Die Diskutanten: Foto: factum/Bach

Bei der LKZ-Talkshow zur Kommunalwahl präsentieren sich die Fraktionen in erstaunlicher Harmonie. Einige ist man sich beim Thema Hesse-Bahn. Dagegen gehen die Meinungen auseinander beim Marktplatz und der Stadtentwicklung.

Weil der Stadt - Ich habe noch nie erlebt, dass sich die Fraktionen so einig sind“, meldet sich ein Zuhörer bereits nach der ersten Fragerunde zu Wort. Bei der LKZ-Talkshow zur Kommunalwahl im Schulzentrum stand gleich zu Beginn ein heißes Eisen im Fokus: die Hermann-Hesse-Bahn, die der Kreis Calw auf der Trasse der früheren Schwarzwaldbahn bis nach Renningen plant. Die Vertreter der fünf Fraktionen im Gemeinderat, die am Mittwochabend mit den LKZ-Redakteuren Rafael Binkowski und Elisa Wedekind diskutierten, waren sich erstaunlich einig.

„Wir sind nicht gegen die Hesse-Bahn, wir wollen es nur nicht so, wie es jetzt geplant ist“, sagte Klaus-Peter Fritschi von den Freien Wählern. Brigitte Benzinger-König von der FDP kann sich das Bahnprojekt vorstellen. „Aber nur, wenn die Wirtschaftlichkeit gegeben ist. Da fehlt aber bislang der Nachweis“, sagt sie. Gerade auf der eingleisigen Strecke bis Malmsheim könne es Probleme mit der S-Bahn geben. So befürchten viele, dass die S-Bahn auf lange Sicht nur noch bis Renningen fährt und nicht mehr bis Weil der Stadt. „Wir können keine Doppelstrukturen akzeptieren“, meinte der CDU-Fraktionschef Martin Buhl. Auch der Grünen-Fraktionschef Alfred Kappler sah die Gefahr, irgendwann von der S-Bahn abgekoppelt zu werden.

Deshalb gelte beim Thema Hesse-Bahn „letzter Halt in Weil der Stadt“, sagte Kappler. „Für uns ist es wichtig, dass wir den S-Bahn-Anschluss behalten und nicht in Renningen umsteigen müssen“, bekräftigte Silvia Tanczos-Lückge von der SPD, die sich fragte, wie viele Hybridbusse man mit dem Geld für die Hesse-Bahn anschaffen könnte, um eine flexible Buslinie in den Nachbarkreis einzurichten. „Bauen wir doch gleich die S-Bahn bis Calw“, schlug dagegen Klaus-Peter Fritschi vor.

Im Weiler Gemeinderat ist ein sachlicher und konstruktiver Ton eingezogen. Das war am Mittwochabend deutlich während der Diskussion zu spüren, an der sich auch das Publikum immer wieder mit sachorientierten Fragen und Anregungen beteiligte. Etwa beim Thema Innenstadtentwicklung. Da gehen die Ideen der Fraktionen auseinander. „Wenn ich durch die Innenstadt gehe, denke ich, wie schön es hier ist. Aber auch, dass die Stadt in einem Dornröschenschlaf ist“, meinte SPD-Frau Tanczos-Lückge. Ihr Plan: Hier müssen Läden rein, deren Sachen man nicht im E-Center kaufen kann und die somit mehr Menschen anlocken. Auch den Tagestouristen müsse mehr geboten werden.

Martin Buhl verwies darauf, dass der Branchenmix in der Stadt nicht stimme. „Wir brauchen ein leistungsfähiges Hotel“, fügte er hinzu. Der CDU-Chef bewertete es als großen Schritt, dass der Ensembleschutz für die Altstadt mittlerweile in den Köpfen verankert sei. Alfred Kappler von den Grünen schwebt ein Hotel am Klösterle vor, welches künftig als Tagungsort fungieren könne.

Ein Streitpunkt war der autofreie Marktplatz. „Da müssen wir zügig an die Gestaltung gehen“, meinte Benzinger-König (FDP). Aber nützt das den Händlern wirklich oder schadet es am Ende mehr? Da gingen die Meinungen auseinander. „Dann machen noch mehr Läden zu“, meldete sich sich jemand aus dem Publikum zu Wort. So gingen die meisten Vorschläge auch mehr in Richtung eines nur teilweise autofreien Marktplatzes, auf dem weiter, wenn auch reduziert, geparkt werden kann. CDU-Mann Buhl mahnte in diesem Zusammenhang ein gutes Parkleitsystem an. „Man kann auch in der Nähe gut parken.“ Jeder solle sich selbst fragen: „Muss ich da wirklich mit dem Auto rein?“, ergänzt Fritschi.

Am Ende blieb noch die Frage: Wie soll es generell weitergehen in der Keplerstadt? Können neue Baugebiete neue Einwohner anlocken? Alfred Kappler von den Grünen sah darin eine Milchmädchenrechnung. „Die Einwohnerzahl bleibt dann gleich, aber die Leute müssen dann höhere Kosten für Abwasser, Straßen und so weiter finanzieren.“ Dagegen gebe es enorme Potenziale in der Innenentwicklung.

Man solle den Siedlungsdruck in der Region Stuttgart nutzen, Weil der Stadt sei sehr attraktiv als Wohnort, meinte Martin Buhl (CDU), der sich für Nachverdichtung und neue Wohngebiete aussprach. „Stillstand ist bei uns Rückschritt. Die Einwohnerzahl nimmt ab und dann wird es erst recht teurer“, mahnte Klaus-Peter Fritschi. Es sei aber nicht das Ziel, auf Gedeih und Verderb Große Kreisstadt zu werden.

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