Teelichter in Papiermantel sind umweltfreundlicher als solche in einer Aluhülle. Foto: Imago/PicturePoint/Gabor Krieg

Teelichter und Kerzen sorgen in der Weihnachtszeit für kuschelige Atmosphäre. Das sollten Sie beachten, wenn sie mit gutem Gewissen die Stimmung genießen wollen.

Stuttgart - Pro Jahr lässt jeder Bundesbürger 2,4 Kilo Kerzenwachs in Rauch aufgehen. Viel davon wird im Inland produziert – aber es kommen auch immer mehr Billigprodukte aus China nach Deutschland. Der wichtigste Rohstoff für das Wachs ist nach wie vor Paraffin – etwa drei Viertel der Kerzen sind daraus hergestellt. Da Paraffin aus Erdöl gewonnen wird, haftet ihm nach Überzeugung vieler Umweltschützer der größte Ökomangel unter allen Kerzenbrennstoffen an – auch wenn es als relativ ungefährlich für Mensch und Umwelt gilt. Doch weil es es sich um einen fossilen Brennstoff handelt, ist die Klimabilanz negativ.

Auf den ersten Blick umweltverträglicher sind Kerzen aus Stearin, das aus pflanzlichen oder tierischen Ölen und Fetten gewonnen wird. Qualitativ hochwertiger und stabiler als Paraffinkerzen sind sie allemal. Und Stearin ist biologisch abbaubar. Verglichen zur Paraffinkerze ist die Stearinkerze härter und erzeugt beim Abbrennen weniger Ruß. Aber Stearin wird zumeist aus Palmöl gewonnen, und für neue Palmölplantagen wird auch heute noch Urwald gerodet. Gleichwohl ist es mit der Ökobilanz nicht so einfach: Immerhin liefern die Ölpalmen von allen Ölpflanzen am meisten Öl pro Hektar Anbaufläche. Und wenn keine neuen Urwaldflächen gerodet werden, sind auch manche Umweltschützer nicht mehr ganz so strikt gegen Palmöl. Wobei anzumerken ist, dass es wirklich nachhaltiges Palmöl derzeit noch kaum gibt – es sei denn, es stammt aus biologischem Anbau. Aber die Biopalmölmenge ist derzeit verschwindend gering.

Wie gut ist Bienenwachs?

Deutlich ökologischer sind Kerzen und Teelichter aus Bioraps oder aus nachwachsender Biomasse. Kerzenwachs auf der Basis von Sojaöl kommt heute noch meist noch aus Amerika, also von weither. Zudem wird es oft aus gentechnisch veränderten Sojapflanzen hergestellt.

In Stearinkerzen sind neben pflanzlichen Ölen und Fetten auch tierische Fette, etwa aus Schlachtabfällen, enthalten. Das kann man zwar als nachhaltig ansehen, aber es stammt eben aus Tieren, was für viele Veganer ein Problem ist – auch wenn das Wachs nicht gegessen wird. Bienenwachs ist zweifellos umweltfreundlich, vor allem wenn es aus einer regionalen Bioimkerei stammt. Zudem duftet es auch noch sehr angenehm. Umweltschützer weisen darauf hin, dass ein Großteil der Bienenwachsproduktion aus industrieller Imkerei komme, und die sei wenig tierfreundlich. Wegen des hohen Bedarfs müsse das Wachs zudem meist von weither importiert werden – aus China, Südamerika oder Südafrika. Fakt ist, dass Bienenwachs ein Nischenprodukt ist und bleibt: Für ein Kilo Wachs muss ein Bienenvolk ein Jahr oder länger arbeiten. Und das ist immer noch weit weniger als die 2,4 Kilo Jahresbedarf eines einzigen Bundesbürgers.

Auf Teelichter in Aluhülle besser verzichten

Die meisten Teelichter haben noch ein weit größeres Umweltproblem als Kerzen: Sie stecken in einer Aluhülle. Alu ist nur unter hohem Energieaufwand herzustellen. Es lässt sich zwar recyceln, aber das kostet zum einen auch wieder Energie, zum anderen muss es dazu ordnungsgemäß gesammelt werden. Es gibt allerdings Bioteelichter ohne Aluhülle zu kaufen. Die sollten dann aber zum Beispiel in eine Glashülle abbrennen, sonst könnte sich das flüssige Wachs auf der Unterlage verteilen und das Flämmchen frühzeitig erlöschen. Schade nur, dass die „nackten“ Teelichter meist teurer und zudem nicht überall zu kaufen sind.

Am umweltfreundlichsten wäre es, ganz auf Kerzen und Teelichter zu verzichten. Aber in der Weihnachtszeit fällt das schwer. So bleibt als Alternative, auf Aluhüllen bei Teelichtern zu verzichten. Und weniger denn mehr Kerzen anzuzünden – und die auch nicht den ganzen Abend brennen zu lassen. Auch wenn es für eine gemütliche Stimmung sorgt, muss man eine Teekanne nicht unbedingt mit einem Teelicht warm halten, das man eh nicht sieht.

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