Und Anpfiff: Beim Roboter-Wettbewerb am Weiler JKG wird unter anderem Fußball gespielt. Foto: factum/Bach

Beim regionalen Roboter-Wettbewerb am Johannes-Kepler-Gymnasium messen sich technikbegeisterte Schüler in verschiedenen Disziplinen – die reichen von Fußball über Wettlauf bis hin zur Bergung von Verletzten.

Anpfiff. Der Ball rollt. Die beiden Spieler stürmen los. Einer davon steuert direkt auf das gegnerische Tor zu. Plötzlich scheint er aber keine Lust mehr zu haben. Der Spieler dreht sich nur noch im Kreis. „Der Kompass ist wohl wieder defekt“, fachsimpelt der Technikspezialist Mirko Ströbele, der das Fußballspiel gebannt verfolgt. „Er weiß nicht mehr, wo er hin soll.“ Denn der Fußballspieler ist ein kleiner Roboter und das Spiel ist ein Duell zwischen den AGs des Bildungszentrums Markdorf und des Weiler Johannes-Kepler-Gymnasiums (JKG).

Das JKG ist es auch, das an diesem Samstag zu seinem regionalen Robotics-Wettbewerb eingeladen hat. „Bereits zum siebten Mal haben wir Roboter-Begeisterte aus ganz Deutschland hier“, berichtet Jürgen Gerisch nicht ohne Stolz. Er ist Physiklehrer und ebenso wie seine Schüler vom Roboter-Virus infiziert. Acht Schulen und Vereine sind an diesem Samstag mit insgesamt 183 Teilnehmern nach Weil der Stadt gereist. Schüler aus Königswinter hatten den weitesten Anreiseweg.

„Wir bieten hier eine Plattform, um in verschiedenen Disziplinen gegeneinander anzutreten“, sagt Gerisch. Dabei wollen die Schüler Erkenntnisse sammeln, um ihre Roboter weiter zu verbessern. „Dann können wir mit optimierten Robotern zu den nationalen und internationalen Wettbewerben reisen“, sagt Gerisch. Schließlich rufen im nächsten Jahr die Deutsche Meisterschaft in Magdeburg und die Weltmeisterschaft in Brasilien, für die sich die Weil der Städter qualifizieren wollen.

„Soccer B“ ist eine dieser Disziplinen, bei der die Roboter gegeneinander Fußball spielen. Und der eingangs erwähnte Roboter mit dem defekten Kompass gehört zum dortigen Team der „Bodenseepiranhas“. Die Partie gegen die Weil der Städter Mannschaft „Tactic“ geht dann auch deutlich mit 17:11 an die Gastgeber. „Der Weiler Roboter ist technisch viel höher entwickelt“, so Mirko Ströbele.

Alexandra Reins zückt emsig ihren Kugelschreiber und notiert das Ergebnis. Im normalen Leben unterrichtet sie Englisch und Französisch, aber für die kleinen Roboter stürzt sie sich sogar in die Feinheiten der Technik und des Sports. „Ohne die großartige Unterstützung meiner Kollegen wären solche Veranstaltungen nicht möglich“, sagt Jürgen Gerisch. Auch die Mitarbeit von vielen Schülern macht den Robotics-Wettbewerb zu einem Projekt der ganzen Schule.

„Die Schüler lernen dabei wichtige Kompetenzen, zum Beispiel Teamarbeit“, hat auch Claudia Winter-Baker festgestellt. Als Abteilungsleiterin begleitet sie den Wettbewerb für die Schulleitung. „Die Schüler sollen in der Schule nicht nur lernen, sondern sie als Lebensraum begreifen, mit dem sie sich identifizieren“, sagt sie.

Tabea Lehmann steht derweil vor einem großen weißen Tisch. Bretter unterteilen ihn in verschiedenen Kammern. „Das stellt ein eingestürztes Haus dar“, erklärt die Elftklässlerin. Ihr Roboter muss nun in diesem Gebäude verletzte Menschen finden, die durch kleine Wärmesensoren dargestellt werden. Bis der Roboter das schafft, gebe es viele Rückschläge. „Doch wenn es klappt, ist das ein Glückserlebnis, das kaum in Worte zu fassen ist“, schwärmt Tabea Lehmann von ihrem Hobby.

Da stimmt Gerd Kolberger zu. Er ist ihr Mentor und leitet die Roboter-AG am Weiler Gymnasium. Er ist also so etwas wie der Chef der vielen leuchtenden Schüleraugen im Kepler-Saal an diesem Samstag. Nach einem anstrengen Berufsleben als Programmierer bei IBM genießt er es, jetzt im Ruhestand mit den engagierten Schülern zusammenzuarbeiten. „Sie lernen ja nicht nur die Technik“, erzählt Kolberger, „wir müssen zunächst bei der mittelständischen Industrie um finanzielle Unterstützung werben.“ Die dabei notwendigen Fähigkeiten bringen die Schüler dann auch persönlich weiter.

Nicht nur die großen Schüler, auch schon die Kleineren sind im Kepler-Saal eifrig unterwegs. Kai Hauptmann ist einer von ihnen. Sein Roboter muss einer schwarzen Linie folgen. „Ich habe ihm beigebracht, dass er die Richtung wechselt, wenn er weiß sieht“, sagt der Fünftklässler aus Böblingen stolz, denn programmiert hat er seinen Schatz ganz alleine. Bei der Disziplin kommt es auf die Zeit an. Und die ist heute gut. „Beim Üben hat er für den Rundgang auf der schwarzen Linie immer mindestens 18 Sekunden gebraucht. Heute hat er es in 14 Sekunden geschafft.“

„Alle, die bei sich bei uns mit den Robotern beschäftigen, wollen später auch mal einen technischen Beruf ergreifen“, hat der Marktdorfer Lehrer Gerd Kästle festgestellt. Auch deshalb lohnt sich für ihn der weite Weg nach Weil der Stadt. „Der Ausflug hat bei uns schon Tradition. Schließlich ist er immer traumhaft organisiert. Ein wirkliches Aushängschild für die Schule.“

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