Im Dienste der Natur: auf dem Käppelesberg machen sich die Naturschützer zu schaffen. Foto: factum/Bach

Nabu, Regierungspräsidium und Landratsamt roden Bäume und Hecken und erhalten Lebensräume.

Weil der Stadt - Es ist ein verregneter Samstagmorgen, auf dem Käppelesberg in Schafhausen heulen Motorsägen. Dann knickt die hochgewachsene Esche um und fällt mit dem Geräusch von splitterndem Holz zu Boden. Schnell ist sie zerkleinert, und die Männer mit den Schutzhelmen und den Warnwesten nehmen sich den nächsten Baum vor. Der neunjährige Torben und sein Vater Christoph Kasulke ziehen Äste und Zweige aus dem Dickicht und türmen diese auf einen schon recht großen Haufen.

An die 35 Männer, Frauen und Kinder vom Naturschutzbund (Nabu) Weil der Stadt haben zusammen mit dem Stuttgarter Regierungspräsidium und dem Landratsamt Böblingen in der Naturlandschaft um Schafhausen Hecken gerodet, damit sie wieder optimal nachwachsen können. „Unten dicht und oben licht muss eine Hecke sein“, sagt Ulrike Möck, die Leiterin des Naturschutzreferates im Regierungspräsidium. Durch Bäume, die zwischen den Büschen wachsen, wird die Hecke nach unten lichter und verliert für etliche Kleintier­arten als Lebens- und Schutzraum an Attraktivität. Eine dieser in Hecken brütenden Tierarten ist der Neuntöter, ein Vogel.

Die Pflegeaktion am Käppelesberg ist Bestandteil des 111-Artenkorbs, einem Baustein des Aktionsplans „Biologische Vielfalt“ des Landes Baden-Württemberg. Hierfür wurden 111 Tier- und Pflanzen­arten ausgewählt, für die das Land eine besondere Verantwortung trägt. Die Projekte verfolgen dabei zwei Ziele: Sie helfen, Lebensräume bestimmter Pflanzen- und Tierarten durch bestimmte Maßnahmen zu sichern – und sie sollen die Öffentlichkeit auf die Bedeutung der biologischen Vielfalt aufmerksam machen.

Über die Jahre ist alles zugewachsen

„Es wäre schön, wenn das alles von alleine so bliebe, aber so ist es nicht“, sagt Wolf Eisenmann, der Erste Landesbeamter im Landkreis, bezüglich der Erhaltung der typischen Heckenlandschaft im Heckengäu. Die Landschaften selbst sind in vielen Jahrhunderten durch menschliches Zutun entstanden. Die Hecken wachsen auf sogenannten Steinriegeln, unstrukturierte, zumeist mit Moos bewachsene Steinhaufen. Die Steine wurden von Bauern an den Rand, an die Grenzlinien zwischen den Parzellen geworfen und türmten sich dort auf. Als der Ackerbau mehr und mehr an Bedeutung verlor, wuchsen diese Steinriegel zu, wurden überwuchert von Schwarzdorn, Weißdorn, Hartriegel, Vogelkirsche und Feldahorn und bildeten als dichte Hecken einen neuen Lebensraum für Kleintiere.

„In der Hecke brüten die Vögel im Fuß der Hecke. Die Vögel, die oben brüten, das sind Waldvögel“, erklärt Rolf Rempp, der Vorsitzender der Weiler Nabu-Gruppe. „Wenn die Hecke ihren typischen schirmartigen Wuchs hat, dann läuft der Fuchs vorbei und kriegt gar nicht mit, dass dort Vögel brüten.“

Hecken dienen als Schutzräume

Hohe Bäume spenden Schatten und lassen die Büsche eher im oberen Teil sprießen. Die Hecke wächst nach oben heraus und erfüllt ihre Funktion als Schutzraum nicht mehr. Vor allem Eschen wachsen in großer Zahl in den Hecken zwischen Schafhausens Feldstücken. „Wir haben 2006 erstmals 150 Eschen herausgenommen, die hier zu mächtig geworden sind“, sagt Naturschützer Rempp. Nun folge sozusagen der zweite Abschnitt. Bereits 44 Eschen wurden gelegt. Um den Tieren nicht den gesamten Schutzbereich zu nehmen, wird in 20-Meter-Abschnitten gerodet. Dazwischen bleiben die Hecken stehen. „Nach vier Jahren sollte der nächste Abschnitt gemacht werden, nach zwölf Jahren ist die Hecke dann wieder komplett nachgewachsen“, erklärt Rempp. Der Neuntöter hat derzeit im sonnigen Süden Quartier bezogen und kommt erst im April bis Mai wieder zurück in sein dann neu gerichtetes Zuhause.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: