Am 27. Mai 1983 ist der letzte Personenzug von Calw nach Weil der Stadt gefahren – jetzt rückt ein Neustart in greifbare Nähe. Foto: Archiv

Seit 21 Jahren wird darüber diskutiert, die 1983 eingestellte Bahn nach Calw wiederzubeleben. Doch erst das Spitzentreffen am Freitag im Stuttgarter Verkehrsministerium hat den endgültigen Durchbruch gebracht.

Weil der Stadt / Renningen - Seit 21 Jahren wird darüber diskutiert, die 1983 eingestellte Bahn nach Calw wiederzubeleben. Obwohl die Landesregierung schon im Mai grundsätzlich grünes Licht gegeben hat, drohten massive Proteste und mögliche Klagen aus Weil der Stadt und Renningen das Projekt zu verzögern. Am Freitag ist nun ein entscheidender Schritt gemacht worden: Der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat alle Beteiligten nach Stuttgart an seinen Dienstsitz gebeten und so lange verhandelt, bis weißer Rauch aufgestiegen ist.

Bis zur letzten Minute wird um Formulierungen gerungen, um 13.21 Uhr ist es soweit. Dann erklärt der Minister: „Wir haben uns miteinander verständigt.“

Und so sieht die Lösung aus: Noch im Herbst, spätestens im November, wird mit der „ersten Stufe“ der Bahn begonnen, die wiederum in zwei Bauabschnitte aufgeteilt wird: Von Calw bis Weil der Stadt und von Weil bis Renningen (siehe Grafik). Im Dezember 2018 soll der erste Zug rollen. Gleichzeitig soll die „zweite Stufe“ von Land, Region und den Kreisen vorangetrieben werden.

„Es soll nur für kurze Zeit ein Dieselzug fahren“, erklärt Winfried Hermann. „Danach sollen sie entweder mit Brennstoffzellen angetrieben werden. Oder die S-Bahn soll bis nach Calw fahren.“ Dies werde zeitnah untersucht. „Spätestens zehn Jahre nach dem Start der Hesse-Bahn soll es eine andere Lösung geben“, erklärt der Grünen-Politiker, „vielleicht schon früher.“

Zum Leidwesen der Kritiker aus dem Kreis Böblingen bleibt aber die ganze Zugverbindung von Calw bis Renningen Teil der Planung und der Bauarbeiten.

Doch die von Landrat Roland Bernhard angedachte Lösung, das Projekt zu teilen, und den umstrittenen Parallelbetrieb zwischen Weil der Stadt und Renningen weit in die Zukunft zu verschieben, wird nicht weiterverfolgt. „Sonst müsste der Kreis Calw eventuell alle Zuschüsse wieder zurückzahlen“, fürchtet der Minister.

Um aber die Sorgen der Weiler und Renninger zu zerstreuen, stehen in dem Kompromisspapier zwei wichtige Formulierungen, die auch der Verkehrsminister unterstreicht: Die S-Bahn bis nach Weil der Stadt bleibt garantiert und wird nicht eingeschränkt. Und die S 6 hat im Zweifel stets Vorfahrt vor der Hesse-Bahn.

Nahezu euphorisch reagiert der Calwer Landrat Helmut Riegger (CDU) auf diese Lösung: „Ich bin sehr zufrieden, dass ein Kompromiss gefunden ist.“ Etwas zurückhaltender sagt sein Böblinger Kollege Roland Bernhard: „Ein Kompromiss hat es an sich, dass alle Seiten unzufrieden sind.“

Der Kreischef weiß, dass er noch viel Überzeugungsarbeit im Kreistag und in den Gemeinderäten von Weil der Stadt und Renningen leisten muss. Auch die Regionaldirektorin Nicola Schelling will nach vorne blicken: „Es ist gut, dass wir die S-Bahn-Planung jetzt aktiv verfolgen.“

Klar ist: Die Calwer können jetzt die letzten Pläne vollenden, etwa für den nötigen Tunnel bei Ostelsheim, aber auch über die B 295 bei Weil der Stadt. Ob tatsächlich 2018 der Zug bis Renningen rollt oder nur bis Weil, ist noch offen. Wenn bis dahin die Weichen für die S-Bahn gestellt sind, könnte der zweite Bauabschnitt obsolet sein.

Denn das haben alle Beteiligten auch angedeutet: Wenn die S-Bahn in fünf oder zehn Jahren von Stuttgart bis Calw durchfährt, wird davor niemand viel Geld für einen Parallelbetrieb bis Renningen mit Extragleisen und Signalen ausgeben. Der Minister drückt es so aus: „Wir kriegen es hin, jetzt kommt die Feinarbeit.“

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