Weiers Weinlese Alter Schwabe

Von Michael Weier 

Bei solchen Helfern kann wirklich nichts passieren Foto: Herrweier
Bei solchen Helfern kann wirklich nichts passieren Foto: Herrweier

Tätä Tätä!!! Der Weinberg unseres Weinkolumnisten Michael Weier schaut nun tatsächlich wie ein solcher aus. Denn nun sind die Holzpfosten eingeschlagen und die meisten Drähte gespannt. Jetzt müssen nun nur noch die Reben wachsen, dann steht dem Projekt Weltbester Chardonnay nichts mehr im Weg!

Stuttgart - Die Pfosten stecken in der Erde, viele Drähte sind gespannt! Bisher ragten auf meinem Weinberg ein paar mickrige Pflänzlein aus dem Boden, jetzt sieht das Ganze wie ein Weinberg aus. Mit dicken Holzpfosten als Begrenzung der einzelnen Reihen, mit einer Drahtanlage. Wir sind fast fertig, unser unbändiger Kampfgeist fand nur ein Ende, weil die Drahtrolle ebenfalls eines hat. Für den finalen Handgriff ging uns das Material aus!

Der Rest lief dafür nach Plan. Ich habe tatsächlich den Tag mit dem schlechtesten Wetter des Jahres erwischt. Das habe ich natürlich so nicht geplant, aber dank Wettervorhersage geahnt. Es war nass und kalt, wobei sich beides als erträglich raus stellte. Gegen die Kälte half das Arbeiten, die Nässe hielt sich in Grenzen, der Bierkasten war am Abend immer noch nicht leer. Dazu war’s zu kalt. Auf meine Kumpels war zudem Verlass. Erstklassige Truppe, mein Nachbar hat ebenso fleißig geholfen wie der Vorstand Rolf Berner (ohne professionelle Hilfe stünden die Pfosten wohl eher windschief in der Gegend) – der allerdings gleich die Gegenleistung eingefordert hat: Bei der Lese muss ich mich revanchieren. Was mir eine große Freude sein wird!

Weinberg war also gut, am nächsten Tag die Weinprobe bei Junges Schwaben (davon nächste Woche noch einmal mehr) auch. Sieht man davon ab, dass ich fast das Glas nicht mehr halten konnte. Einen Tag im Weinberg anpacken tut den ­Händen eines Schreibtischtäters nur ganz bedingt gut. Die rechte Hand ist auf dem Handrücken richtig dick angeschwollen! Und als mir Rolf Berner beim Arbeiten sagte: Das ist gut für die Bauchmuskeln, da antwortete ich nur. Die gibt’s bei mir nicht. Worauf er sagte: Die gibt’s bei ­jedem, auch wen sie noch so gut versteckt sind. Ich glaube ihm inzwischen, denn der Muskelkater in meiner kleinen Kugel kommt sicher nicht vom Bier.

Alter Schwabe. Die Arbeit im Freien macht richtig Spaß, ich musste aber den Preis dafür bezahlen. Was nicht schlimm ist: Ich hab bei den Jungen Schwaben das Glas schließlich doch nicht fallen lassen und meinen muskelkatrigen Bauch mit feinem gereiftem Riesling von Jochen Beurer, einem harmonischen älteren ­Sauvignon blanc von Sven Ellwanger und einem sehr schönen 2006er Lemberger vom Herrn Wachtstetter gnädig gestimmt.