Marc Kwiatkowski: Ich zeige jetzt noch einmal Flagge, gebe so richtig Gas“. Foto: factum/Bach

Wenn der Wahlkampf um das Amt des Weiler Bürgermeisters eine Olympiade wäre, würde Marc Kwiatkowski als Marathonläufer an den Start gehen. Schon im Mai hat er seine Bewerbung beim Rathaus von Weil der Stadt abgegeben.

Weil der Stadt - Wenn der Wahlkampf um das Amt des Weiler Bürgermeisters eine Olympiade wäre, würde Marc Kwiatkowski als Marathonläufer an den Start gehen. Schon im Mai hat er seine Bewerbung beim Rathaus von Weil der Stadt abgegeben. Seitdem ist er ununterbrochen und ausdauernd unterwegs, besucht Vereine, Feste, politische Fraktionen. Hunderte Menschen aus Weil der Stadt und den Teilorten habe er in diesen vier Monaten kennen gelernt, so schätzt er. Und: „Ich habe sechs bis acht Kilo abgenommen.“

Bis vor Kurzem sah es noch so aus, als würde er der einzige Kandidat bleiben. Erst wenige Tage vor Ablauf der Frist meldete sich der Loßburger Bürgermeister Thilo Schreiber an. Um im Terminus zu bleiben: der Sprinter. Der Weiler Koch Roman Beyerle (Dabei sein ist alles...?) gab seine Bewerbung sogar erst am letzten Tag ab.

Die recht kurzfristig hinzu gekommene Konkurrenz beflügele ihn eher, sagt Marc Kwiatkowski, als er an diesem sonnigen Mittwochmittag die Stuttgarter Straße entlang flaniert. „Würde ich ohne Mitbewerber gewählt werden, hätte das doch auch einen Beigeschmack. Einen, der acht Jahre bleiben würde“, ergänzt er, „ich zeige jetzt noch einmal Flagge, gebe Gas“. Bei diesen Worten lächelt er offen, keck, und auch ein bisschen schüchtern. Nein, ein abgebrühter Politikprofi kommt da nicht, sondern ein engagierter Bürger aus Weil der Stadt.

Ein engagierter Bürger aus Weil der Stadt

Das vielfach gebrauchte Argument der fehlenden Verwaltungserfahrung weist Kwiatkowski weit von sich. Rechnen könne er als studierter Betriebswirt ohnehin. Und als Krankenkassen-Manager arbeite er in Strukturen, die einer Behörde nicht unähnlich sei. Auch darin, dass die Kassen heute besser wirtschaften müssten und sich serviceorientiert aufstellen, sehe er Parallelen zu modernen öffentlichen Verwaltungen.

In verschiedene Themen der Weiler Stadtpolitik hat er sich bereits eingearbeitet. Da ist beispielsweise die Sache mit den Gräben im Gemeinderat. Im Gremium sind immer wieder Ratsmitglieder mit dem amtierenden Weiler Schultes Hans-Josef Straub aneinander geraten – und teilweise auch untereinander. „Ich würde die Gräben nicht zuschütten, das kocht doch irgendwann wieder hoch. Stattdessen würde ich Brücken bauen“, philosophiert Kwiatkowski bildhaft und erklärt: „Ich glaube, es wird nötig sein, die Streitpunkte aufzuarbeiten und noch einmal auf den Tisch zu bringen.“

Letzter Katalysator für grundlegende Differenzen ist der Streit um ein neues mögliches Pflegeheim in der Jahnstraße gewesen. Die Bürgerinitiative Genini hatte dagegen mobil gemacht – zu groß, schlecht geplant, so lauten die Vorwürfe. Beim Thema Pflege blüht der 43 Jahre alte Kwiatkowski auf. Wohn- und Lebenskonzepte für jung und alt? Damit kennt der Krankenkassen-Mann sich aus. „Ich glaube, wir müssen viel kleinteiliger denken“, sagt er. Statt in der Jahnstraße ein großes Gebäude als Ersatz für das bestehende Pflegeheim zu bauen, könnte er sich vorstellen, im gesamten Stadtgebiet Wohngruppen anzusiedeln.

Kwiatkowski will Brücken bauen statt Gräben zuschütten

Kalkuliert sei das schon. „Ab etwa zwei Dutzend Bewohnern rechnet sich das.“ Kleinteilige Wohngruppen ließen sich gut integrieren, die Mnschen seien in das kommunale Leben eingebunden. „Und wir brauchen im Einzelnen weniger Platz“, so Kwiatkowski, „wieso nicht ein Standort an der Jahnstraße, ohne dass er die Anwohner stört, und ein weiterer an den Krautgärten, auch wenn dort nicht alle Grundstücke zur Verfügung stehen?“ Und: Auch für die Teilorte sei das ein Konzept. Der Pflegebedarf für Ältere werde in Zukunft zunehmen.

Ansonsten setzte er auf ein lebenswertes Weil der Stadt und lebenswerte Teilgemeinden. Den Weiler Marktplatz solle man umbauen, bedarfsgerechte Geschäfte, Handwerker und Betriebe ansiedeln und halten. „Schon von unserer Lage her ist es schwierig, etliche neue Geschäfte anzusiedeln. Unsere Stärken liegen woanders.“ Transparenz sei ihm wichtig im Verwaltungshandeln. Wichtig: Während der Fasnet würde der Skiurlaub natürlich nicht stattfinden. „Ein Bürgermeister ist vor allem auch der Kommunikationschef“, definiert Marc Kwiatkowski seine Rolle.

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