Klösterle folgte.

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