In diesen Tagen beginnen die ersten Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg. Das Thema Sicherheit und die damit verbundenen Kosten beschäftigt die Veranstalter.
In dieser Woche hat der Prozess gegen den Todesfahrer von Magdeburg begonnen, der im vergangenen Winter auf dem Weihnachtsmarkt sechs Menschen tötete und mehr als 300 verletzte. Die Frage nach der Sicherheit auf Weihnachtsmärkten stellt sich nicht erst seitdem auch im Südwesten. Viele Veranstalter hatten bereits nach dem Anschlag 2016 auf den Berliner Breitscheidplatz Sicherheitskonzepte erarbeitet.
Ob der Markt in Magdeburg in diesem Jahr stattfindet, ist unklar. In mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen und in Rostock wurde der Budenzauber wegen „nicht finanzierbarer Sicherheitsauflagen“ abgesagt. Die gute Nachricht für Weihnachtsmarkt-Enthusiasten und die Touristiker im Südwesten: Die größeren Märkte im Land finden allesamt statt. Auch der Landesverband Schausteller und Marktkaufleute (LSM) in Baden-Württemberg hat keinerlei Kenntnisse über Absagen.
Weihnachtsmärkte „so sicher wie jede Sportveranstaltung oder jedes Konzert“
„Die Weihnachtsmärkte im Land sind unsere Erachtens so sicher wie jede Sportveranstaltung oder jedes Konzert“, sagt LSM-Präsident Werner Burgmeier. Es werde „alles Menschenmögliche“ getan, Nachholbedarf gebe es nicht. „Man kann mit einem guten Gefühl hingehen“, so Burgmeier.
Inzwischen gehören Sperren, die Fahrzeuge davon abhalten sollen, auf die Plätze mit dem Buden zu gelangen, zum Bild eines Weihnachtsmarktes dazu. In Ludwigsburg (25.11. bis 22.12.) hat der Veranstalter mobile Hindernisse angeschafft, die sogar Lastwagen ausbremsen sollen. „Für die Besucher wird es sicherer und für uns kaum teurer“, so Mario Kreh, Geschäftsführer der Tourismus & Events. Die zusätzlichen Kosten beziffert er auf eine Zahl „im einstelligen Tausenderbereich“. Polizeistreifen und private Sicherheitsdienste sollen überdies auf allen Märkten im Land nach dem rechten schauen.
Esslingen mit seinem weit über die Region hinaus bekannten Mittelalter- und Weihnachtsmarkt (25.11. bis 22.12.) hat rund eine halbe Million Euro für „Profi-Equipment“ ausgegeben, mit dem auch andere Veranstaltungen in der Stadt geschützt werden. „Der Standard, der geschaffen wurde, dürfte für die kommenden Jahre reichen“, sagt Michael Metzler, Chef-Touristiker in Esslingen. Der Veranstalter setzt dabei auf eine Mischung aus festen und mobilen Pollern sowie Schleusen, an denen Personal steht. „Dass niemand ungewollt reinkommt, aber die Leute im Notfall auch schnell rauskommen, das ist bei den Planungen schon anspruchsvoll“, sagt Metzler. Ob künftig weitere Kosten in puncto Sicherheit anfallen, sei aus seiner Sicht „noch nicht absehbar“.
In Schwäbisch Gmünd (27.11. bis 21.12.) ist man diesbezüglich ziemlich sicher: Nachdem die Stadt die Infrastruktur angeschafft habe, seien „keine weiteren Kosten zu erwarten“, sagt Sprecher Robin Kucher. Aus seiner Sicht habe der Gmünder Weihnachtsmarkt „mit den aktuellen Maßnahmen ein Optimum erreicht. Eine einhundertprozentige Sicherheit kann auch mit einem größeren finanziellen Aufwand nicht erreicht werden“.
Weihnachtsmärkte in BW: „Aktuell haben wir keine konkrete Gefährdungslage“
In Stuttgart (26.11. bis 23.12.) sei das Sicherheitskonzept über Jahre erprobt und angepasst worden, heißt es von der in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft. Derzeit werde noch erörtert, ob es „noch punktuell aktualisiert werden soll“, heißt es. Sperren gehören dabei seit einiger Zeit dazu – wie auch bei der Göppinger Waldweihnacht (20.11. bis 28.12.), in Aalen (26.11. bis 23.12.) und in Konstanz beim Weihnachtsmarkt am See (27.11. bis 23.12.), wo sich im Vergleich zu den Vorjahren nichts substanziell verändert hat. Erstmals versperrt sind neuralgische Zugangspunkte beispielsweise auf dem Markt in Freiburg (20.11. bis 23.12.). „Aktuell haben wir keine konkrete Gefährdungslage“, sagt Bürgermeister Stefan Breiter.
Mehr Sicherheit, weniger Fläche: Das ist eine Konsequenz, die die Veranstalter des Käthchen-Weihnachtsmarkt in Heilbronn (25.11. bis 22.12.) gezogen haben. „Langfristig wird es darauf ankommen, eine wirtschaftlich tragbare und rechtlich sichere Balance zwischen festen baulichen Maßnahmen und flexibel einsetzbarem mobilen Schutz zu finden“, sagt Steffen Schoch, Geschäftsführer der Heilbronn Marketing GmbH. In Tübingen (12.12. bis 14.12.) können zwei Flächen, die mit Poller aus Stahl nicht geschützt werden können, nicht mehr genutzt werden. Es wurden aber andere Bereiche in der Altstadt identifiziert, auf denen Buden stehen können, sodass der Markt insgesamt sogar etwas größer werde, so Pressesprecherin Claudia Salden.
In Heidelberg (24.11. bis 22.12.) setzt man zusätzlich auf ein Verkehrskonzept, mit dem der „Individualverkehr soweit wie möglich ferngehalten“ werden soll. Wie anderenorts im Südwesten auch besteht die Herausforderung in Heidelberg, wo der Weihnachtsmarkt in der Altstadt aufgebaut wird; entscheidend sei, die Balance zwischen Sicherheit und Freiheit der Besucher zu finden. „Unser Ziel ist es, das Risiko so weit wie möglich zu reduzieren, ohne den offenen Charakter des Marktes einzuschränken“, so Sprecher Christian Beister.
Weihnachtsmärkte machen 35 Prozent des Jahresumsatzes aus
Während andere Veranstalter und Kommunen sich zurückhaltend zum Thema Kosten äußern, geht Baden-Baden (27.11. bis 6.1.) offensiv damit um. „Die Sicherheitsmaßnahmen verursachen jährlich steigende Kosten, wodurch der Markt insgesamt teurer wird“, heißt es von der Baden-Baden Kur und Tourismus GmbH. Die zusätzlichen Kosten würden an die Aussteller weitergegeben, die höhere Standmieten zahlen müssen. Der Veranstalter sei „daher kontinuierlich gefordert, Einsparpotenziale zu identifizieren“.
Für viele Marktkaufleute und Beschicker seien die Weihnachtsmärkte nach wie vor attraktiv, sagt Werner Burgmeier, weil sie bis zu 35 Prozent des Jahresumsatzes bringen würden. Und: Die Standmieten seien zwar vielerorts mit dem Hinweise auf Sicherheitskosten erhöht worden, die meisten Veranstalter würden die Kosten für Standmieten aber so handhaben, „dass das nicht übermäßig durchdringt“. Aber natürlich stoße man in puncto Kosten „irgendwann an Grenzen“. Burgmeier ist deshalb der Ansicht: „Das Gewaltmonopol liegt beim Staat, deshalb sollte der eigentlich auch die Kosten tragen.“