Der Dienst bleibt freiwillig, doch den Fragebogen muss jeder 18-jährige Mann vom neuen Jahr an beantworten: Was die Bundeswehr wissen will.
Seit Freitag ist es endgültig: Nach dem Votum des Bundestages hat auch der Bundesrat das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz verabschiedet. Damit kann der neue Wehrdienst demnächst starten. Wer im nächsten Jahr 18 Jahre alt wird, bekommt einen Brief von der Bundeswehr. Dieser führt die jungen Menschen weiter auf einen Online-Fragebogen. Ein Blick hinein:
Geburtsdatum und Name sind dort bereits vorausgefüllt, diese Daten holt sich die Bundeswehr von den Einwohnermeldeämtern. Anschließend werden Bildungsabschlüsse und bereits abgeschlossene Ausbildungen abgefragt, dazu Sprachkenntnisse und Führerschein.
Der Fitnessstand soll angegeben werden
Die jungen Menschen werden nach Körpergröße und Gewicht gefragt, außerdem soll man eine Selbsteinschätzung über den Fitnessstand geben. Die möglichen Angaben reichen von „sehr gut, ich bin (fast) täglich sportlich aktiv“ über „gering, ich vermeide sportliche Betätigungen“. Wer eine anerkannte Schwerbehinderung hat, kann dies ebenfalls angeben.
Abgefragt wird ebenso, ob man in einem anderen Land zum Wehrdienst verpflichtet ist oder diesen schon geleistet hat. Das ist zum einen eine Frage der Sicherheit, zum anderen können Doppelstaatler in dem Zweitland rechtliche Probleme bekommen, wenn sie in Deutschland Wehrdienst leisten.
Danach wird über eine Skala von 0 bis 10 gefragt, wie ausgeprägt das Interesse am Wehrdienst ist. Wer 0 „Ich habe kein Interesse“ auswählt, für den ist der Fragebogen beendet. Alle anderen geben dann an, wie lange sie sich einen Dienst vorstellen können. Die Mindestdauer beträgt sechs Monate. Abgefragt wird auch, für welchen Bereich der Bundeswehr – also Heer, Marine, Luftwaffe, Unterstützungsbereich oder Cyber – man sich interessiert. Auch wann man mit dem Dienst beginnen möchte, kann man angeben.
Vom Verteidigungsministerium heißt es, die Bewerber würden anhand ihrer Daten-Angaben unterschiedlich priorisiert. Wer etwa sportlich sei, unbedingt zur Bundeswehr möchte und sich auch vorstellen kann, mehrere Jahre zu bleiben, soll schneller gemustert werden. Die ersten Briefe sollen bereits Mitte Januar verschickt werden. „Unsere Planungen sehen vor, dass wir rund 650 000 Personen eines Jahrgangs anschreiben. Pro Monat wären das circa 54 000 Personen“, heißt es vom Verteidigungsministerium.
Bei falschen Angaben droht Bußgeld
Auch wenn der Dienst freiwillig bleibt, gibt es verpflichtende Elemente. Männer müssen den Fragebogen innerhalb von vier Wochen ausfüllen, bei Frauen ist das freiwillig. Versäumen Männer die Frist, bekommen sie eine Erinnerung. Antworten sie nach weiteren vier Wochen erneut nicht oder machen falsche Angaben, können sie mit einem Bußgeld belegt werden. Denn den Fragebogen nicht auszufüllen, gilt als eine Ordnungswidrigkeit.
Auch zur Musterung müssen Männer erscheinen. Diese soll perspektivisch in 24 neuen Musterungszentren und acht großen Karriere-Centern stattfinden. Sie ist auch Voraussetzung für eine mögliche Kriegsdienstverweigerung.