Der Verein mit den gelben Engeln ist in Verruf geraten – das lässt auch den Ortsverein Weil der Stadt nicht kalt. Foto: dpa

Der Motor-Sport-Club in der Stadt ist von den Skandalen des ADAC überhaupt nicht begeistert.

Weil der Stadt - Viele an diesem Abend kommt mit derselben Frage in den Saal des katholischen Gemeindehauses: Wird der Ortsvorsitzende im Rettungshubschrauber eingeflogen? Der Ortsvorsitzende, das ist Emil Rathfelder, und der dazugehörige Ortsverein, das ist der Motor-Sport-Club Weil der Stadt.

Nachrichten über skandalträchtige Machenschaften des traditionsreichen „Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs“ (kurz ADAC) machen derzeit die Runde, und da richten sich die Augen auch auf die Basis. Der ADAC, das sind nämlich nicht nur die gelben Engel in den Pannenhilfeautos und den Rettungshubschraubern, das sind auch mehr als 1850 Ortsclubs. Der Motor-Sport-Club Weil der Stadt ist einer davon.

Auf der Hauptversammlung am Samstagabend ist der ADAC-Skandal allerdings höchstens am Rande ein Thema. „So etwas kann in jedem Verein passieren“, sagt Emil Rathfelder. Seit 26 Jahren lenkt er die Geschicke des Ortsclubs und entsprechend souverän führt er durch die Themen der Hauptversammlung. „Preis der Stadt Stuttgart“, „MSC-Slalom“ in Sindelfingen, „DTM Hockenheim“ – alles Veranstaltungen, zu denen der Weiler MSC Helfer entsendet. Und vieles davon sind Veranstaltungen, die unter dem Dach des ADAC organisiert sind.

„Viele vergessen, dass der ADAC auch ein Motor-Sport-Club ist“, sagt denn auch Rolf Reikowski, der stellvertretende Vorsitzende in Weil der Stadt. Genau 165 Mitglieder verzeichnete der Weiler Motor-Sport-Club am 31. Dezember 2013. Und 109 davon sind gleichzeitig ADAC-Mitglieder. „Die ADAC-Mitgliedschaft ist bei uns keine Pflicht“, sagt Reikowski, „aber die meisten sind das ohnehin.“ Nachwuchssorgen haben die Weiler Motorsportbegeisterten zwar keine, aber dennoch freuen sie sich über jede helfende Hand. Denn zu tun gibt es genug.

Bei fast 50 Veranstaltungen sind sie mit Helfern vertreten, und vor allem die eigenen Flaggschiffe fordern die Mitglieder. So lädt der Verein im Juli wieder zu seiner bereits zehnten „Veteranen-Ausfahrt“ ein. Liebhaber können dann wieder mit ihren historischen Motorrädern und Automobilen (bis Baujahr 1989) anrücken und sich auf der fünfzig Kilometer langen Strecke rund um Weil der Stadt präsentieren. Doch auch diese Veranstaltung hat einen Haken. Und wieder taucht er auf – der ADAC. „Wir werden wieder einen vierstelligen Verlust machen”, sagt Vize-Vereinsboss Reikowski. „Da bekommen wir dann vom ADAC eine Ausgleichszahlung.” Viele Clubs könnten sich ohne diese Unterstützung des gelben Riesen nicht halten, davon ist Reikowski überzeugt.

Groß und vor allem gelb ist das Plakat, das die Clubmitglieder für ihre Hauptversammlung in den Saal des katholischen Gemeindehauses gehängt haben. Silbern ist darauf der Bundesadler gemalt und in vier großen schwarzen Lettern steht „ADAC“ darauf. Jugendleiterin Andrea Rathfelder-Wolf erzählt von der Jugendarbeit des Clubs. „Auf einem Steinbruch zwischen Merklingen und Hausen fahren unsere Jugendlichen Trials.“ Das ist ein Motorradsport, bei dem schwierige Geländepassagen mit dem Motorrad fehlerfrei bewältigt werden müssen. Dabei kommt es vor allem auf Geschicklichkeit an. „Dafür werden die Jungs und Mädels Jugendmitglieder beim ADAC“, ergänzt Andrea Rathfelder-Wolf noch. „So sind sie dann über den ADAC versichert.“ Wieder ein Grund, weshalb die Mitglieder hier ganz und gar nicht begeistert sind, wenn ihr Verein täglich neue negative Schlagzeilen produziert. „Wir haben da keinen Einblick in die Führungsetagen”, sagt Rolf Reikowski. „Das ist wie in jedem Betrieb.“ Eine Frage, die er sich selbst stellt, kann und will er deshalb nicht beantworten. „Was täten die Leute, wenn es die Rettungshubschrauber und die gelben Engel nicht mehr gäbe?“

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