Das Feuerwerk hat manche klimafeindliche Wolke hinterlassen. Foto: SDMG

Als der Konstanzer Gemeinderat vor wenigen Wochen den Klimanotstand ausrief, wurde das von manchen belächelt. Doch jetzt macht der OB Ernst – und das berühmte Seenachtsfest könnte zum ersten Klimaopfer werden.

Konstanz - Es ist zuerst nur eine unverbindliche Absichtserklärung gewesen, doch jetzt könnte die Ausrufung des Klimanotstands durch den Gemeinderat in Konstanz das erste konkrete Opfer fordern: das Seenachtsfest. Es lockt alljährlich Anfang August Zehntausende an den Bodensee, nun steht es offenbar vor dem Aus. „Es ist meines Erachtens richtig, das Seenachtfest in der bisherigen Form vom Jahr 2020 an nicht mehr durchzuführen“, sagte der Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) laut einer Mitteilung.

„Das Seenachtsfest passt nicht in die Zeit“

Anfang Mai hatte die Stadt mit 84 000 Einwohnern als erste in Deutschland den Klimanotstand ausgerufen. Kritiker haben daraufhin gewitzelt, das Traditionsfeuerwerk, bei dem Raketen im Wert von 80 000 Euro in den Nachthimmel geschossen werden, müsse als Konsequenz abgesagt werden. Jetzt macht der Oberbürgermeister Burchardt aus dem Spaß Ernst. Er verhandle bereits mit dem Veranstalter. Bis 2020 ist die Ausrichtung des Seenachtsfests an die Stuttgarter Full Moon Group verpachtet. Er gehe davon aus, dass man zu einer einvernehmlichen Lösung komme, sagte Burchardt.

Das Seenachtsfest „passt nicht mehr nach Konstanz, und es passt nicht mehr in die Zeit“. Full Moon habe zugesagt, bereits in diesem Jahr die Bemühungen der Stadt zu unterstützen und ein klimafreundlicheres Feuerwerk zu gestalten, heißt es aus der Stadtverwaltung. Eventuell seien bei der Logistik CO2-Einsparungen möglich, sagte Thilo Reutter von Full Moon.

Kein Fest für die Konstanzer?

Nicht zum ersten Mal in seiner 70-jährigen Geschichte wird das Seenachtsfest infrage gestellt. Anfang der 80er Jahre fühlte man sich zeitweise von Motorradgruppen förmlich überfahren. Damals gab es bereits ein Pausenjahr. Bei seinem Amtsantritt vor sieben Jahren hat OB Burchardt versprochen, das Fest von einer Attraktion für Tagestouristen wieder zu einem Fest der Konstanzer zu machen. Gelungen ist dies nicht. „Viele Konstanzer wünschen sich ein kleineres, konstanze­rischeres Seenachtfest“, sagte Burchardt. Auch mit der Nachbarstadt Kreuzlingen, die alljährlich als Co-Veranstalter fungiere, sei man in Gesprächen, sagte eine Sprecherin der Stadt.

CDU-Mann spricht von Populismus

Als No-Go bezeichnete der Konzilswirt Manfred Hölzl das drohende Ende des größten deutschen Seefeuerwerks. Es sei „marketingtechnisch ganz schwierig“, wenn die Stadt suggeriere, Gäste sollten lieber draußen bleiben, man wolle lieber ein Fest für Konstanzer, sagte Hölzl, der dem örtlichen Hotellerie- und Gaststättenverband vorsitzt. „Wir wollen eine Tourismusmetropole sein“, das gehe aber nicht ohne Saisonhöhepunkt. Als CDU-Stadtrat habe auch er der Ausrufung des Klimanotstands zugestimmt. Diesem Beschluss nun das Seenachtsfest zu opfern sei allerdings populistisch. Offenbar sei Burchardt, dessen erste Amtszeit 2020 ausläuft, schon im Wahlkampf.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, begrüßte die Neubewertung der Veranstaltung. Städte hätten auch bei Volksfesten eine Schlüsselfunktion für den Klimaschutz, sagte er dem SWR. Eine generelle Tendenz zu kleineren Festen könne man daraus aber nicht ablesen: Es werde auch weiterhin Großveranstaltungen wie das Münchner Oktoberfest geben.

Lob erntete der OB von den Schülern und Studenten von Fridays for Future, die den Klimanotstandsbeschluss angestoßen hatten. Nach der Einführung einer Solarpflicht für Neubauten sei die Abschaffung des Seefeuerwerks der „logische nächste Schritt“, sagte deren Sprecher Max Herzog. „Aber wir stehen erst am Anfang.“ Wird nun für die Nachhaltigkeit alles gestrichen, was Spaß macht? Nein, sagt der 22-Jährige, es sei umgekehrt: „Nur wenn wir nachhaltig sind, werden wir künftig noch Spaß haben.“

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