Die Mühlenweihnacht in der Glattenzainbachmühle bei Murrhardt setzt auf Tradition statt Kommerz. Jetzt hören die Initiatoren auf – wie geht es nächstes Jahr weiter?
Auf beiden Seiten entlang des kurzen Weges, der vom Feuerwehrhaus in Kirchenkirnberg zur Mühle im Wald führt, brennen am Samstag und Sonntag wohl Hunderte von Teelichtern in Gläsern. Sie leuchten den zahlreichen Besuchern und Besucherinnen den Weg zur Mühlenweihnacht rund um die Glattenzainbachmühle. Denn die märchenhafte Veranstaltung bietet Tradition statt Kommerz als Einstimmung aufs Fest.
Schon aus der Ferne leuchtet das Weihnachtswunderland. Die idyllische jahrhundertealte Mühle am Glattenzainbach, der in seinem Verlauf das Geistlochbächlein und den Kirnbach in sich aufnimmt, erstrahlt im Glanz der Lichter. Und bereits vor dem Ziel empfängt der größte Adventskalender im Schwäbischen Wald die Gäste. Alle Jahre wieder wartet die Mühlenweihnacht nämlich mit einem besonderen Glanzlicht auf – wie dem größten Adventskranz, einer begehbaren Schneekugel oder einem einzigartigen Adventskalender, der nicht nur Kinderherzen erfreut.
Riesiger Adventskalender überrascht Besucher der Mühlenweihnacht
Auch Erwachsene sind überrascht beim Anblick dessen, was sie hinter den Türen von Schränken, Vitrinen, Kommoden, eines Kühlschranks, in einer Truhe oder hinter einem Vorhang entdecken: Weihnachtsmäuse, Nussknacker, Räuchermännchen, ein kleines Schwimmbecken mit lauter Plastikenten und dem Motto „Weihnachtsenten mal anders“. Auch der miesepetrige Grinch, ein grüner Kobold, der Weihnachten verabscheut, hat sich hinter einem Türchen versteckt. Doch selbst der Griesgram hätte sich wohl kaum dem Zauber der Mühlenweihnacht entziehen können.
Zwischen Wald und Bach, Stockbrot und Lagerfeuer bleibt kein Platz für vorweihnachtlichen Stress und hektische Geschäftigkeit. Die Mühlenweihnacht bietet pure Vorfreude aufs Christfest. Selbst die Weihnachtswurst, die es nur hier gibt, schmeckt leicht nach Spekulatius. Die kleinen und großen Besucherinnen und Besucher schlendern schmökernd durch den Weihnachtsgedichtewald oder wandern über die kleine Brücke am Bach vorbei am beleuchteten Wasserfall zum Lebkuchenhaus, in dem die Schwäbische Waldfee sitzt und Weihnachts- und Mühlenmärchen erzählt.
Viel Arbeit steckt hinter der Mühlenweihnacht bei Murrhardt
Doch die besinnliche Atmosphäre zwischen hellen Sternen, kleinen und großen Nikoläusen, festlichen Christbäumen und Holzkrippe und das romantische Ambiente fällt nicht vom Himmel. Die Mühlenweihnacht, die doch Besinnlichkeit verbreiten soll, bedeutet im Vorfeld viel Stress und Arbeit für Manfred Krautter und Walter Hieber, die Naturparkführer im Schwäbischen Wald, die die Mühlenweihnacht initiiert haben, und für die Mühlenbesitzer Anja und Tim Hübner, die zum neunten Mal Gastgeber sind.
Mit der insgesamt zehnten Auflage – die allererste Mühlenweihnacht fand 2015 an der Heinlesmühle in Alfdorf statt – ist für die beiden Waldmeister Schluss. „Es ist ein Riesenaufwand, und die Personaldecke ist dünn. Außerdem sind wir alle nicht mehr die Jüngsten“, sagt Manfred Krautter, der alle Jahre wieder selbst seine Schwester und seinen Schwager – „beide über 75 Jahre“ – zum Dienst am Grill aktiviert hat. Leicht falle der Abschied aber nicht, so der Naturparkführer. „Das Herz blutet schon. Denn hier hat einfach alles gepasst, die Menschen, das ganze Ensemble, das macht doch die Stimmung aus.“ Es wäre sehr schade, so Krautter, wenn es tatsächlich die letzte Mühlenweihnacht an der Glattenzainbachmühle wäre.
Mühlenbesitzer würden die Mühlenweihnacht gerne weiterführen
Auch Mühlenbesitzerin Anja Hübner empfindet Abschiedsschmerz bei dem Gedanken, dass es nun vorbei sein soll. „Es steht in den Sternen, aber wir würden schon gerne weitermachen, wenn auch in etwas anderer Form.“ Denn es sei nicht nur die Manpower und die Kontakte, die mit dem Ausstieg der beiden Waldmeister wegfalle, sagt Anja Hübner. Nur dank des Engagements, der Ideen und des Einsatzes von Walter Hieber und Manfred Krautter sei ein solch abwechslungsreiches Programm für Kinder und Erwachsene mit Fackelwanderungen und Mühlenführungen möglich gewesen, so die Gastgeberin. „Wir würden die Mühlenweihnacht dennoch gerne im nächsten Jahr wieder machen, und einige der Helferinnen und Helfer haben auch schon zugesagt, dass sie wieder mit dabei sind.“ Die beiden Wanderparkführer und Initiatoren würden sich über eine Fortsetzung der Mühlenweihnacht im nächsten Jahr freuen. „Wir stehen mit Rat und Tat zur Seite und kommen gerne als Gäste wieder“, sagt Manfred Krautter.