Die seit 1954 ansässigen Filterspezialisten schließen die Produktion. Ludwigsburg will die frei werdende Fläche für Gewerbe reservieren.
Ludwigsburg - Im vergangenen Juli wurde bekannt, dass Mann + Hummel die Produktion am Standort Ludwigsburg vermutlich 2022 aufgeben wird. Die Nachricht war nicht nur für die 400 von der Schließung betroffenen Beschäftigten ein Schock. Nun hat die Stadt begonnen, die Zeit nach dem Teilrückzug des seit dem Jahr 1954 in Ludwigsburg ansässigen Unternehmens zu planen: Das frei werdende Areal ist etwa fünf Hektar groß. Der Gemeinderat stimmte dafür, dass das Gelände für gewerbliche Nutzung erhalten bleiben soll.
Die Gemengelage im Gebiet zwischen Schwieberdinger-, Gröner- und Schlieffenstraße sei kompliziert, meinte Bürgermeisterin Andrea Schwarz. Bisher gebe es nur einen einfachen Bebauungsplan, der dort Vergnügungsstätten, Einzelhandel sowie am Rand auch Wohnbau gestattet. Darum sei es nötig, einen neuen Bebauungsplan aufzustellen, um dieses Gelände für neue Nutzungen zu reservieren.
Filterproduktion für Benziner
Die Firma Mann + Hummel, die weltweit 22 000 Personen an 80 Standorten beschäftigt, will die Produktion in Ludwigsburg aufgeben, weil diese Abteilung nach Aussage der Geschäftsführung bereits seit einigen Jahren defizitär arbeite. Die Ursache dafür sei die Krise des Verbrennungsmotors. In Ludwigsburg würden vor allem Kraftstoff-, Öl und Luftfiltersysteme für die Erstausstattung hergestellt. Alles Dinge, die in einem Elektroauto nicht mehr gebraucht werden.
Was von der Firma Mann + Hummel aber in Ludwigsburg bleiben wird, ist die Forschungs- und Entwicklungszentrale. „Außerdem werden wir weiter in das Technologiezentrum investieren“, erklärte die Firmenleitung im Herbst. Das heißt: Das relativ neue Gebäude unmittelbar an der Schwieberdinger Straße bleibt erhalten. Dazu wird es einen weiteren Ausbau entlang der Straße geben. Frei werden dagegen die Flächen in Richtung Norden bis zur Grönerstraße hin.
„Gewerbegebiet der Zukunft“
„Es wird wichtig, eine neue Erschließung für das Gelände anzulegen“, sagte Bürgermeisterin Schwarz. Wenn sich mehrere Nutzer dort ansiedelten, müsse es auch möglich sein, Fußwege anzulegen. Die Wilhelm-Fein-Straße, die bisher als nur halböffentlicher Zugang in der Mitte des Areals endet, müsse weitergeführt und zu einer öffentlichen Straße werden. Außerdem könne man das gesamte Gelände mit einer Art grünem Ring einrahmen.
Es sei wichtig, Gewerbeflächen bereitzustellen, damit Arbeitsplätze geschaffen werden können, heißt es in der Verwaltungsvorlage: „Angesichts weniger gewerblicher Entwicklungspotenziale kommt der künftigen Nutzung vorhandener Gewerbegebiete, speziell im Gewerbeschwerpunkt Weststadt, eine besondere Bedeutung zu.“ Die Ziele für die Weststadt sind sehr ehrgeizig: Sie soll „Gewerbegebiet der Zukunft“ werden, darum sollen auch Betriebe, die sich dort neu ansiedeln, „zukunftsorientiert“ arbeiten. Auf der Wunschliste ganz oben stehen Firmen aus den Bereichen Kreativwirtschaft und Digitalisierung. In der Nachbarschaft zu dem jetzt frei werdenden Gelände wurden dafür schon die Weichen gestellt: Auf dem neu ausgewiesenen Gewerbegebiet Waldäcker II jenseits der Schlieffenstraße.