Weihnachten steht nichts mehr im Wege. Die Buden auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt sind aufgebaut, die Dächer geschmückt. Foto: Leif Piechowski

Seit Jahren will die Stadt aus Sicherheitsgründen Gas vom Weihnachtsmarkt verbannen. Gelungen ist das noch nicht, denn es gibt kein generelles Gasverbot. Das könnte sich 2014 ändern. Die Marktbeschicker lehnen ein Verbot allerdings ab.

Seit Jahren will die Stadt aus Sicherheitsgründen Gas vom Weihnachtsmarkt verbannen. Gelungen ist das noch nicht, denn es gibt kein generelles Gasverbot. Das könnte sich 2014 ändern. Die Marktbeschicker lehnen ein Verbot allerdings ab.

Stuttgart - Mit Gasheizstrahlern ihre Buden heizen dürfen die Marktbeschicker auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt längst nicht mehr. Denn Wollkleidung kann schnell Feuer fangen. Seit etwa zwei bis drei Jahren versucht die Stadt aber auch, darauf hinzuwirken, dass von den rund 50 Gastronomiebetrieben beim Brutzeln von Bratwürsten, Erhitzen von Glühwein und Brennen von Mandeln auf Gas verzichtet wird. Noch wird dabei auf Einsicht statt auf ein Verbot gesetzt. Doch 41 Imbiss- , Süßwaren- und Glühweinanbieter hantieren immer noch mit Gas. „Will man das Risiko von Explosionen ausschalten, muss man ganz auf Gas verzichten“, sagt Ralf Maier-Geißer vom Amt für öffentliche Ordnung.

Obwohl es bereits acht Jahre her ist, erinnern er und seine für die Sicherheit verantwortlichen Kollegen sich immer noch an das Feuer auf dem Weihnachtsmarkt. Damals, 2005, explodierte in einem Stand vor dem Königsbau eine Gasflasche. Die Standbetreiberin und ein Polizist, der sie aus den Flammen ziehen wollte, erlitten schwere, eine Mitarbeiterin leichte Verletzungen. Wenn er auf die Gefährlichkeit vom Umgang mit Gas bei öffentlichen Festen und Veranstaltungen hinweist, zeigt Maier-Geißer das Video mit dem lichterloh brennenden Stand.

Kundenwünsche nicht mehr erfüllbar

Viele Betreiber von Imbiss-, Glühwein- und Süßigkeitenstände wollen bisher aus Kostengründen nicht auf Gas verzichten. „Das ist wesentlich billiger als Strom“, sagt ein Beschicker, der auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt Glühwein, Rote und Co. verkauft, aber nicht genannt sein möchte. Ein Kollege, der das gleiche Angebot hat und ebenfalls ungenannt bleiben möchte, um es sich mit der Stadt nicht zu verderben, weist auf die hohen Investitionen hin: Bei der Umstellung müsste er mindestens 10.000 Euro in neue strombetriebene Geräte investieren.

Manfred Wölfle (70), der gebrannte Mandeln und Süßwaren anbietet, hält einen kompletten Verzicht auf Gas für übertrieben. Unfälle passierten dann, wenn, wie bei der Explosion 2005, Laien mit Gas arbeiteten, sagt er. Ihm geht es weniger um die zusätzlichen Kosten durch die Umstellung auf Strom, sondern um die Wünsche seiner Kunden. „Die wollen ganz frisch gebrannte, noch heiße Mandeln. Mit Strom könnte ich das nicht bieten, da müsste ich meine Mandeln vorproduzieren.“

Davon, dass auch Profis beim Umgang mit Gas Unfälle verursachen können, ist man hingegen beim Ordnungsamt überzeugt: „Bei Minusgraden können die Gasflaschen zugefroren sein. Dreht man sie dann mit dem Schraubenzieher auf und es entströmt zu viel Gas, kommt es zum Knall“, sagt Maier-Geißer. Das Argument vieler Gastronomen, dass es bei mehr als 300 Weihnachtsmarktständen zu wenig Strom für alle Buden gibt, lässt Maier-Geißer nicht gelten. Denn auf Antrag der Stadt habe der Energieversorger EnBW Markt- und Schillerplatz mit Stromquellen in ausreichender Zahl versorgt. Auch Vergleiche mit Wasenfesten und dem Fischmarkt halten laut Maier-Geißer nicht stand. Denn dort seien feste Gasleitungen aus Metall statt Schläuche installiert, und damit sei das Gefahrenpotenzial ausgeschaltet.

Laut Meier-Geißer läuft die Übergangsfrist für die Umstellung mit diesem Jahr ab. Bei hohem Gefährdungspotenzial, das durch die Menge der Weihnachtsmarktbesucher gegeben sei, könne man das Hantieren mit Gas verbieten – und zu einem solchen Verbot tendiere das Ordnungsamt. Auch der stellvertretende Leiter der Berufsfeuerwehr Stuttgart ist für ein Verbot „Es sind sehr viele Sicherheitsvorkehrungen durchgesetzt, aber ein Restrisiko bleibt immer“, sagt Stefan Eppinger.

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