Die neunjährige Klara Nock beherrscht die Vertikaltücher. Foto: Horst Rudel

Tiernummern gibt es bei dem kleinen Zirkus nicht, dafür eine ganze Reihe von Artisteneinlagen. Der jüngste Star in der Manege ist erst zwei Jahre alt. Am Freitag hat der Zirkus Nock im Eislinger Schlosspark Premiere gefeiert.

Eislingen - Die neunjährige Klara Nock hat kein Lampenfieber, bevor sie die Manege betritt, um dem Publikum ihre Kunststücke zu präsentieren. „Sie hat eher Angst, dass niemand kommt und die Show dann nicht stattfindet“, sagt ihre Mutter Joanna Nock, die gemeinsam mit ihrem Partner Manuel Schickler den Familienzirkus Nock betreibt. An diesem Freitag hat die neunköpfige Truppe ihre Premiere in Eislingen gefeiert. Bis einschließlich 6. Januar gastiert der Zirkus im Schlosspark.

Tiere gibt es in der Varieté-Show nicht, dafür eine Trampolinnummer, einen Messerwerfer, eine Handstand-Show in acht Metern Höhe, diverse Balanceeinlagen und Vorführungen am Trapez, am Ring und auf dem Drahtseil. Auch Klara zeigt auf dem Drahtseil, was sie kann. „Sie macht das richtig gut. Sie springt und rennt regelrecht über das Seil“, sagt ihre Mutter. Drei Darstellerinnen sind noch jünger als Klara, die jüngste ist gerade mal zwei Jahre alt. „Wir sind da alle einfach reingewachsen“, sagt der 14-jährige Diego Schickler.

Die Kinder lieben das Zirkusleben

Zur Schule gehen die Kinder dort, wo der Zirkus gerade Halt macht. „Die Kinder tun sich da aber oft schwer, weil unterschiedliche Schulen unterschiedlich weit im Stoff fortgeschritten sind“, sagt Joanna Nock. Trotzdem habe das Paar seinen Kindern die Option Zirkus offengelassen. „Die Kinder lieben dieses Leben einfach“, fährt die 33-Jährige fort. Einen festen Wohnsitz hat die Patchworkfamilie nicht. Sie ist das ganze Jahr mit ihrem Zirkus auf Tour. Wenn die Artisten keine Aufführungen haben, kampieren sie auf einem Stellplatz. Geschlafen wird in mehreren Wohnwagen, Küche und Bad befinden sich in einem separaten­ Anhänger.

Einfach ist das Zirkusleben nicht. „Wenn wir in eine neue Stadt kommen, begegnen uns die Menschen oft mit Skepsis“, sagt Joanna Nock. Von der Stadt Eislingen fühlt sich die Familie gut aufgenommen. „Es ist eine Bereicherung, dass der Zirkus hier über die Weihnachtszeit gastiert. Und wir haben den Platz dafür“, sagt der Eislinger Oberbürgermeister Klaus Hei­nin­ger. Die Anfrage des Zirkus’ sei im Verwaltungsausschuss – verbunden mit diversen Auflagen – genehmigt worden. Die Stadt habe sich zuvor auch erkundigt, ob der Zirkus einen Anschlussstandort hat, um sicherzustellen, dass er zur vereinbarten Zeit weiterzieht. „Und das hat er“, sagt Hei­nin­ger. „Es gibt also keinen Grund, warum wir das nicht anbieten sollten.“

Geld-zurück-Garantie für unzufriedene Besucher

Jetzt hoffen Joanna Nock und ihre Familie, dass die Menschen den Zirkus annehmen und die Veranstaltungen besuchen. „Wir sind halt einfach ein kleiner Zirkus, der nicht zu 100 Prozent perfekt ist“, sagt sie. Jeder von ihnen sei zwar bestrebt, alles richtig zu machen, aber wo Menschen beteiligt seien, passierten Fehler. „Wir haben hier auch eine Geld-zurück-Garantie. Wer unzufrieden raus geht, bekommt sein Geld zurück.“ Laut der Artistin passiere das in der Regel nicht, denn der Zirkus mit überschaubarer Besetzung habe einen Vorteil gegenüber den Großen: „Die Leute wollen Stars zum Anfassen.“ Und beim Zirkus Nock sitzen die Besucher nur eine Armlänge von den Akrobaten entfernt.

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