Reinhard Kubens holt „Weihnachtliches Handwerk aus dem Erzgebirge“ in seine Heimat. Er sagt: „Man erfährt Dinge, die man bisher nicht gewusst hat.“
Ein Raum voller Räuchermännchen – dieses Bild ging Reinhard Kubens durch den Kopf, als er sich vor Monaten Gedanken zur Weihnachtsausstellung im Etterhof gemacht hat, einem Kleinod im Herzen Hemmingens. Die Holzfiguren kennt der Vorsitzende des Ortsgeschichtlichen Vereins aus der Kindheit: Seine Großmutter hat Räuchermännchen gehabt, „und wenn wir brav waren, hat sie sie angezündet“, erzählt Kubens. Er findet, Räuchermännchen sprächen viele Menschen an, weshalb er jenen einen Bühne geben wollte.
Bald stellte er allerdings fest, dass Räuchermännchen recht klein sind – und die Vitrinen im Etterhof zahlreich. Also hat Reinhard Kubens das Thema erweitert, um auch größere Stücke zeigen zu können. Im Etterhof zu sehen ist nun deshalb „Weihnachtliches Handwerk aus dem Erzgebirge“. Räuchermännchen erwarten die Besucherinnen und Besucher natürlich, aber auch Nussknacker, Pyramiden, Schwibbögen, Bergmänner und Engel sowie Krippenfiguren und sogenannte Reifentiere – kleine Tiere, ebenfalls aus Holz.
Die Weihnachtsausstellung hätte noch viel mehr Exponate aus dem Erzgebirge zeigen können
Wie sonst auch haben Reinhard Kubens und sein Team die Menschen in Hemmingen gefragt, ob sie Exponate zur Ausstellung beisteuern können. Das konnten und wollten sie, und so sind gut 200 Stücke zusammengekommen. Es hätten noch mehr ausgestellt werden können, wenn die Leute sich früher gemeldet hätten: Viele seien erst auf ihn zugegangen, als die Schau schon lief. Kleinigkeiten habe er noch angenommen, berichtet Reinhard Kubens, Größeres aber nicht mehr.
Der Vereinschef stellte dabei fest: Wenn man in die Tiefe geht und sich intensiv mit dem Thema beschäftigt, erfährt man Dinge, die man bisher nicht gewusst hat. Jedenfalls sei es ihm so ergangen.
Vereinsvorsitzender: Erzgebirge vom Bergbau „schwer beeinflusst“
So sei die Geschichte des Weihnachtsschmucks aus dem Erzgebirge eng mit der Tradition des Bergbaus verbunden, der die Region bis ins 20. Jahrhundert prägte. Die Handwerkskunst spielte vor allem im Winter eine wichtige Rolle: Es wurden Holzfiguren geschnitzt, die auf Weihnachtsmärkten verkauft wurden. Die erzgebirgische Holzkunst hat sich seitdem zu einem wichtigen Teil der weihnachtlichen Tradition entwickelt. Dabei mische sich der Bergbau oft mit christlicher Tradition und christlichen Motiven.
Bergmann- und Engelfiguren zum Beispiel wurden laut Kubens für gewöhnlich paarweise zelebriert. Nach der Geburt eines Kindes bekamen die Eltern die eine oder andere Figur, je nach Geschlecht des Kindes. In der Weihnachtszeit seien die Figuren dann am Fenster aufgestellt worden, in der Reihenfolge der Geburt der Kinder.
Auch die Schwibbögen, so Kubens, fußen in der Bergbautradition: Lichtbögen seien früher aufgestellt worden, damit die Bergleute überhaupt mal Licht sehen. Der Bogen selbst sollte das Mundloch, den Eingang des Stollens darstellen. „Das sieht man in den modernen Schwibbögen aber nicht mehr“, meint Reinhard Kubens. Und: Die Pyramiden seien nichts anderes als stilisierte Fördertürme.
Sonntags offen
Ausstellung
Die Weihnachtsausstellung „Weihnachtliches Handwerk aus dem Erzgebirge“ im Etterhof in der Eisgasse in Hemmingen kann bis 4. Januar 2026 besichtigt werden. Die Schau öffnet immer sonntags von 14 bis 17 Uhr. Weitere Termine und Führungen gibt es nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei. Reinhard Kubens oder seine Stellvertreterin Christel Raasch sind immer vor Ort. Parallel dazu findet der Kaffeetreff an jedem Sonntag im Monat statt, von 15 bis 17 Uhr.
Termin
Dorothea Nafz berichtet am 14. Dezember von Bräuchen und Traditionen an „Weihnachten im Erzgebirge“. Beginn ist um 15 Uhr. Mehr Information im Netz: https://www.etterhof.de.