Narren unter sich: Steckentäler-Boss Jürgen Frey, Zunftmeister Daniel Kadasch und Narrenchef Michael Borger. Foto: factum/Archiv

Die fünfte Jahreszeit steuert auf ihren Höhepunkt zu: Am 2. März pilgern wieder Tausende Narren aus Nah und Fern zum großen Umzug in die Keplerstadt. Doch so ein Spektakel muss von langer Hand geplant und gut durchdacht sein.

Weil der Stadt - Der Countdown läuft, nur noch acht Tage bis zum großen Umzug. Dann ziehen wieder Tausende Narren ihr Unwesen und die ganze Stadt steht Kopf. Drei donnernde „AHA“ schallen durch die Gassen, wenn sich die bunten Wagen, begleitet von zahlreichen Maskengruppen und Kapellenmusik, durch die Weiler Innenstadt schieben. Doch wie sieht es eigentlich hinter den Kulissen der Weiler Fasnet aus, die in der Keplerstadt schon eine Jahrzehntelange Tradition hat?

Das A und O ist die Organisation. Und in die steckt die Narrenzunft viel Zeit und Muße. Denn am Umzugstag muss alles reibungslos ablaufen, nichts darf dem Zufall überlassen werden. „Wir haben ja auch eine Verantwortung“, erklärt der AHA-Chef Michael Borger. Schließlich drängen an solch einem Sonntag bis zu 50 000 Menschen in der Innenstadt. Mehrere Hundert Helfer sind im Einsatz, sorgen für Sicherheit und Ordnung während des Umzugs. Dabei gelten strenge Regeln. „Spätestens seit dem Vorfall bei der Love-Parade in Duisburg sind die Vorschriften verschärft worden“, sagt der Zunftmeister Daniel Kadasch. Die Zusammenarbeit mit der Stadt und den Ordnungsdiensten funktioniere aber problemlos, ergänzt Michael Borger.

Wie lange es dauert, dieses riesige Spektakel auf die Beine zu stellen? Eigentlich das ganze Jahr über, erzählt Daniel Kadasch, der seit 2008 Zunftmeister ist und als solcher die großen Reden schwingt. Wie lange er an einer solchen sitzt, kann er übrigens gar nicht so genau sagen. „Mal dauert es eine Flasche Rotwein“, sagt Kadasch und grinst, ein anderes Mal bekomme er tagelang nichts aufs Papier, und plötzlich sprudeln die Ideen.

Zu tun gibt es auf jeden Fall immer etwas. Nach Ostern schickt Kadasch die Einladungen raus. Denn beim Umzug sind nicht nur die AHA-eigenen Gruppen und Wagen mit von der Partie, sondern auch fremde Zünfte und Musikkapellen. Um den närrischen Nachwuchs zu fördern, lädt die AHA jedes Jahr junge Zünfte ein. Ansonsten ist es wichtig, dass die Maskengruppen zueinander passen. Nur Hexen – das kommt gar nicht in die Tüte. „Wir wollen den Zuschauern ja Abwechslung bieten“, erklärt der Narren-Chef Michael Borger. Frei nach dem Motto: je kreativer und schräger, desto besser.

Was so ein Umzug kostet? „Ordentlich Nerven“, sagt der Zunftmeister und lacht. Und, ganz nebenbei, stolze 30 000 Euro. Um die wieder reinzubekommen, müssen die Narren satte 10 000 Eintrittsplaketten verkaufen. Und eigentlich noch mehr. Denn 12 000 Euro kosten allein die drei Busse samt Fahrer, mit denen die Narren während der Saison unterwegs sind, um befreundete Zünfte zu besuchen. Am Rosenmontag ist es übrigens wieder soweit, dann reisen ein paar der insgesamt 1200 AHA-Mitglieder zum Fasnets­umzug nach Kappel am Rhein.

Aber zurück zum großen Auflauf, der am 2. März die ganze Stadt in ein einziges närrisches Treiben verwandelt. Auf das sind die Weiler Narren übrigens besonders stolz. Denn: „Bei uns herrscht noch richtige Fasnet“, erklärt Michael Borger. Und spielt damit auf das Niveau an, das vor allem einigen noch jungen Zünften häufig fehle. Riesige Boxen auf den Wagen, laute Musik und jede Menge Alkohol – in den Augen von Borger und Kadasch hat das nichts mit der Fasnetstradition zu tun. Diese sei nämlich über viele Jahre gewachsen und müsse auch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit bewahrt werden. „Der Spaß kommt bei uns aber trotzdem nicht zu kurz“, sagt Kadasch. Der erste Umzug der AHA fand im Jahr 1938 statt. Und ist seither erst ein einziges Mal ausgefallen: während des Golfkriegs 1991.

In einer Woche schallt es also wieder durch die Gassen: „AHA! AHA! AHA!“ Das Programm steht, jetzt hoffen die Narren nur noch auf gutes Wetter. Chef-Narr Borger ist guten Mutes: „Am 11.11 hat’s geregnet, also scheint beim Umzug die Sonne.“

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