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Was Eltern alles anstellen, damit der Weihnachtsmann-Schwindel nicht auffliegt.

Stuttgart - Lügen ist keine gute Sache. Seinen eigenen Kindern sollte man erst recht immer die Wahrheit sagen. Wenn es aber um den Weihnachtsmann, den Nikolaus, das Christkind oder den Osterhasen geht, ist diese Regel bei uns völlig außer Kraft gesetzt. Da wird geschwindelt, dass sich die Balken biegen.

Zu unserer Verteidigung: Wir sind da so reingerutscht. Irgendwann, als das erste Kind alt genug war, um den Abend des 24.Dezembers nicht mehr süß schlafend im Gitterbett zu verbringen, wurde ihm die Geschichte vom Weihnachtsmann erzählt, der die Geschenke bringt. Weil man das selbst so kannte. Weil das doch nett ist, wenn sich die Kleinen eine Illusion bewahren, wenn sie an das Gute glauben.

Natürlich steckt auch purer Egoismus von uns Eltern dahinter. Schließlich ist der Weihnachtsmann ein prima Druckmittel. Wirft sich der bockige Nachwuchs zornesrot auf den Boden, wenn das Zimmer aufgeräumt werden soll, kann man ganz locker bleiben. Da genügt ein Satz wie: Du, das wird dem Weihnachtsmann aber gar nicht gefallen, dass du dich so benimmst. Brät die Kleine der großen Schwester eins über, weil die alleine mit ihrem Bauernhof spielen will, sagt man einfach: Das wird wohl nichts mit dem Playmobil-Haus zu Weihnachten. Der Weihnachtsmann bringt nur braven Kindern Geschenke. Und wenn statt der gewünschten Barbie pädagogisch wertvolles Holzspielzeug unterm Baum liegt, kann man den kindlichen Protesten ebenfalls mit einem Hinweis auf den Mann im roten Mantel aus dem Weg gehen. Sehr praktisch.

Beweise! Ihr müsst ein Foto machen

Doch Kinder werden mit zunehmendem Alter schlauer und stellen knifflige Fragen. Was macht der Weihnachtsmann eigentlich im Sommer? Teilt er sich mit dem Osterhasen eine Wohnung? Wie trägt er allein die vielen Päckchen? Und wir Eltern verstricken uns immer mehr in abstruse Geschichten. Schützenhilfe bekommen wir dabei vom Kinderkanal im Fernsehen. Dort hat man vor Jahren als Sidekick des Weihnachtsmanns ein Geschöpf namens Beutolomäus erdacht. In diesem sprechenden Wundersack aus geflickter Jute stecken alle Geschenke. Womit schon mal die Transportfrage beantwortet wäre.

Letztes Jahr aber bekamen wir die Pistole auf die Brust gesetzt. Die Kinder weigerten sich, wie sonst üblich an Heiligabend mit den Großeltern den Gottesdienst zu besuchen. Sie wollten mit Mama und Papa zu Hause bleiben (einer muss ja die Tür öffnen!), um den Weihnachtsmann auch mal zu sehen. Es brauchte viel Überredungskunst, die Herrschaften in die Kirche zu bewegen. Sie gingen nur unter einer Bedingung: Beweise! Ihr müsst ein Foto machen.

Kein Problem. Schließlich gehören zu den bisher von mir als sinnlos betrachteten Dingen, die mein Mann in die Ehe eingebracht hat, neben einem lebensgroßen Fritzle aus Plüsch, dem Maskottchen des VfB Stuttgart, auch ein Nikolauskostüm. Vor etwa 20 Jahren war es in seinem Freundeskreis der Brauch, sich kurz vor Heiligabend stilecht gewandet auf ein Bier zu treffen.

Das Fritzle ist längst via Ebay verkauft, doch das Kostüm war noch da. Zum Glück. Also wurden am 24. Dezember während der Predigt nicht nur der Baum geschmückt und die Geschenke herbeigeschleppt und im Wohnzimmer drapiert, sondern auch ein Foto gestellt. Die Kinder waren zufrieden und die Eltern froh, dass der Fotobeweis nicht an Ostern verlangt worden war. Wenn wir uns schon blamieren, dann nicht im Hasenkostüm. Da rücken wir irgendwann doch lieber mit der Wahrheit raus.

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