Der Nikolaus hat bei der Feier im Waiblinger Marienheim alle Hände voll zu tun: Rund 100 Geschenke gilt es zu verteilen. Foto: Gottfried Stoppel

In der Waiblinger Anschlussunterbringung Marienheim werden rund 100 gespendete Geschenke an Kinder verteilt. Mohamed freut sich über sein Lego-Präsent.

Waiblingen - Mohamed ist glücklich. Vorsichtig schüttelt er die in buntes Geschenkpapier verpackte Box im Format einer Schuhschachtel. Es klappert vielversprechend. „Ich glaube, da ist Lego drin“, sagt der Siebenjährige zufrieden: „Ich baue gerne mit Lego.“ Sein Papa nickt bestätigend und merkt an, dass der Sohn mit seinen ehrgeizigen Bauprojekten zu Hause öfter den Fußboden blockiert. Aber trotzdem schön, dass es geklappt hat mit dem Herzenswunsch des Erstklässlers, der ganz selbstverständlich mal Deutsch, mal Arabisch parliert – je nachdem, mit wem er sich gerade unterhält.

Der Nikolaus gibt sich klassisch

Mohamed ist eines von knapp 100 Kindern, für die Martina Werner und Wilfried Keller an diesem Abend kurz vor dem Weihnachtsfest eine vorgezogene Bescherung in der Waiblinger Anschlussunterbringung Marienheim organisiert haben. Der Nikolaus ist auch dabei und animiert Kinder und Erwachsene zum Singen. Begleitet von Saxofon und Querflöte erschallt gleich darauf „Lasst uns froh und munter sein“, gefolgt von dem Lied von der Weihnachtsbäckerei. Dann erzählt der Mann mit dem gewaltigen Rauschebart, was es mit dem Nikolaus auf sich hat. Neben vielen Geschenken hat er auch noch einige Ermahnungen mitgebracht: Die Kinder sollen sich weniger streiten, schön lernen und ihre Hausaufgaben machen – und auch das Aufräumen nicht vergessen.

„Das ist unsere erste Feier hier“, erzählt Wilfried Keller. In den vorigen Jahren hätten er und Martina Werner diese Weihnachtsaktion in der Unterkunft in der Winnender Straße veranstaltet. Mit der Feier allein war es aber nicht getan: zunächst ist das Duo mit einem Stapel Wunschkarten von Familie zu Familie gezogen und hat aufgeschrieben, mit welchem Geschenk man den Kindern eine Freude machen kann. „Wir hatten Spielzeugkataloge dabei“, erzählt Martina Werner, die darauf geachtet hat, dass in der Altersgruppe der Drei- bis Zehnjährigen vorwiegend Spielzeugwünsche auf den Karten notiert wurden und nicht Gutscheine, die später womöglich in Windeln oder Milchpulver getauscht werden. „Dafür haben die Eltern das Kindergeld“, sagt Werner, die beim Ausfüllen der Karten Wert darauf legt, „dass ich aufschreibe, was die Kinder sagen und nicht, was Mama oder Papa wollen“. Bei älteren Kindern seien Gutscheine in Ordnung.

Karten vom Weihnachtswunschstern

Die ausgefüllten Karten sind zusammen mit jenen, die soziale Organisationen wie die Waiblinger Tafel oder Profamilia verteilt hatten, am Weihnachtswunschstern der Christoph-Sonntag-Stiphtung befestigt worden, der seit einigen Jahren immer von Anfang Dezember an in der Stadtbücherei Waiblingen steht. Passanten konnten sich eine Karte pflücken, das gewünschte Präsent kaufen, verpacken und bei der Kreissparkasse Waiblingen abgeben, die die Geschenke dann an die richtige Adresse liefert.

Manche Besucher der Bücherei haben auch die bequeme Möglichkeit genutzt, die Karte nebst Bargeld in einen Umschlag zu stecken und in eine Box neben dem Wunschstern zu werfen. Die darauf notierten Geschenke, dieses Mal rund 25 Stück, hat Martina Werner dann selbst für „ihre“ Kinder besorgt und verpackt. „Es ist schon viel Aufwand, aber die Aktion ist sehr gut organisiert“, lobt sie und erzählt von vielen Nummern und Listen, auf denen alles feinsäuberlich erfasst werde, damit bloß nichts schief geht und kein Kind am Ende ohne Präsent bleibt.

Oder etwa doch? Der kleine Ahmed hat brav bis zum Schluss gewartet, nun ist der Tisch leer – und der Steppke steht traurig ohne Geschenk da. Wilfried Keller eilt los, stöbert und sucht – und wird zum Glück fündig. Das große rote Paket, mit dem er zurückkommt, kann Ahmed kaum tragen. Aber mit Mamas Hilfe klappt er doch – der Abtransport des ersehnten Spielzeugautos.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: