Eine ehemalige Deponie in Weil der Stadt ist zum Standort der größten Solaranlage im Kreis Böblingen geworden. Sogar Schafe sollen dort bald zum Einsatz kommen.
„Schreiben Sie ruhig, dass es die größte Solaranlage im Kreis Böblingen ist“, sagt der Erste Landesbeamte und Landrat-Stellvertreter Martin Wuttke an die Adresse der Pressevertreterin. Nur die PV-Anlage auf der Deponie in Sindelfingen sei von der Größe her etwa vergleichbar. Rund 5000 Solarmodule können auf einem ehemaligen Auffüllplatz am Sägeweg zwischen Weil der Stadt und Schafhausen etwa zwei Megawattpeak Strom liefern.
„Wir sind ein bisschen stolz, dass wir das hier hinbekommen haben.“
Christian Walter, Bürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Energie Weil der Stadt GmbH
Die Energie Weil der Stadt (EnWdS) hat die Anlage im Dezember in Betrieb genommen. Seither hat sie laut der Geschäftsführung des kommunalen Unternehmens, an dem neben der Stadt Weil der Stadt auch die Energie Calw (ENCW) beteiligt ist, bereits rund 580 Megawattstunden Strom produziert, was ungefähr dem Jahresverbrauch von rund 200 Haushalten entspreche. Für das Gesamtjahr wird ein Ertrag erwartet, der dem Jahresverbrauch von rund 650 Haushalten entspricht.
Mit Solarenergie die Energiewende schaffen – geht das?
Diese PV-Anlage, für die die in der Stadt ansässige Firma Krannich die Module geliefert hat, ist das erste große Projekt der im Jahr 2021 gegründeten Energie Weil der Stadt GmbH. Deren Aufsichtsratsvorsitzender Bürgermeister Christian Walter erklärt bei der Vorstellung der Anlage, dass es von Anfang an klares Ziel gewesen sei, Ökostrom nicht nur zu vertreiben, sondern auch lokal zu produzieren.
„Wir sind ein bisschen stolz, dass wir das hier hinbekommen haben“, sagt Walter. In der Stadt seien im vergangenen Jahr 56 Gigawattstunden Strom verbraucht worden, die neue Anlage speise etwa zwei GWh ein. Das zeige, dass selbst eine solche Großanlage allein nicht reiche, die Energiewende zu schaffen. Man werde weiter auf städtischen Dächern PV-Module installieren, aber auch die Windkraft werde kommen.
Horst Graef, der sowohl Geschäftsführer der Energie Calw ist, als auch der EnWdS, dort zusammen mit dem Ersten Beigeordneten von Weil der Stadt Jürgen Katz, weist darauf hin, dass derzeit viele ähnliche Projekte wie das in Weil der Stadt „in der Pipeline“ stehen. Die 2007 gegründete Energie Calw GmbH, die sich als regionaler Energiedienstleister im Nordschwarzwald versteht, hat bereits mit einer Reihe von Kommunen in der Region Gesellschaften zur lokalen Energieversorgung gegründet, darunter auch mit Friolzheim, Gärtringen und Althengstett.
Man wolle nicht auf die großen Energieversorger warten, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort die Energiewende anpacken, sagte Graef. „Wir brauchen Autarkie in Sachen Energie“, betont auch der Erste Landesbeamte Martin Wuttke. „Sie bringen Kompetenz mit“, sagt er in Richtung der ENCW-Vertreter. Das zeige das PV-Projekt in Weil der Stadt, das auch Vorbildcharakter für andere Kommunen haben könne.
Es lief nicht von Anfang an rund
„Wir hatten durchaus unsere Lernkurve im Projekt“, ergänzt Jürgen Katz schmunzelnd. So sei etwa der Boden der ehemaligen Deponie nicht überall so gewesen wie angenommen, was zu Mehraufwand bei der Verankerung der Stützstreben für die PV-Module geführt habe. Dankbar sei man dafür, dass das Vorhaben ohne Bebauungsplan möglich gewesen sei. Die EnWdS habe mit der Hochschule Nürtingen ein wissenschaftliches Monitoring vereinbart, bei dem die Entwicklung der Biodiversität auf den Grünflächen nahe der Würm beobachtet werden soll. Jetzt, im Frühjahr, wächst das Gras zwischen und unter den Modulen bereits kräftig. Hier werden demnächst Schafe eines Schafhausener Schäfers ihren Dienst antreten. Der die Anlage umgebende Maschendrahtzaun lässt am Boden genug Platz, damit er für Kleintiere kein unüberwindbares Hindernis ist.
Beim Rundgang über das weitläufige Gelände weist Joachim Janssens, der Projektleiter der Schwarzwald Natur GmbH, die die Anlage errichtet hat, auf einen freien Bereich hin, auf dem künftig ein Batteriespeicher stehen könnte, der den Solarstrom auch abends und nachts verfügbar macht. Er berichtet, dass der Sägeweg für die Herstellung eines Anschlusses an den Netzknotenpunkt auf 200 Meter Länge aufgegraben werden musste. Auch diese Arbeiten fließen in die Gesamtkosten von 2,5 Millionen Euro für die PV-Anlage ein. Gerechnet werde mit einer Lebensdauer von mindestens 20 Jahren. Laut EnWdS-Geschäftsführer Jürgen Katz hat die Gesellschaft aktuell bereits 3200 Kunden.