Perfektion bis in die (Zungen-)Spitze: Foto:  

Martin Gairhos und etwa 40 ehrenamtliche Helfer haben derzeit alle Hände voll zu tun, um die 15 Wagen der Narrenzunft AHA für den großen Weil der Städter Festumzug am Sonntag fertig zu bekommen.

Weil der Stadt - Da behaupte noch mal einer, sie diene nach dem Lesen nur dazu, Fisch auf dem Markt einzupacken. Stapelweise türmt sich die „Leonberger Kreiszeitung“ in der Wagenbauhalle im Weiler Spittl. „Seit diesem Jahr schaffen wir viel mit Pappmaschee“, sagt Martin Gairhos, „das ist einfach und günstig zu verarbeiten.“ Pappmaschee? Ja, das ist die Masse aus altem Zeitungspapier und viel Kleister, sagt er. „Wie wir es damals in der Schule gelernt haben.“ Martin Gairhos ist der Chef der Wagenbauer bei der Weiler Narrenzunft. Jedes Jahr baut er zusammen mit seiner Mannschaft etwa 15 neue Wagen für den großen Umzug am Fasnetssonntag. Abend für Abend steht er dafür zurzeit in der Wagenbauhalle und unterstützt seine Mannen bei deren Kunstwerken. Zum Beispiel Bernd Voko. Wahrlich zufrieden sitzt er in einem kleinen gelben Schiff. „Würmschiffer“ steht auf der Reling. Doch das ist bei Weitem nicht alles, was Bernd Voko und sein Team produziert haben. Das Schiff ist nämlich auf einen großen blauen Walfisch montiert. „18 Tage haben wir geschuftet“, sagt Voko.

Und da ist sie wieder, die Diva, die „Leonberger Kreiszeitung“. Aber was wäre ein Star ohne seinen Visagisten? Vier Kübel Tapetenkleister haben die drei Bastler benötigt, um die Postillen entsprechend in Szene zu setzen. „Da haben wir mehrere Jahrgänge verbaut“, sagt Bernd Voko. Dazu 20 Paletten, die den Walfisch im Inneren halten, und 10 000 Tackerklammern, damit nicht alles auseinanderfällt.

Auch das Brett, das die Räder des Umzugswagens bedeckt, darf nicht abfallen. „Prosit“ seht darauf. „Aber in einer modernen Schrift“, erklärt Klaus Gann, den aber alle hier nur unter seinem Künstlernamen „Fuzzy“ kennen. „Bis die kleinen Kinder eine altgothische Schrift beim Umzug entziffert haben, ist der Wagen schon längst wieder weitergefahren“, sagt er, als er über einem großen Topf roter Farbe steht. Die braucht „Fuzzy“ nämlich für den Schriftzug „Fighters Heaven“, der den Boxring-Wagen zieren soll.

Zusammenboxen muss Martin Gairhos die etwa 40 Leute, die er jedes Jahr für den Wagenbau braucht, noch nicht. „ Aber junge Leute zu bekommen ist nicht so einfach.“ Jeden November treffen sich die Wagenbaukünstler und besprechen neue Ideen. „Da haben viele aber noch keine Vorstellung davon, was sie machen könnten“, sagt Gairhos. Dann muss eben ein Geistesblitz her. Oder ein Wunsch. „Wir wollten beim Umzug auf der Schaufel eines Radladers hoch- und runterfahren“, sagt Rolf Obermeier schmunzelnd, „deshalb kamen wir auf die Idee eines fliegenden Teppichs.“ Und weil in „1001 Nach“ der Junge Aladin einen solchen Teppich besitzt, war auch der andere Gegenstand für den Umzugswagen schnell gefunden: die magische Wunderlampe – die nur noch getüncht werden muss.

Kuschelig warm haben es die Handwerker in ihrer Halle. „Der große Spitalbrand 1999 hatte auch seine Vorteile“, sagt Martin Gairhos. Denn beim Wiederaufbau konnten Stromanschluss und eine Heizung gleich eingeplant werden. Auch einen Aufenthaltsraum gibt es jetzt. In dem genießt Bernd Voko seinen Feierabend und sinniert über früher. „Da haben die Weiler Bauern auf ihren Höfen die Wagen gebaut“, sagt er, „und wir Kinder sind an den drei Samstagen vor der Fasnet von Hof zu Hof gelaufen und haben geschaut, wo wir helfen konnten.“

Das ist dann aber schon kaum mehr akustisch zu verstehen, denn nebenan flext Maikel Vukov an einem großen Metallgestell. „Das wird unsere Abhörkuppel, wie sie schon die DDR für ihre Spionage benutzt hat“, sagt er. Vukovs Team hat sich ein aktuelles politisches Thema ausgesucht, denn auch ein großes Merkel-Handy haben sie schon gebastelt. Und über allem soll dann ein großes Ohr thronen, für das die Bastler dann wohl noch viel, viel Zeitung benötigen. Der Nachschub für diesen sehr wertvollen Rohstoff immerhin dürfte nicht ausgehen.

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