Der griechische Wirt des TSV Weilimdorf bittet an Heiligabend Menschen zu sich, denen es nicht gut geht oder die alleine sind. Es gibt ein festliches Buffet und kleine Geschenke. Eine Tradition, die viele zu schätzen wissen.
Am Nachmittag des Heiligabend haben die meisten Restaurants geschlossen. Nicht so die Vereinsgaststätte des TSV Weilimdorf. Dort, in der Giebelstraße 66, nur einen Steinwurf von der Stadtgrenze zu Gerlingen entfernt, herrscht zwischen 12 und 16 Uhr Hochbetrieb, denn Dimitrios Evangelopoulos bittet zur Weihnachtsfeier.
Die Gäste gehören aber nicht etwa einer feinen Festgesellschaft an. Zu dem griechischen Gastronomen, den alle nur Dimi nennen, kommen an diesem Tag Menschen, für die in der Regel Weihnachten nicht das schönste Fest des Jahres ist: Einsame, Ältere oder jene, die für ein gutes Essen schlicht kein Geld haben.
Eine lange Tradition
Der Heiligabendtreff bei Dimi hat mittlerweile Tradition. Im Jahr 2018 hatte er zum ersten Mal an diesem besonderen Tag in seinem früheren Lokal, dem Schützenhaus Münster, die Türen geöffnet: „Ich hatte damals die Diakonie und die Kirchen über meine Aktion informiert, damit sie eventuell einige Bedürftige informieren können.“
Und von denen gibt es genügend: Am Tag vor Weihnachten ist beim griechischen Wirt, der im Alter von fünf Jahren nach Deutschland gekommen ist, jede Menge los. „Es sind ganz unterschiedliche Leute“, berichtet Evangelopoulos. „Viele ältere, nicht wenige, die erkennbar froh sind, ein warmes Essen zu bekommen. Es gibt ein kalt-warmes Buffet und für jeden noch ein kleines Geschenk.“
Persönliche Kontakte sind wichtig
Zieht ein solches Angebot nicht auch Schnorrer an? Das hat der ausgebildete Hotelfachmann, der in Leonberg lebt, bisher noch nicht erlebt. „Im Gegenteil. Die Dankbarkeit ist riesengroß. Manche schenken mir auch etwas, obwohl sie es sich oft vom Munde absparen müssen. Sollte wirklich jemand das ausnutzen, muss er es mit seinem eigenen Gewissen vereinbaren.“
Nach einer Corona-bedingten Pause hatte Dimi das Weihnachtsessen im vergangen Jahr wieder aufleben lassen. Dabei geht es nicht nur um das Essen, sondern auch um die Atmosphäre. Das gesamte Restaurant ist festlich geschmückt, natürlich gibt es einen echten Weihnachtsbaum. „Wichtig ist, dass die Menschen ins Gespräch kommen und Kontakte geknüpft werden“, erzählt der Gastronom. „Daraus können dauerhafte Bekanntschaften entstehen. Und das ist ja das schönste Weihnachtsgeschenk.“
Souflaki beim Kunstmaler
Wenn es am Dienstag wieder soweit ist, muss das Team von der TSV-Gaststätte nicht alles im Alleingang herrichten. Viele Gäste und andere Engagierte packen mit an. Als gastronomisches Aushängeschild des Vereins fühlt Evangelopoulos sich sehr wohl. Schon seit knapp zweieinhalb Jahren ist er hier, nach verschiedenen unterschiedlichen Stationen.
Fünf Jahre führte er mit seinem Bruder das Ciantelli in Sindelfingen. Bekannt sind auch seine kulinarischen Einsätze bei der Langen Kunstnacht in Leonberg. Am Kunstkiosk des mittlerweile verstorbenen Malers Peter Feichter grillte Dimi jedes Jahr frische Souflaki: „Die gingen weg wie warme Semmeln.“
OB Nopper war im vergangenen Jahr dabei
Mittlerweile muss der Grieche, dessen Familie aus der Region Thessaloniki stammt, gesundheitsbedingt etwas kürzer treten. Zwei Herzinfarkte hat er überstanden, aber sein Weihnachtsessen will er sich nicht nehmen lassen: „Das ist für mich die beste Medizin.“
Im vergangen Jahr war übrigens auch ein Gast da, der nicht unbedingt zu den Bedürftigen zählt: der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper. „Er hat sich richtig viel Zeit genommen und sich unter die Menschen gemischt“, erzählt Dimi heute noch begeistert vom Besuch des OB. „Das war eine tolle Geste. Viele würden sich freuen, wenn er auch am Dienstag wieder vorbeischauen würden.“