Die Polizei hat den Attentäter noch nicht ausfindig gemacht. Foto: AP

Rechts und links des Rhein läuft die Suche nach dem Attentäter. Die deutschen und französischen Sicherheitsbehörden arbeiten dabei Hand in Hand.

Stuttgart - Der mutmaßliche Attentäter vom Straßburger Weihnachtsmarkt ist weiterhin auf der Flucht. „Die Polizei rechts und links des Rheins tut alles, um ihn zu ergreifen“, sagte Renato Gigliotti, Pressesprecher des baden-württembergischen Innenministerium. „Wir haben eine sehr enge und bewährte Kooperation mit den französischen Sicherheitsbehörden.“ Ein wichtiger Baustein der Austausches sei das Gemeinsame Zentrum für Polizei- und Zollzusammenarbeit in Kehl, über das wichtige grenzübergreifende Informationen zum Attentat fließen. „Sprachbarrieren gibt es da keine.“

Der polizeibekannte Chérif Chekatt, ein Franzose mit algerischen Wurzeln, hatte am Dienstagabend in der Nähe des Straßburger Weihnachtsmarktes um sich geschossen. Zahlreiche Menschen wurden verletzt, drei sind in Folge der Schüsse gestorben. Die Behörden gehen davon aus, dass der flüchtige 29-jährige Täter hochgefährlich ist. „Wir haben keinerlei Erkenntnisse, dass er sich in Deutschland aufhält“, sagte Gigliotti. Es habe nach der Veröffentlichung des Fahndungsfotos durch die französische Polizei zwar eine zweistellige Zahl an Hinweisen aus der Bevölkerung gegeben, aber keine Spur habe zu dem Gesuchten geführt. Weder ein Großeinsatz in Kehl am Mittwoch noch eine Razzia der Anti-Terror-Kräfte der französischen Polizei im Straßburger Wohnviertel Neudorf am Donnerstag waren erfolgreich.

Die Schleierfahndungskontrollen wurden verstärkt

Momentan gebe es eine hohe abstrakte Gefahrensituation und keinerlei konkrete Hinweise auf weitere mögliche Anschläge. Die Fahndungs- und Kontrollmaßnahmen entlang des Rheins seien erheblich intensiviert worden, es seien zusätzliche Beamte und Spezialkräfte im Einsatz, versicherte der Sprecher des Innenministeriums. Nicht nur das Landeskriminalamt und die Polizeipräsidien beteiligten sich an der Suche nach Chérif Chekatt, der sowohl in Frankreich als auch in Deutschland bereits mehrfach straffällig geworden war, „auch alle Bundesländer sind mit im Boot“. Man habe die Schleierfahndungskontrollen verstärkt, vor allem in Richtung Baden-Württemberg, bestätigte auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

Besonders gesichert sind die Grenzen nach Frankreich und zur Schweiz. „Die fünf Grenzübergänge im Bereich Kehl werden komplett überwacht“, sagte Jonas Große, der Sprecher der Bundespolizei in Stuttgart. „Wir sehen uns jedes Fahrzeug an“, auch alle Züge und die Tram würden von den Beamten gestoppt und kontrolliert, um zu verhindern, dass der gesuchte Franzose nach Deutschland flüchtet. Von Basel bis hoch nach Kehl sei die Bundespolizei entlang der Grenze mit verstärkten Kräften präsent. Aus ganz Deutschland seien aufgrund der Gefährdungslage zusätzliche Bereitschaftspolizisten angefordert worden. „Mit dabei sind auch Spezialkräfte, die speziell geschult sind im Vorgehen gegen terroristische Täter, die BFE Plus“, sagte der Sprecher der Bundespolizei. Die Beweis- und Festnahmehundertschaft wurde nach den Terroranschlägen von Paris gegründet, um im Bedarfsfall die GSG 9 der Bundespolizei oder auch Spezialeinsatzkommandos (SEKs) der Länder zu unterstützen.

Gegen den Attentäter ermittelt jetzt auch die Bundesanwaltschaft

Die Bundesanwaltschaft hat unterdessen ein Ermittlungsverfahren gegen den Straßburger Attentäter Chérif Chekatt eröffnet, bestätigte ein Sprecher der Behörde. Es bestehe der Verdacht des Mordes, des versuchten Mordes und der gefährlicher Körperverletzung. Aufgenommen worden seien die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falles – üblicherweise gelte das Strafgesetzbuch nur für Taten in Deutschland. „Es sind mehrere deutsche Staatsbürger von dem Attentat betroffen“, betonte der Sprecher. Sechs Personen stünden unter Schock. Die Federführung der Ermittlungen liegt jedoch bei den französischen Behörden.

In Frankreich gilt weiterhin die höchste Terrorwarnstufe. Sie gibt den Behörden außerordentliche Befugnisse: Sie reichen von landesweiten Ausgangssperren bis zu Demonstrationsverboten. Präsident Emmanuel Macron ordnete damit zudem mehr Soldaten für die Anti-Terror-Mission „Sentinelle“ an. Ab Donnerstag wurde die Zahl der Kräfte um 1800 auf 8800 aufgestockt. Zudem ermöglicht die höchste Terrorwarnstufe zusätzliche Polizeieinsätze, etwa auf Weihnachtsmärkten. Auch die Schließung öffentlicher Einrichtungen wie Museen und Schulen ist möglich, wie in Straßburg. Ziel der Sonderbefugnisse ist es laut dem Anti-Terror-Plan „Vigipirate“, „das Risiko eines bevorstehenden Attentats oder Folgeanschlags zu verringern“.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: