Intercity auf der Gäubahn – bald nicht mehr in Herrenberg? Foto: Deutsche Bahn

Die Entscheidung der Bahn, die Intercity-Halte in Herrenberg, Bondorf und Gäufelden zu streichen, kritisieren die betroffenen Bürgermeister scharf.

Mit deutlichen Worten wendet sich Oberbürgermeister Nico Reith (parteilos) gegen die Pläne der Deutschen Bahn, von Dezember an den IC-Halt in Herrenberg zu streichen. Die Entscheidung sei „schlichtweg inakzeptabel“ und kopple über 100 000 Menschen im Oberen Gäu faktisch vom Fernverkehr ab. Das schreibt Reith am Freitag in einem Offenen Brief an die DB-Konzernbevollmächtigte Clarissa Freundorfer.

 

Hintergrund ist das sogenannte „Stabilisierungskonzept Gäubahn“ der DB Fernverkehr. Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember soll der IC zwischen Böblingen und Horb durchfahren – ohne Halt in Herrenberg, Gäufelden und Bondorf. Stattdessen werden die Züge künftig stündlich in Sulz und Oberndorf halten, die bisher nur alle zwei Stunden bedient wurden. Die Bahn erhofft sich dadurch mehr Pünktlichkeit auf der teils einspurigen Strecke.

Nico Reith: „Nicht nur fachliche Gründe“ für Streichung des IC-Halts in Herrenberg

Als Kompensation soll der MEX Stuttgart-Böblingen-Gäu auch außerhalb der Hauptverkehrszeiten stündlich statt zweistündlich fahren. Einzelne IC-Halte in Herrenberg sind lediglich „am Tagesrand“ – also früh morgens und spät abends – vorgesehen, teilt die Deutsche Bahn mit. Die DB selbst bezeichne Herrenberg als „größten Halt, den wir auslassen“. Umso unverständlicher ist der Wegfall für Reith: Die Stadt mit 34 000 Einwohnern sei eine zentrale ÖPNV-Drehscheibe und Anfangs- und Endpunkt der S-Bahnlinie 1 sowie der Ammertalbahn.

In seinem Brief an die Deutsche Bahn wählt Reith deutliche Worte: „Ehrlich gesagt entsteht daher bei uns der Eindruck, dass dieser Vorschlag nicht nur auf fachlichen Gründen basiert, sondern unter Umständen politisch beeinflusst wurde“. Er verweist auf die Einwohnerzahlen: Während Herrenberg 34 000 Einwohner zählt, hätten Oberndorf (14 600), Spaichingen (13 700), Sulz (12 700) und Engen (11 700) deutlich weniger – behielten aber ihren IC-Halt.

Was der fehlende IC-Halt in Herrenberg für Pendler bedeutet

Die Konsequenzen seien laut ihm gravierend: Pendler müssten künftig in Horb umsteigen, was zu Zeitverlusten von bis zu 30 Minuten führen könne. Für die regionale Wirtschaft bedeute dies einen Standortnachteil, für den Tourismus ein „fatales Signal“, schreibt Reith. Im Jahr 2028 stünden außerdem die Heimattage Baden-Württemberg in Herrenberg an – „dann ohne IC-Halt?“, fragt Nico Reith.

Nico Reith ist Herrenbergs OB. Foto: Archiv/Stefanie Schlecht

Der Oberbürgermeister schließt sich der Forderung von Landrat Roland Bernhard an, die Entscheidung zu überdenken, und fordert unmissverständlich: „Belassen Sie den IC-Halt in Herrenberg“.

Der Brief ist mitunterzeichnet von den Bürgermeistern aus Gäufelden, Jettingen, Bondorf und Mötzingen. Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg hatte laut Reith angeregt, zumindest den Halt in Herrenberg beizubehalten – offenbar ohne Erfolg.