Nagel (links) und sein damaliger Chef Jens Weidmann im Jahr 2016. Foto: dpa/Arne Dedert

Mit Joachim Nagel an der Spitze wird die Bundesbank weiter als Mahnerin innerhalb der Europäischen Zentralbank auftreten, meint Wirtschaftsredakteurin Barbara Schäder.

Frankfurt - Der designierte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel ist bislang nur in Fachkreisen bekannt. Dort wird die Expertise gepriesen, die er sich vor Jahren im Vorstand der Notenbank, der staatlichen Förderbank KfW und zuletzt bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel erwarb. Als Geldpolitiker ist er bislang indes kaum in Erscheinung getreten. Für die Nachfolge von Bundesbankchef Jens Weidmann gab es profiliertere Kandidatinnen und Kandidaten: Die Notenbankerin Isabel Schnabel etwa sowie die Wissenschaftler Marcel Fratzscher und Volker Wieland.

 

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Doch Schnabel steht als Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) für eine Geldpolitik, die in Deutschland heftig umstritten ist. Auch Fratzscher, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, hat den Kurs der EZB immer wieder gegen Kritik verteidigt. Der Wirtschaftsweise Wieland wiederum wäre für die Bundesregierung ein unbequemer Partner, pochte er in der Vergangenheit doch lautstark auf mehr Haushaltsdisziplin.

Nagel steht für Kontinuität

Mit der Berufung des SPD-Mitglieds Nagel stellt der neue Bundeskanzler Olaf Scholz die eigene Partei zufrieden, ohne der Bundesbank eine Kursänderung aufzudrücken. Der 55-jährige Nagel hat den Großteil seiner Karriere bei der Notenbank verbracht, seine wenigen öffentlichen Einlassungen zur Geldpolitik standen ganz in der stabilitätsorientierten Tradition des Hauses. Seine Berufung verspricht also Kontinuität.

Bleiben wird es auch dabei, dass die Bundesbank im EZB-Rat eine Minderheitsposition vertritt. Doch gerade in Zeiten hoher Inflation ist es wichtig, dass sich diese Minderheit zumindest Gehör verschafft. Dank seiner internationalen Erfahrung bringt Nagel hierfür gute Voraussetzungen mit.

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