Der Angeklagte soll Kokain in Peru bestellt haben. Foto: dpa

Ein Stuttgarter soll einen Bekannten damit beauftragt haben, Kokain aus Peru nach Stuttgart zu schmuggeln. Er sagt vor Gericht, es sei alles ganz anders gewesen.

Stuttgart - In geselliger Dreierrunde sollen der Angeklagte und zwei Freunde regelmäßig zusammengesessen haben, um Kokain zu schnupfen. Das sei allerdings schon mehr als zehn Jahre her, trägt der Staatsanwalt vor. Damals sei bei dem 52-jährigen Stuttgarter, der sich jetzt vor der 7. Strafkammer des Landgerichts verantworten muss, der Plan gereift, in den Kokainhandel einzusteigen. Der Angeklagte bestreitet das – und er hat für alles eine ganz eigene Erklärung.

2005 soll der gebürtige Stuttgarter seinem Bekannten ein 20 000-Euro-Darlehen gewährt haben. Die Rückzahlungsmoral des Bekannten scheint nicht besonders ausgeprägt gewesen zu sein. Also soll der Angeklagte ihm Jahre später vorgeschlagen haben, seine Schulden durch Kokainschmuggel abzuarbeiten. Er kenne in Peru die richtigen Leute dafür.

35 Drogenpäckchen in zwei Koffern

Ende November 2011 reiste der Bekannte tatsächlich nach Lima. Der Angeklagte soll mit seinem Verbindungsmann Carlos in Lima die Lieferung von zweieinhalb Kilo Kokain vereinbart haben. Dafür seien spezielle Koffer gebaut worden. Der Bekannte nahm einen schwarzen und einen blauen Koffer mit den Drogen in Empfang und machte sich am 8. März 2012 auf, von Lima über Amsterdam nach Stuttgart zu fliegen. Doch noch vor dem Check-in in Lima wurde er kontrolliert und festgenommen – mit insgesamt 35 Drogenpäckchen. Der Mann wurde in Peru zu sechs Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt. Vor Gericht belastete er den Angeklagten.

2016 wurde der Drogenkurier vorzeitig entlassen. Inzwischen ermittelte die Polizei gegen den jetzt Angeklagten. Im September 2017 wurden die Geschäfts- und Wohnräume des Informatikers im Stuttgarter Osten durchsucht. Die Beamten stellten 54 Gramm Kokain in einem Sicherungskasten und eine halbautomatische Handfeuerwaffe der Marke Tokarev samt Munition in einem Stromkasten sicher. Im Hobbyraum fanden sie dynamitähnliche Böller, im Keller 48 000 Euro Bargeld. Der Staatsanwalt wirft dem Vater zweier Töchter Drogenhandel, die versuchte Anstiftung dazu sowie Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz vor.

„Ich habe keinen Drogenhandel betrieben“

„Ich habe keinen Handel mit Kokain betrieben und niemanden nach Peru geschickt“, lässt der 52-Jährige seinen Verteidiger vortragen. Sein Bekannter habe mit dem Darlehen, das insgesamt mehr als 40 000 Euro betragen habe, Jeans aus Peru importieren wollen, so der Angeklagte. Er sollte am Gewinn beteiligt werden. Dann sei der Kontakt abgebrochen. „Warum er mich im peruanischen Prozess belastet hat, weiß ich nicht“, so der Angeklagte.

Die bei ihm gefundenen knapp 50 Gramm Kokain habe er für seine Ex-Frau aufbewahrt, ebenso wie die Tokarev. Auch die Waffe habe seiner Frau gehört. Sie habe sich früher prostituiert und sei in „Gangsterkreisen“ verkehrt. Später habe sie sich auf einer Sexseite im Internet zum Kauf angeboten. Offenbar hat ihn seine Ex-Frau auch belastet. Warum sie die Unwahrheit sage, wisse er nicht, so der 52-Jährige. Jedenfalls habe er nach der Scheidung Drohungen von ihrem neuen Freund erhalten. Seine ehemalige Gattin bezeichnet er als drogensüchtig und emotional instabil. Der Prozess wird am 17. Juni fortgesetzt.

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