Steine, viele Steine - so reich wie unser Lokalredakteur Michael Weier jetzt? Foto: dpa

Vor der Ernte stehen die Blasen, das ist eine Erkenntnis, die unser Weinkolumnist Michael Weier bei seinen Versuchen im Weinberg schon öfter hatte. Derzeit bereitet er seinen eigenen Weinberg aufs Bepflanzen vor, zunächst stand Steine sammeln auf der Tagesordnung.

Stuttgart - Als angehender Winzer berichte ich heute über meine Fortschritte im Weinberg. Von Kollegen werde ich immer gefragt: Wann gibt’s endlich den ersten Wein? Ich kann immer nur antworten: Gemach, gemach, in den nächsten beiden Jahren nicht. Ein Weinberg gibt erst nach drei Jahren seine ersten Trauben ab. Ich sage den Kollegen dann: Aber ihr könnt gerne noch ein Fläschchen Lemberger für einen guten Zweck kaufen und damit die Zeit überbrücken.

Das Stückchen, das ich in Rotenberg gepachtet habe, sieht derzeit nämlich sehr trostlos aus. Ackerland, öde Scholle. Wir haben alles herausgerupft, die Erde ist grob umgegraben. Während der vergangenen zwei Wochenenden haben wir brav ­vorbereitet für den nächsten Schritt, damit maschinell die Erde zerkleinert werden kann – jetzt bin ich steinreich! Sehr erstaunt war ich auf jeden Fall, was da alles auf einem Acker herumliegt, eine durchgerostete Schöpfkelle habe ich gefunden, zwei alte Blechdosen, einen zerbrochenen Teller, ein paar Scherben – und wie gesagt: Sehr viele Steine. Immerhin liegen die nun auf einem Haufen, eine Art Trockenmauer, die ökologisch bestimmt sehr wertvoll ist, denke ich.

Als nächste Schritte stehen an: Die Fläche auszielen. Verstehen Sie nicht? Ich auch nicht. Aber so sagen die Experten wohl zu dem Vorgang, im Weinberg die Reihen festzulegen. Also einen Plan ­direkt auf dem Acker zu machen, mit Schnüren und Augenmaß. Danach muss man die Pflanzpfähle einschlagen. Als nächstes wird dann gepflanzt! Wobei es wie immer im Weinberg ist: Zunächst gibt’s Blasen an den Händen, weil ich ungefähr 350 Löcher graben muss für die Reben. An alle Bekannten, die immer schon mal mitarbeiten wollten: Das ist DIE Gelegenheit! Ansonsten muss nur noch das Gras gesät werden, fertig ist die Neuanlage. Und ich bin einen Schritt weiter auf meinem Weg zum großartigen Winzer.

Damit ich diesen Weg nicht gänzlich unvorbereitet gehe, war ich diese Woche zu Recherchegründen beim Trinken, eine der angenehmeren Nebengeräusche in meinem Beruf. Das Projekt, das ich dabei kennengelernt habe, nennt sich Blanker Wein Sinn. ­Joachim Blank arbeitet in einer Stuttgarter Bank und erzählte mir mit einem Augenzwinkern, dass er ­ansonsten nur den blanken Wahnsinn erlebe. Er selbst nennt sich in seinem Weinprojekt Sinn Geber. Sein Bruder, der Oenologe und folglich zuständig für den Wein ist, nennt sich Sinn Macher.

Die Weine heißen SchwabenSinn ­(Trollinger), TiefSinn (Lemberger) oder FeinSinn (Spätburgunder). Die Brüder kommen aus einer Wengerter-Familie, bezeichnen ihr Tun aber noch als Hobby. Sie bearbeiten ein paar Ar mehr als ich, verkaufen den Wein auch richtig, im ­Prinzip handelt es sich um einen Testballon, für den Aufbau des eigenen Weinguts. So weit will ich in Rotenberg mit meiner Scholle niemals gehen. Aber der Blanke Wein Sinn zeigt, wie viel Spaß so ein ­Projekt machen kann.

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