Die Staatssekretärin Gisela Splett und der Grünen-Landtagsabgeordnete Bernd Murschel schauen (nicht) in die Röhre. Foto: dpa

An der Landesstraße zwischen der Keplerstadt und dem Teilort Schafhausen entstehen drei neue Krötentunnel. Die einen finden das 170 000 Euro teure Projekt gelungen, den anderen fehlt dabei die letzte Konsequenz.

Weil der Stadt - „Hin und wieder zurück“ – der Untertitel von J.R.R. Tolkiens Buch „Der Hobbit“ gilt für die Kröten und Lurche zwischen Weil der Stadt und dem Teilort Schafhausen schon lange. „Hin“ heißt für die Tiere in diesem Fall: im Frühjahr den Berg hinunter in Richtung Nordosten zum Maisenbachweiher jenseits der Landesstraße 1182. Dort laichen die Tiere und kehren schließlich wieder „zurück“, auf demselben Pfad.

Dumm nur, dass dieser über eine viel befahrene Straße führt. Doch bald können Lurch, Kröte und Frosch den tödlichen Autoreifen entkommen. Denn zurzeit entstehen an der Fahrbahn sogenannte „Amphibientunnel“. Durch die rund 70 Zentimeter breiten Röhren können die Tiere problemlos die Seiten wechseln. Drei dieser Tunnel werden noch bis voraussichtlich 6. Dezember auf einer Strecke von 425 Metern gebaut. Drei existieren bereits seit dem Jahr 2009.

Um sich ein Bild von den Arbeiten zu machen, hatten sich am gestrigen Nachmittag allerlei Vertreter aus Landes-, Kreis- und Kommunalpolitik an der Baustelle eingefunden. Die Staatssekretärin Gisela Splett (Grüne) packte sogar selbst mit an. „Symbolisch“, wie auf der Pressemitteilung vorab vermeldet, half sie mit, eines der Betonelemente an seinen Bestimmungsort zu setzen. „Wir heben manchmal ein Projekt heraus, indem wir einen Vor-Ort-Termin machen“, sagte Splett, die im Kabinett Kretschmann zuständig ist für Verkehr und Infrastruktur. Dann schritt sie zur Tat an dem 170 000 Euro teuren Projekt. Die Kosten dafür trägt das Land.

Zur illustren Runde zählten auch der Leonberger Grünen- Landtagsabgeordnete Bernd Murschel sowie Florian Wahl (SPD). Vom Kreis war Vize-Landrat Wolf Eisenmann gekommen, die Erste Beigeordnete Susanne Widmaier vertrat die Stadtverwaltung. Aus dem Weil der Städter Gemeinderat waren unter anderem Dietmar Spreer von der FDP und Moritz Brombacher (Grüne) dabei, als Gisela Splett verkündete: „Wir bauen ein Verbundsystem zwischen den Lebensräumen, eine grüne Infrastruktur.“

Erdkröte, Grasfrosch und Bergmolch sind also nun vernetzt, wenn man so will. Das aber nur an bestimmten Stellen: den Tunneln. Dazwischen verhindern spezielle Betonplanken, dass die Tiere auf die Straße gelangen. Die Fugen, die momentan noch zwischen den einzelnen Elementen vorhanden sind, machen die Arbeiter noch dicht. „Damit Jungtiere oder Frösche nicht durchschlüpfen können“, so der Landschaftsplaner Klaus Brückner, der das Vorhaben auf dem Papier betreut hat.

Allerdings sind nicht alle zufrieden mit den neuen Durchlässen. Werner Retz, Vorsitzender des Fischerei- und Gewässerschutzverbandes für Enz und Würm, kritisierte: „Wenn man so etwas macht, muss man es auch fertig machen.“ Und das sei in seinen Augen nicht geschehen. „50 Meter fehlen dann immer noch“, sagte der Spezialist für Fluss- und Teichlebewesen aller Art, den Blick dabei in Richtung Schafhausen gerichtet. Mit ihm habe niemand gesprochen, was sinnvoll gewesen sei. „Da heißt es immer ‚Bürgerbeteiligung’, aber gefragt wird keiner“, polterte er. „Wir müssen jetzt erst einmal sehen, wie sich das entwickelt“, bat Klaus Brückner im Gegenzug um Geduld.

Andere wiederum begrüßten das Vorhaben, auch wenn sie Retz in dessen Sache Recht gaben. „Es ist ein gutes Projekt, denn früher hat man noch Eimer eingegraben, die jeden Tag geleert werden mussten“, sagte etwa Rolf Rempp, der zweite Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Weil der Stadt. „Das ist unglaublich umständlich. Genau so wäre es auch ein Riesenaufwand, das verbliebene Teilstück mit klassischen Krötenzäunen und Eimern zu versehen.“

Dennoch, die positive Resonanz überwog an diesem sonnigen Montagnachmittag, während Planer Brückner die Details der Tunnels weiter ausführte: „Innen ist der Untergrund aus Erde, vor den Eingängen aus Schotter, damit nichts zuwachsen kann.“ Außerdem auffällig: das noch abgedeckte Stahlgitter über die Feldwegzufahrt. Im Frühjahr werden die Deckel abgenommen, damit Frösche und Lurche in die Gräben plumpsen, die zu den Tunneln Führen.

Aber: die Durchgänge taugen augenscheinlich nicht nur für Amphibien. Füchse könnten so wohl auch gefahrlos die Fahrbahn queren. Für einen Hobbit, obwohl bekanntermaßen von kleiner Statur, würde es aber vermutlich etwas eng.