Weinverkostung mit vier Winzern per Skype – ein spannendes Experiment. Foto: FACTUM-WEISE

Das Programm Skype macht es möglich, den Menschen auf der anderen Seite der Datenautobahn sehen, wenn eine Kamera am Gerät installiert ist. Denn das ist die Idee des Weinhändlers aus Weil der Stadt: Er will die Güter im fernen Spanien oder der Toskana quasi ins Wohnzimmer liefern.

Weil der Stadt - Klaus Tscheres ist aufgeregt: Etliche Male hatte er den Ernstfall geprobt und seine Winzer auf Weingütern in Frankreich, Italien und Spanien übers Internet direkt auf den Bildschirm geholt. Das Programm Skype macht es möglich, den Menschen auf der anderen Seite der Datenautobahn nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen, wenn eine Kamera am Gerät installiert ist. Denn das ist die Idee des Weinhändlers aus Weil der Stadt: Er will rund 40 Interessierten die Güter im fernen Spanien oder der Toskana quasi ins Wohnzimmer liefern.

Dies ist an diesem Abend die gute Stube des Landgasthofs 1610 in Merklingen. Das Lokal und seine Betreiber Robert Schmidt und Hermann Reiner sind bekannt für allerlei Aktionen und Veranstaltungen sowie für ihre Kochkünste. Kulinarische Weinprobe steht also auf dem Programm – der 55-jährige Tscheres sorgt für Flüssiges, die Gastronomen für ein passendes Menü aus kleinen, aber feinen Speisen. Was aber diesen Abend nach einigen Anlaufschwierigkeiten zu etwas Besonderem machen sollte, sind die Betreiber von vier ausgewählten Weingütern, die direkt zu und mit den Gästen sprechen. „Ich hätte sie gern alle hierher eingeladen, aber das wäre zu aufwendig gewesen“, sagt Tscheres, im Hauptberuf Beamter. Also kam er auf die Idee mit Skype und beteuert: „Ich habe im Internet erst eine ähnliche Aktion gefunden. Es wäre eine Weltpremiere, wenn’s funktioniert.“ Doch schon der erste Versuch, den Weinspezialisten Thore Koennecke von der Domaine La Louvrière in der Nähe der südfranzösischen Stadt Carcassonne zu erreichen, scheitert zunächst. „Ich glaube nicht, dass der Thore noch online geht. Der hat das einfach vergessen“, kommentiert Tscheres nach einer Weile die Funkstille.

Live-Schalte nach Südfrankreich

Der Stimmung in der Gaststube tut das indes keinen Abbruch, gibt es doch Leckeres im Glas und auf dem Teller. Auch Familie Grigoletti am Gardasee bleibt stumm. Ist er selbst überhaupt online, fragt sich der Veranstalter. Ja, doch, der Check zeigt es an. Sind seine Kontakte auch am PC? Plötzlich ist ein Gesicht auf dem Bildschirm zu sehen, ein junger Mann, „der gar nicht so aussieht wie ein Kellermeister“, so Tscheres. Es ist der Önologe aus dem Südfranzösischen, der mit großem Hallo und viel Beifall begrüßt wird. Thore Koennecke erzählt, wie der Wein am Fuße der Pyrenäen angebaut wird und warum das Gut übersetzt „Der Wolfsplatz“ heißt. Den Produzenten jenes Weins, den man gerade im Glas hat, zu sehen und ihm zuzuhören, wie er von seiner im Weinberg und im Keller Arbeit erzählt, das wirkt schon sehr authentisch. Fast könnte man meinen, er sitzt mit am Tisch, würde nicht ab und zu die Datenübertragung für Hänger in Bild und Ton sorgen.

Nun ist der Bann gebrochen und auch die Vertreter der anderen Weingüter tauchen auf der Mattscheibe auf, die sympathische Familie aus dem Trentino etwa, die komplett mit Eltern, Kindern und Großeltern am Computer sitzt, um für ihren Tropfen zu werben. Ihre Sprecherin ist die charmante Marica Grigoletti, die so viel weiß über die Arbeit auf ihrer Azienda Agricola. „Haben Sie schon unseren Wein probiert?“ fragt sie ihr Publikum vor sich auf dem Bildschirm. „Ja“, schallt es vielfach zurück. Und als die Winzerin „Salute“ ruft, klingen diesseits und jenseits von Skype die Gläser. Keine Frage, die Weinfreunde nehmen die neuartige Präsentation edler Tropen begeistert an. Der Mensch macht’s eben, selbst wenn er nur auf dem Bildschirm präsent ist.

Spanien und Italien melden sich per Video

So kommen schließlich auch noch Heiner Sauer, der Pfälzer Winzer mit den Bodegas Palmera bei Valencia, und Vicky Schmitt-Vitali aus der Fattoria Le Fonti im Chianti zu Wort, letztere ausschließlich, denn das Bild will nicht klappen. Wer nun glaubt, dass der Computer allein schon alle Bedürfnisse erfüllt, wird rasch eines Besseren belehrt. Denn die Einladung der toskanischen Winzerin zum Besuch eines Weinfestes wird sofort lebhaft aufgenommen und mit viel Applaus begrüßt, der Termin notiert mit den Worten: „Wir chartern einen Bus!“ Klaus Tscheres ist am Ende zufrieden. Zwar nicht auf Anhieb, aber dann doch hat seine Idee funktioniert. Das inspiriert ihn sofort zu Neuem: Bei seiner sommerlichen Weinprobe im Garten möchte er wieder einige Winzer einladen, via Skype bei diesem Event dabei zu sein.

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