Die Schriftzeichen auf dem Stein geben noch Rätsel auf. Foto: LKZ

Ein Hobby-Geologe hat einen Stein mit eingeritzten Inschriften entdeckt. Fachleute haben darauf akkadische Schriftzeichen identifiziert. Die aufwendige Entschlüsselung in der Universität Jerusalem ist noch nicht endgültig abgeschlossen.

Weil der Stadt - Die Worte „grün“, „später“, „Sie“ und „schwarz“ sind entschlüsselt. Doch vieles ist noch unklar. Es ist nur ein kleiner, unscheinbarer Stein, doch er könnte die Geschichte einer ganzen Region neu schreiben. Ein Hobby-Geologe hat ihn auf der Gemarkung Weil der Stadt beim Möttlinger Köpfle auf einem umgepflügten Acker gefunden. Das Faszinierende daran ist, dass darin Schriftzeichen eingeritzt sind, die ihn neugierig gemacht haben.

Fotos des etwa 7,5 Zentimeter hohen Steines hat der Weil der Städter an das für Baden-Württemberg zuständige Institut für Geo- und Umweltnaturwissenschaften in Freiburg geschickt. Die Fachleute haben auf dem Fund akkadische Schriftzeichen ausgemacht, wie sie vor Tausenden von Jahren von den Sumerern genutzt wurden, und die Archäologie der Universität in Jerusalem eingeschaltet.

3700 Jahre sind die Schriftzeichen etwa alt

Die dortigen Wissenschaftler konnten bisher nur wenige der mehr als 100 Zeichen zusammenfügen, stellten jedoch das Alter des Artefakts auf etwa 3700 Jahre fest. Außergewöhnlich ist zudem, dass die Schriftzeichen in den weichen Stein geritzt wurden, denn die Sumerer haben für ihren Schiftverkehr gewöhnlich Tontaflen verwendet. Die Zeichen wurden dabei in den weichen Ton eingeritzt und die Tafeln dann gebrannt, um sie haltbar zu machen. Auffallend bei dem Stein ist auch, dass die Schriftzeichen sehr grob ausgefallen sind, denn die sumerischen Tontafeln weisen eher eine feine Handschrift auf, die davon zeugt, dass sie von geübten Schreibern verfasst wurden.

Das jetzt bei Weil der Stadt gefundene Stein-Fragment dürfte trotzdem das mit Abstand älteste Schriftstück sein, das je in Europa gefunden wurde. Sobald weitere Erkenntnisse zu dem Fund vorliegen, werden wir berichten.

Als Sumerer wird ein Volk bezeichnet, das im Gebiet von Sumer im südlichen Mesopotamien im 3. Jahrtausend vor Christus lebte. Auch Zweistromland genannt, bezeichnet es die Kulturlandschaft in Vorderasien, die durch die großen Flusssysteme des Euphrat und Tigris geprägt wird.

Die Sumerer gelten als erstes Volk mit einer Hochkultur. Besonders die Erfindung der Keilschrift, die so etwas wie eine Urvorlage der heutigen europäischen Schriften ist, gilt als hervorragende Leistung der Sumerer, ebenso die Erfindung der Bürokratie.

Lokalhistoriker ist begeistert

„Das ist ein sensationeller Fund“, sagt der Weil der Städter Lokalhistoriker Wolfgang Schütz. „Wenn bisher Spuren von Sumerern irgendwo gefunden wurden, dann war es ein Zeichen für einen regen Handel“. Als Erfinder der Bürokratie, wisse man von ihnen, dass sie alles peinlich genau aufgezeichnet haben, so Schütz.

Interessant wäre jetzt, so Schütz, die Inschrift auf dem Stein zu entziffern, um herauszufinden, was die Sumerer so weit nach Westen gebracht hat. Die Gegend sei immer wieder für allerlei Völker und Eroberer interessant gewesen. Dass sie schon vor 1075, als Weil der Stadt zum ersten Mal urkundlich im Formular des Klosters Hirsau erwähnt wurde, besiedelt gewesen ist, zeige auch der Fund von römischen Hufeisen-Nägeln, die seinerzeit bei der Sanierung des traditionsreichen örtlichen Gasthauses Rössle gefunden wurden.

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