Uwe Spinder freut sich, dass sein Publikum sich von Olympia loseisen konnte. Foto: Robin Daniel Frommer

Gute Unterhaltung auf der Weiler Kino-Bühne: Kabarettist Uwe Spinder und die einzige Opposition.

Weil der Stadt – Unaufgeregt, souverän und distinguiert – schon mit der Eröffnung seines neuen Solo-Programms in der „Kulisse“ signalisiert Uwe Spinder: Hier kommt einer aus Eurer Mitte! Tatsächlich hat der Sindelfinger Kabarettist in Weil der Stadt so etwas wie ein „Heimspiel“. Großes Trara – Paukenschläge, Superlative oder ohrenbetäubende Musik – braucht er für sein Intro gar nicht. Seine Botschaft lautet: „Ich habe Respekt für mein Publikum!“ und das wird in der bestens besuchten Kino-Bühne auch sofort verstanden. „Schön, dass Sie sich von Olympia loseisen konnten“, begrüßt er seine Zuschauer.

Uwe Spinders neues Programm teilt sich den Titel mit der erfolgreichsten Sympathie-Kampagne, die bislang für Baden-Württemberg warb: „Wir können alles…“ ist die 2014er-Tournee des Kabarettisten überschrieben, der als ehemaliger Rundfunk-Moderator Hochdeutsch mit wohldosiertem Lokalkolorit routiniert zu verbinden vermag. „Ich habe beim Quatsch Comedy-Club und bei Night Wash begonnen“, verrät Uwe Spinder, „bin aber seit 2009 immer regionalen geworden, weil es im Ländle immer weniger politisches Kabarett gibt“. Tatsächlich sieht und kommentiert er die Ungereimtheiten des Zeitgeschehens aus schwäbischem Blickwinkel. Gekonnt, kritisch und am Puls der Zeit. Ein Beispiel? Das Recycling von aussortierten Politikern: Günther Oettinger, der Chairman of Energy, habe von der Kanzlerin den Auftrag in Brüssel heiße Luft abzulassen. Edmund Stoiber habe immerhin noch EU-Verordnungen für Drahtseilbahnen in Mecklenburg-Vorpommern gestrichen. Große Flaschen schwimmen schneller. Und die größten schwimmen nach Brüssel, wo sie Ausschüsse bilden. Der nächste (Schwimmer) „dürfte Herr Friedrich sein. Er muss ja versorgt werden, der Arme!“

Was die Bundestagswahl anbelangt, bekennt Uwe Spinder, habe er „aus kabarettistischen Gründen“ auf Schwarz-Grün gehofft. Und er lässt der Fantasie auf der Bühne einen Moment freien Lauf: „Boris Palmer als Verkehrsminister! Und Cem Özdemir als Bundesinnenminister: Der Muezzin hätte jeden Morgen überm Stuttgarter Kessel gekräht!“.

„Immer mehr Boulevard statt Bildung“, kommentiert Uwe Spinder das zehnjährige Bestehen von Facebook: „Allgemeinbildung ist bei der jungen Generation nicht mehr da. Historisches Wissen ist out“. Gleich darauf reicht Uwe Spinder, Vater eines 19-jährigen Zwillingspärchens, nach: „Tochter postet: Mir langweilig! Tausend Freundinnen antworten nano-sekundenschnell: Mir auch!“ Dann kommt er auf den Punkt: Nach der Behandlung einer Schnittwunde habe er sofort Werbe-Nachrichten auf dem Rechner gehabt: „Kunden, die im Katharinenhospital waren, habe auch bestellt…“ Zur NSA witzelt er: „Ein Junge zupft Obama am Ärmel: Mein Vater sagt, du kannst in meinen Computer sehen. Obama antwortet: Das ist gar nicht dein Vater!“.

An das Ende seines Auftritts in Weil der Stadt stellt Uwe Spindler den Appell: Bleiben Sie dem Kabarett treu! Es ist die einzige Opposition, die wir in diesem Land noch haben!“. Wohl wahr!

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: